Helden- gesichter
Helden fackeln nicht lange. Wo andere zaudern, handeln sie. Mut ist ihr zweiter Vorname. Dabei achten sie der Gefahr nicht. Denn ein Held schätzt sein eigenes Leben nie so hoch ein, dass er es nicht für andere aufs Spiel setzte. Die Schwächeren dürfen auf ihn zählen. Auf einen Helden ist Verlass. „Ich hab jetzt grad noch etwas anderes…“ käme ihm nie über die Lippen.
Wahre Helden halten durch. Gegen alle Unkenrufe und jede Vernunft bleiben sie auf dem Posten, bis das Schicksal ein Einsehen hat. Oder auch nicht, denn die Geschichte quillt über von toten Helden. Ihnen werden Kränze gewunden und Denkmäler errichtet. Heldenepen wurden einst in den Königshallen erzählt, in großartiger Musik vertont, flimmern in bester Sendequalität heute über die Bildschirme.
Helden liebt man zu allen Zeiten. Mehr noch: Wir brauchen sie. Ohne Helden drohten wir zu ertrinken in unserer Mittelmäßigkeit. Deshalb gieren wir nach ihren Geschichten. Wir richten uns auf an ihrem Edelmut. Denn Helden opfern sich für andere auf. Das ist ihr Job. Daran werden sie erkannt. Aber warum nur kommt uns das Wort „Heldinnen“ partout nicht über die Lippen, wenn ein Bus voller erschöpfter Frauen mit ihren verweinten Kindern an der Hand nach endloser Flucht vor dem Krieg endlich ankommt im Exil?
Thomas Matt
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