Tatkräftige Pionierin mit Herzblut

Vorarlberg / 04.04.2022 • 16:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Tatkräftige Pionierin mit Herzblut
Kristl Moosbrugger ist nach wie vor aktive Skifahrerin. Heuer nahm sie auch am „Weißen Ring – Das Rennen“ teil (auf dem Foto: Marlene Rockenschaub, Kristl Moosbrugger und Döri Rieff).

Kristl Moosbrugger engagiert sich seit Jahren auch in sozialen Projekten.

LECH Kristl Moosbrugger ist eine Frau, die Tatkraft und Entschlossenheit ausstrahlt. Ihr gezieltes Konzentrationsvermögen kam der innovativen Lecherin auch in ihrem Berufsleben zugute. „Ich habe das Hotel Post immer mit viel Liebe geführt“, betont die ehemalige Hoteldirektorin. „Mir war es wichtig, mich in den jeweiligen Gast hineinzuversetzen, um ihm das bieten zu können, was ich mir auch selber in einem Hotel wünschen würde.“ Kristl Moosbrugger kann heuer ihren 80er feiern. Durch ihre Art und ihr Auftreten wirkt sie indes viel jünger. Vielleicht ist dies auf ihre vielen sportlichen Aktivitäten zurückzuführen: Im Winter fährt sie jeden Tag Ski und hat heuer als älteste Teilnehmerin am „Weißen Ring“ teilgenommen. Im Sommer ist sie oft auf dem Golfplatz in Zug zu finden.

Soziales Engagement ist für Kristl Moosbrugger ein ganz wesentlicher Faktor in ihrem Leben, in Nepal finanzierte sie ein Waisenhaus und ein Spital.
Soziales Engagement ist für Kristl Moosbrugger ein ganz wesentlicher Faktor in ihrem Leben, in Nepal finanzierte sie ein Waisenhaus und ein Spital.

Sie wurde in St. Anton am Arlberg geboren und wuchs auf dem größten Bauernhof im Stanzertal auf: „Ich habe eine herrliche Jugend erlebt.“ Ins Hotel Post in Lech kam sie im Sommer 1961 im Rahmen eines Praktikums für ihre Ausbildung an der Villa Blanka in Innsbruck. Ihre tüchtige und umsichtige Art fiel bereits während des Praktikums der Familie Moosbrugger auf. „Ich war Springerin und als solche in der Küche, im Service und auch im Büro und überall, wo man mich sonst gebraucht hat, im Einsatz.“ Ihren Mann Franz Moosbrugger lernte sie erst nach ihrem Praktikum kennen, da er sich vorher beruflich in Kanada befand.

1964 wurde geheiratet, das junge Ehepaar übernahm sodann den elterlichen Hotelbetrieb: „Ich war 21 Jahre alt und habe nicht gewusst, was auf mich zukommt. Natürlich wollte ich, dass mein Mann stolz auf mich ist. Ich war voller Euphorie und Selbstvertrauen, gefürchtet habe ich mich vor gar nichts!“ In den ersten zehn Jahren hatte die junge Frau im Sommer die verantwortungsvolle Funktion als Wirtschafterin und Beschließerin inne: „Ich war für den Einkauf zuständig. Der Küchenchef hat wohl die Fleischbestellung gemacht, aber gewogen bei der Übernahme habe ich.“

Für Kristl Moosbrugger steht die Familie ganz zentral, hier mit ihren Enkeln.
Für Kristl Moosbrugger steht die Familie ganz zentral, hier mit ihren Enkeln.

Die geschäftige und tatkräftige Frau hat das bewährte System ihrer Schwiegermutter übernommen: „Um 8 Uhr kamen die Köche in die Küche, selbstverständlich war ich da schon vor Ort. Auch für die Stubenmädchen lief die frische Wäscheausgabe über mich. Ich musste alles kontrollieren, um einen reibungslosen Ablauf im Hotel zu gewährleisten.“ Das bedeutete Stress und viel Arbeit: „Wir hatten wenig Personal. Während der Zimmerstunde habe ich die Wäsche gewaschen und getrocknet. Am Anfang haben wir die Wäsche sogar im Freien aufgehängt, was heute unvorstellbar ist.“

Die 1960er Jahre bildeten den Anfang einer neuen Ära in Lech-Zürs. Das Skifahren wurde zur liebsten Winterbeschäftigung des Jetsets. Maßgeblich für diese Entwicklung war der inzwischen 60-jährige Urlaubsaufenthalt der holländischen Königsfamilie im Hotel Post. Journalisten aus der ganzen Welt kamen nach Lech und berichteten weltweit über den Arlbergort. Bereits im Jahr 1965 wurde im Hotel Post das erste Hallenbad Vorarlbergs gebaut. Einen schweren Schicksalsschlag bildete der plötzliche Tod ihres Mannes, einem begeisterten Bergsteiger, durch Höhenkrankheit im Himalaya im Jahr 1988.

1990 wurde ihr als erster Frau der Titel „Hotelier des Jahres“ verliehen. <span class="copyright">Moosbrugger</span>
1990 wurde ihr als erster Frau der Titel „Hotelier des Jahres“ verliehen. Moosbrugger

Fortan war Kristl Moosbrugger auf sich selbst gestellt: „Es waren harte Jahre. Ich musste das ganze Management von heute auf morgen übernehmen. Ohne die Mithilfe meiner drei Kinder hätte ich das gar nicht geschafft.“ Ihre tapfere und vorbildliche Hotelleitung führte dazu, dass ihr im Jahr 1990 als erster Frau der Titel „Hotelier des Jahres“ verliehen wurde. Ihre Tatkraft und Entschlossenheit kommen seit vielen Jahren auch wichtigen sozialen Projekten im In- und Ausland zugute. Ihr engagierter Einsatz gilt vor allem einem Waisenhaus und einem Spital in Nepal. Aktuell setzt sich Kristl Moosbrugger unter anderem auch für die Finanzierung von dringend notwendigen Renovierungsarbeiten im Wildpark Feldkirch ein. BI

Zur Person

Kristl Moosbrugger

Geboren 22. Dezember 1942

Familie verwitwet, drei Kinder (Michael, geb. 1966, Johanna, geb. 1967, und Florian, geb. 1969)

Wohnort Lech

Hobbys Skifahren, Golfen, Jagd, Touren gehen, Klettern

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