Ex-Direktor mit einem Faible für Immobilien

Vorarlberg / 29.04.2022 • 05:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Ex-Direktor mit einem Faible für Immobilien
VKW/MIRO, Montage, Schwald

Jürgen Kessler, der Strippenzieher in der Inseratenaffäre, ist mit Immobilien groß im Geschäft.

Wolfurt Bei ihm sind die Fäden zusammengelaufen. Im Jänner 2018 übernahm Jürgen Kessler den Direktorenposten des Wirtschaftsbunds. Ein Tag, auf den der heute 46-Jährige lange warten musste. Kessler, motiviert bis in die Haarspitzen, hatte von nun an das Sagen. Sein Ehrgeiz und die Geschäftstüchtigkeit sollten die ÖVP-Teilorganisation und die Landespartei selbst wenige Jahre später in eine der größten Krisen ihrer Geschichte führen. Der Wolfurter gilt heute als Strippenzieher in der Inseratenaffäre.

Anzeigenerlöse verfielfacht

Dabei ist das System Kessler gar nicht die Erfindung des umtriebigen Juristen. Langzeitdirektor Walter Natter hatte die Vorarbeit geleistet. Der langjährige Büroleiter Herbert Sausgrubers stieß 2013 nach zwei Jahren bei illwerke vkw zum Wirtschaftsbund und übernahm fünf Jahre später unter vergleichbaren Bedingungen den Direktorenposten und damit die Verantwortung für die Mitgliederzeitung „Vorarlberger Wirtschaft“. Mit Geschäftssinn und fragwürdigen Akquisitionsmethoden machte Kessler aus dem Blatt eine Art Gelddruckmaschine. Großzügige Zuwendungen an die Landespartei und Ortsgruppen beschäftigen jetzt die Justiz. Es geht um 1,5 Millionen Euro. Der Verdacht: Versteckte Parteienfinanzierung.

Geschäftssinn nicht uneigennütz

Unter Kessler vervielfachten sich die Anzeigenerlöse. Der jährliche Inseratenumsatz überschritt die Millionengrenze. Ganz uneigennützig war der Geschäftssinn des Direktors aber nicht. Neben einem Fixgehalt, das sich zuletzt zwischen 8500 und 9000 Euro brutto im Monat bewegte, schnitt Kessler über Provisionen auch bei den Anzeigen mit. Ein äußerst lukratives Geschäft.

Darlehen vom Wirtschaftsbund

Auch auf einem anderen Feld bewies Kessler Geschäftssinn. Sein Faible für Immobilien ist schon länger Gesprächsstoff. VN-Recherchen im Grundbuch dokumentieren Käufe in Millionenwert. Was das mit der Causa Wirtschaftsbund zu tun hat? Für zumindest einen Immobilienankauf wurde er vom Wirtschaftsbund mit einem 250.000-Euro-Darlehen unterstützt. Vereinbarungen zu Verzinsung oder Besicherung gab es keine, wie aus den Akten des ÖVP-Korruptionsuntersuchungsausschusses hervorgeht. Erworben hatte Kessler damit ein 1,89 Millionen Euro teures Grundstück in bester Wolfurter Lage. Das war im Juni 2020.

Ein paar Monate später erwarb er als Hälfteeigentümer der MT Vermietungs GmbH eine Büroimmobilie in Götzis für 310.000 Euro. Verkäufer war die TOSCA Liegenschaftsvermietungs GMBH, die im Eigentum von Hermann Metzler ist (Prisma-Teilhaber und ZM3).

Neben einem schicken Eigenheim in Wolfurt, das in den letzten drei Jahren mit einem beachtlichen Umbau aufgewertet wurde, zählen auch zwei Ferienimmobilien in Brand zum Besitz des Ex-Direktors, der Ende März schließlich seinen Sessel räumen musste.

Die Immobilienkäufe von Jürgen Kessler seit 2016

Ex-Direktor mit einem Faible für Immobilien

Wolfurt

Grundstück:

1782 m2

Kaufpreis:

1,89 Mill. Euro

Gekauft am:

Juni 2020

Ex-Direktor mit einem Faible für Immobilien

Götzis

Büroräumlichkeiten:

108 m2

Kaufpreis:

310.000 Euro

Gekauft am:

Jänner 2021

Ex-Direktor mit einem Faible für Immobilien

Brand

Ferien-Appartemtent:

75 m2

Kaufpreis:

315.000 Euro

Gekauft am:

August 2019

Aparthotel La Montanara
Aparthotel La Montanara

Brand

Ferien-Appartement:

115 m2

Kaufpreis:

353.000 Euro

Gekauft am:

April 2016