Ländle-Ahnenforscher stellten in Lustenau ihre Methoden vor

Vorarlberg / 04.04.2022 • 20:00 Uhr
Ländle-Ahnenforscher stellten in Lustenau ihre Methoden vor
Friederike und Wolfgang Perle aus Dornbirn holten sich Tipps, wo sie Daten zu ihrer eigene Familiengeschichte finden können.

Genealogie-Verein IGAL lud zur Ausstellung in den Reichshofsaal.

Lustenau „Ahnenforschung ist weit mehr als das Zusammentragen von Geburts-, Hochzeits- und Sterbedaten. Das ist lediglich das Gerüst unserer Arbeit“, erklärt Georg Watzenegger, Obmann der Interessensgemeinschaft Ahnenforscher Ländle (IGAL). Richtig interessant wird es dann, wenn die Ahnenforscher das Leben der Erforschten nachstellen können. „Durch vielfältige Recherchen finden wir alles Mögliche über die gesuchte Person heraus“, so Watzenegger. Das Interesse an den eigenen Wurzeln motiviert die vielen Mitglieder zu der umfangreichen Arbeit.
Ausstellung im Reichshofsaal

Fabio Curman (links) hat den Tod seines Urgroßvaters erforscht. Nun arbeitet er an der Familiengeschichte seiner Oma Elvira Jenni (rechts) aus Schlins.
Fabio Curman (links) hat den Tod seines Urgroßvaters erforscht. Nun arbeitet er an der Familiengeschichte seiner Oma Elvira Jenni (rechts) aus Schlins.

Die IGAL hat an drei aufeinander folgenden Tagen am Wochenende Einblicke in ihre Arbeit gegeben. Interessierte konnten vor Ort die Stammbäume, Vorfahrentafeln und Forschungsarbeiten bestaunen und Tipps und Tricks in der Ahnenforschung erhalten.

„Die IGAL gibt es nun seit 20 Jahren. Mittlerweile haben wir sogar viele junge Forscher bei uns“, freut sich Watzenegger. Er organisiert wöchentliche Forschertreffen verteilt übers ganze Land, bei dem jeder vorbeikommen kann. „Alle, die Unterstützung bei der Recherche brauchen, können zu uns kommen. Wir helfen gerne weiter.“

Bei Fragen halfen die Experten an den Standtischen weiter. Sie gaben den Besuchern wertvolle Tipps bei der Recherche.
Bei Fragen halfen die Experten an den Standtischen weiter. Sie gaben den Besuchern wertvolle Tipps bei der Recherche.

Mittlerweile gibt es im Internet eine Vielzahl an Datenbanken, die die Recherchearbeiten wesentlich vereinfachen. „Ein Großteil alter Zeitschriften ist in der Nationalbibliothek digital erfasst. Das beschleunigt die Recherche enorm“, so Watzenegger. Von Vorteil ist auch, dass alle Mitglieder der Frakturschrift mächtig sind.

Eine Faustregel gilt es in der Genealogie zu beachten: Alles, was mehr als 100 Jahre zurückliegt, ist leichter zu recherchieren, da die Daten frei zugänglich sind. Davor sind die Daten aufgrund des Datenschutzes gesperrt. Diözesanarchive, Landesarchive aber auch Versicherungsbücher und Einträge in Amtstafeln können wertvolle Hinweise liefern.

Eindrucksvolle Stammbäume zeigen die umfangreichen Arbeiten der IGAL.
Eindrucksvolle Stammbäume zeigen die umfangreichen Arbeiten der IGAL.

Das Forschen der Familiengeschichte ist spannend und lässt einen so schnell nicht mehr los. Georg Watzenegger forscht schon seit 1978 an der Geschichte seiner Familie. Das bestätigt auch Fabio Curman. Er ist nach einem Schulbesuch im KZ Dachau der Geschichte seines Urgroßvaters auf die Spur gekommen. „Wir haben bis dahin geglaubt, dass mein Urgroßvater in Dachau umgebracht wurde. Ich fand jedoch heraus, dass er nach Schörzingen in Baden-Württemberg transportiert wurde. Dort starb er leider wenige Wochen vor der Befreiung an Auszehrung“, so Curman.

„Früher hat man nicht so viel über die Familiengeschichte gesprochen“, sagt die Ausstellungsbesucherin Friederike Perle aus Dornbirn. Der Kontakt zur Verwandtschaft wird weniger. Mit dem Tod sterben auch die vielen Geschichten. „Dann ist alles weg. Das ist schade“, so Perle. Sie versucht, die Geschichte ihrer Familie und der ihres Mannes zu erfassen. „Viel habe ich im Stadtarchiv entdeckt. Heute hoffe ich, dass ich wertvolle Tipps erhalte“, sagt sie.

An Standtischen im Saal halfen die IGAL-Mitglieder weiter. „Ich rate jedem, den Erzählungen seiner Eltern und Großeltern zu lauschen und diese festzuhalten“, rät Obmann Georg Watzenegger. Denn die Geschichten der Vorfahren erhalten mit ihrem Tod eine ganz andere Wertigkeit.“ bvs