Mordfall Janine G.: Das sagt der Opferanwalt zur Enthaftung von Marc D.

Vorarlberg / 27.05.2022 • 16:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Mordfall Janine G.: Das sagt der Opferanwalt zur  Enthaftung von Marc D.
VN/Hartinger/PAulitsch

Stefan Denifl ist überrascht. Hauptbeschuldigtenanwalt Bertsch will sich auf seinen Mandanten konzentrieren.

Feldkirch, Dornbirn Einen Paukenschlag setzte es am Freitag vor einer Woche im Mordfall Janine G. Der Zweitbeschuldigte, Marc D., wurde vom Oberlandesgericht auf Antrag seines Verteidigers Sanjay Doshi auf freien Fuß gesetzt. VN.at berichtete.

Diese Entscheidung hat Stefan Denifl, Beteiligtenanwalt und Vertreter der Opferfamilie, überrascht. Das räumt er in einem Gespräch mit den Vorarlberger Nachrichten ein. „Die Staatsanwaltschaft Feldkirch hatte ja die Fortführung der Untersuchungshaft für den Zweitbeschuldigten angeordnet. Insofern kam die Entscheidung des Oberlandesgerichts doch etwas unerwartet.“ Wichtig sei bei solchen Entscheidungen, dass die Angehörigen des Opfers noch vor der Veröffentlichung in den Medien darüber informiert werden. Und das sei passiert. Er wolle die aktuelle Situation aber noch in aller Ruhe und in allen Details mit seinen Mandanten erörtern, erklärt Denifl.

So ist das am Gericht

Der Rechtsanwalt vermutet, dass das Schweigen des Hauptangeklagten dem OLG Innsbruck seine Entscheidung erleichtert habe. „Bekannt sind ja derzeit nur die Aussagen des Zweitbeschuldigten.“ Wie auch immer: Der erfahrene Opferanwalt will die Seriosität der Gerichte nicht in Zweifel ziehen. „Man muss ja immer in Betracht ziehen, dass eine Entscheidung vom Erstgericht in der nächsten Instanz revidiert wird. So ist das bei der Justiz nun mal.“ Spekulationen, wonach Feldkirch womöglich als Prozessort wackelt, erteilt Denifl eine Absage. „Dafür gibt es nicht den geringsten Grund.“

Vor Mitte Sommer rechne ich nicht mit einer Anklageschrift. Es gibt bisher ja noch keinen Abschlussbericht.”

German Bertsch, Anwalt Hauptbeschuldigter

Offen ist indes noch die Frage der Erstellung eines psychologischen Gutachtens. Das könnte theoretisch auch der Opferanwalt beantragen.

Warten auf Abschlussbericht

Viel eher tun das jedoch der Anwalt eines Beschuldigten oder die Staatsanwaltschaft. Im Zusammenhang mit dem Mordfall Janine G. wäre das German Bertsch als Verteidiger des Hauptbeschuldigten M. S. Auf VN-Anfrage teilte Bertsch mit, er habe das noch nicht getan. „Ich könnte einen vorschlagen, aber ich habe mich noch nicht festgelegt. Grundsätzlich bestimmt die Staatsanwaltschaft, wer Gutachter wird. Ich kann das höchstens ablehnen“, erklärt Bertsch. Zur Enthaftung des Zweitbeschuldigten möchte sich Bertsch nicht äußern. „Ich konzentriere mich ausschließlich auf meinen Mandanten.“ An seinem bereits prognostizierten Zeitplan hält Bertsch fest. „Derzeit gibt es noch keinen Abschlussbericht. Vor Mitte Sommer rechne ich nicht mit einer Anklageschrift“, betont der Anwalt.