Als das Gas nach Bregenz kam

Vorarlberg / 04.04.2022 • 17:46 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Auf diesem alten Luftbild der Stadt Bregenz befindet sich links unten die Anlage der Stadtwerke Bregenz. <span class="copyright">Stadtarchiv Bregenz</span>
Auf diesem alten Luftbild der Stadt Bregenz befindet sich links unten die Anlage der Stadtwerke Bregenz. Stadtarchiv Bregenz

Gas wurde ursprünglich für die Beleuchtung verwendet, Erdgas ist seit 1970 in Verwendung.

BREGENZ Die Energienutzung und -gewinnung ist derzeit angesichts der Auswirkungen des Kriegs in der Ukraine ein vieldiskutiertes Thema. Wir haben die Geschichte der Gasnutzung und der damit verbundenen Entstehung der Stadtwerke in Bregenz unter die Lupe genommen.

Der Energiegehalt von Erdgas ist dank dem höheren Wasserstoffanteil höher als jener von Stadtgas, das seit 1866 in Bregenz aus Steinkohle erzeugt wurde. Gas wurde damals vor allem für die Beleuchtung benötigt.

Gas diente der Beleuchtung

Am 11. April 1866 suchte die Seidenfabrik „Gebrüder Schmied & Comp.“ beim Bregenzer Stadtmagistrat um die Genehmigung zur Errichtung einer Gasbetriebsanlage zum Zweck der Beleuchtung ihrer Fabrik an. Mit Schreiben vom 22. Juni 1867 bewilligte das k. k. Bezirksamt Bregenz dieses Vorhaben. Der Bau der Anlage dürfte noch in diesem Jahr begonnen worden sein. Auch die Stadt interessierte sich dafür, um mithilfe des Gases die Straßenbeleuchtung zu verbessern. Die Verhandlungen führten bald zu einer Einigung, schon am 30. Juni 1869 wurde ein Vertrag über Lieferung für Gas für einige Straßenlaternen abgeschlossen. Gleichzeitig mit der Stadtgemeinde verpflichteten sich 60 Private, Gas für Beleuchtung einzuführen.

Geburtsstunde der Stadtwerke

In den Jahren 1872 bis 1876 ging die Seidenfabrik und damit das Gaswerk auf die Firma Schwerzenbach und Appenzeller über. Diese Firma schlug mit Schreiben vom 20. April 1880 der Stadtgemeinde anlässlich des im Jahre 1882 ablaufenden Gaslieferungsvertrages vor, die Gaserzeugung selbst zu übernehmen. Am 1. April 1896 war es so weit: Die Stadt Bregenz übernahm das Gaswerk. Das war die Geburtsstunde der Stadtwerke Bregenz.

Einführung der Elektrizität

Das Werk nahm von dort an einen stetigen Aufwärtstrend. Die ersten Schatten auf diese Entwicklung warf das Jahr 1902, in welchem die Vorarbeiten über die Einführung der Elektrizität aufgenommen wurden. Die Stadt als Besitzerin des Gaswerkes entschloss sich, um konkurrenzfähig zu bleiben, die Anlage zu modernisieren und gleichzeitig den Gaspreis von 34 Heller auf 30 für Leuchtgas und von 24 auf 20 Heller auf Nutzgas zu senken.

Doch erst ab 1907 stieg der Verbrauch wieder an, da Gas immer häufiger für Kochzwecke verwendet wurde. 1909 wurde auch die Nachbargemeinde Rieden-Vorkloster mit Gas beliefert.

Der Erste Weltkrieg brachte abermals eine Zäsur. Als die Kohlezufuhr 1919 ausblieb und die Versuche mit der im Wirtatobel abgebauten Kohle zu keinem Erfolg führten, da diese Kohle zur Gaserzeugung nicht geeignet war, musste das Gaswerk Mitte 1919 stillgelegt werden.

Bei Wiedereröffnung des Werks im Juni 1920 hatten die meisten Leuchtgas-Abnehmer auf elektrische Beleuchtung umgestellt und es dauerte mehrere Jahre, bis der Gasabsatz des Jahrs 1918 wieder erreicht wurde. In den Jahren 1925/26 wurden ein neues Ofenhaus und dritter Ofenblock errichtet. Es folgte noch ein vierter Retortenofen.

Volksbad wurde errichtet

1927 übernahmen die Gaswerke eine weitere Aufgabe: Aufgrund eines Gemeindeausschuss-Beschlusses wurde das Gaswerk beauftragt, das Volksbad der Stadt Bregenz auf eigene Kosten zu errichten. Die Warmwasserbereitung für das Bad nutzte die Heizabgase des Gaswerkes. Das Volksbad in der Klostergasse wurde erst am 31. Dezember 1985 aus Rentabilitätsgründen geschlossen und wenig später dann auch abgerissen.

Der Gasabsatz stieg bis 1932 kontinuierlich an, sank dann aber bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs um etwa zehn Prozent. Mit der nationalsozialistischen Machtübernahme 1938 stieg der Absatz wieder, was zu einem Ausbau auf eine durchschnittliche Tagesleistung von 3000 m3 Gas führte. Der 1925 gebaute Retortenofen wurde abgebrochen und ein weiterer Retortenofen neu gebaut. Neu errichtet wurde auch ein Zimmer für den Heizer, eine Koksbrecheranlage und die Maschinenanlage wurden erneuert.

Gaswerksanlagen abgerissen

Nach dem Zweiten Weltkrieg ging es vorerst darum, größere Schäden, die das Gaswerk und die Leitungen erlitten hatten, zu reparieren. 1954 schloss man schließlich mit der Stadt Lindau einen Gaslieferungsvertrag ab. Damit endete die Eigenerzeugung von eigenem Stadtgas, nur die Gasbehälter blieben vorerst bestehen.

Im Jahr 1970 wurde schließlich auf Erdgas, das man aus Pillendorf-Frohnhofen bezog, umgestellt. 1979 und 1986 expandierten die Bregenzer Stadtwerke schließlich nach Lochau und Hörbranz. Erst 1983 wurden die alten Gaswerksanlagen abgebrochen. Auf dem Areal entstand schließlich das Gebäude der Landesgendarmerie – heute Bundespolizei. fst

Hier standen einst die ehemaligen Gasbehälter der Stadt Bregenz, nach deren Abbruch fand hier die Polizei ihr neues Zuhause.<span class="copyright">Stadtwerke Bregenz</span>
Hier standen einst die ehemaligen Gasbehälter der Stadt Bregenz, nach deren Abbruch fand hier die Polizei ihr neues Zuhause.Stadtwerke Bregenz

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