Wohnen in Vorarlberg: Die Miete sorgt für Druck

Vorarlberg / 06.03.2022 • 08:00 Uhr
Wohnen in Vorarlberg: Die Miete sorgt für Druck
APA/Fohringer, Dowas

Mit steigenden Preisen für das Grundbedürfnis Wohnen bleibt vielen Menschen in Vorarlberg nicht mehr genug Geld zum Leben.

von Henry Dünser

Bregenz „Ich komme nicht über die Runden“ ist ein Satz, den Peter Brunner, Geschäftsführer der Dowas in Bregenz, immer öfter hört. Rund neunhundert Klienten hätten er und sein Team letztes Jahr betreut. „Probleme am Wohnungsmarkt gibt es schon länger. Früher hat es ärmere Menschen betroffen, die Kreise werden aber immer größer“, sieht der Sozialarbeiter eine bedrohliche Tendenz.

„Ich kann nur von Einzelfällen sprechen. Aber in unserer beruflichen Wahrnehmung haben die Schwierigkeiten bei der Wohnungssuche wesentlich zugenommen. Auch Personen mit moderatem Einkommen suchen Beratung und Hilfe bei uns.” Betroffen seien meist Familien mit mehreren Kindern, Alleinerziehende und alleinstehende Personen. Sie würden unter massivem Druck stehen, um in angemessener Zeit eine gute Wohnung zu finden.

Grund dafür sei die ungebremste Preissituation. Bei den Mieten und im Lebensunterhalt. „Die gestiegenen Kosten konnten im Vergleich zum Einkommen in den letzten Jahren nicht kompensiert werden. Die Steigerungen betreffen meistens Mieter, die im privaten Bereich wohnen. Der soziale Wohnbau federt die Situation etwas ab, aber auch dort sind die Kosten gestiegen.”

Größere Auswahl

Für die Vermieter ergibt sich aufgrund der Nachfrage eine höhere Anzahl an Suchenden. Peter Brunner dazu: „Dieser Umstand führt zu einer Selektion. Da gibt es ein regelrechtes Gerangel, wenn man sich um eine Wohnung bewirbt. Die Leute müssen nehmen, was sie kriegen. Wir merken, dass Familien mit mehreren Kindern benachteiligt sind.” Vor allem die Dauerhaftigkeit eines Mietverhältnisses sei für einen Haushalt mit mehreren Personen wichtig. „Unbefristete Mietverträge gibt es nicht mehr. Wenn ich dann alle drei Jahre umziehen muss, ist das nicht zielführend. Vor allem die Kleinen müssen sich immer wieder an eine neue Umgebung gewöhnen.”

Dazu käme, dass eine Veränderung der Wohnsituation ein Loch ins Budget schlage, die Kosten für die meisten nicht zu stemmen seien. „Umziehen kostet eine Menge Geld. Vermittlungs- und Vertragsgebühren, Kautionen, ummelden, die erste Miete – um nur einige Positionen zu nennen.” Wichtig sei, sich gleich über Unterstützungsmöglichkeiten zu informieren. Die gäbe es in Form der Wohnbauhilfe, durch Spenden, bei sozialen Institutionen.

Was tun, wenn ich raus muss?

Wohnungsverlust kann verschiedene Ursachen haben. „Sobald sich etwas andeutet, reagieren. Das Umfeld informieren. Familie, Freunde, Bekannte, Kollegen. Wer kennt jemanden, wer wüsste etwas. Wir vom Dowas können in manchen Fällen eine Verlängerung erwirken. Im äußersten Notfall, wenn eine Delogierung droht, gibt es Krisenwohnungen und den Krisendienst im Kinderdorf, Jugendhilfe und Jugendwohlfahrt. Dass Familien auf die Straße gestellt werden, ist in Vorarlberg zum Glück äußerst selten“ betont Brunner abschließend.