Wo ein Stück Bregenzer Gastro-Geschichte schließt

Vorarlberg / 28.05.2022 • 07:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Mit der berühmten griechischen Gastfreundschaft hat sich Panagiotis Pyrovolikos viele Freunde gemacht. <span class="copyright">VN/Paulitsch</span>
Mit der berühmten griechischen Gastfreundschaft hat sich Panagiotis Pyrovolikos viele Freunde gemacht. VN/Paulitsch

Tavernen-Wirt Panagiotis Pyrovolikos macht nach 27 Jahren Schluss.

Bregenz Nach 27 Jahren empfängt Panagiotis Pyrovolikos heute zum letzten Mal Gäste in seiner Taverne. Der „kleine Grieche“, wie das Lokal im Stadtzentrum von den Bregenzern liebevoll genannt wird, schließt für immer. Mit einem weinenden Auge, wie der Wirt versichert. „Jetzt geht es weiter, ein neuer Lebensabschnitt beginnt“, freut sich Pyrovolikos gleichzeitig auf die Pension und mehr Zeit in seiner alten Heimat. Er werde sie vermissen, die vielen Stammgäste. Aus manchen seien Freunde geworden.

Der „kleine Grieche“, wie die Taverne liebevoll genannt wird, wurde ein Stück Bregenzer Gastro-Geschichte.
Der „kleine Grieche“, wie die Taverne liebevoll genannt wird, wurde ein Stück Bregenzer Gastro-Geschichte.

Fünf Tische, 20 Stühle, eine Vitrine voller griechischer Köstlichkeiten und reichlich Gastlichkeit: „Ich wollte ein wenig Griechenland nach Bregenz bringen, Heimatkultur und die berühmte griechische Gastfreundschaft“, sagt der Tavernen-Chef. Das war 1995. Mit dem authentischen Griechenland, wie es Panagiotis Pyrovolikos von seiner Insel Ikaria in der nördlichen Ägäis kennt, sollte er fester Bestandteil der Bregenzer Gastronomie werden. Das Konzept überzeugte, zog Intellektuelle und Künstler an. Die Taverne wurde zum Treffpunkt.

Marlies Pyrovolikos hat in der kleinen Küche köstliche griechische Speisen gezaubert. <span class="copyright">Privat</span>
Marlies Pyrovolikos hat in der kleinen Küche köstliche griechische Speisen gezaubert. Privat

Das Ikaros ist weit mehr als nur sein Wirt. Im Hintergrund werkt eine „waschechte Vorarlbergerin“. Marlies zeichnet für die Kulinarik verantwortlich. Mit den Mezedes, wie die gemischten Vorspeisen auf Griechisch heißen und einer kleinen Auswahl warmer Gerichte haben die Gastronomen den Geschmack der Bregenzer getroffen.

Das Ikaros war ein Familienbetrieb. Auch Sohn Leonidas hat im Lokal mitgeholfen.
Das Ikaros war ein Familienbetrieb. Auch Sohn Leonidas hat im Lokal mitgeholfen.

1978 lernten sich die beiden in Athen kennen, später heirateten sie und zogen zwei Kinder groß. In frühen Jahren waren es die griechische Mutter und Oma des Tavernen-Wirts, die die Vorarlbergerin in die Kochkünste eingeweiht haben. Marlies Pyrovolikos hat in der Taverne einfache, leckere griechische Kost zubereitet. „Wir wollten nie ein Restaurant im klassischen Sinn sein.“

Im Winter war der Betrieb auf die wenigen Tische im Innenraum reduziert, in den Sommermonaten wurde – wie auch heute zum letzten Mal – im Freien aufgetischt. „Wir hatten über viele Jahre jeden Tag geöffnet. Da ist die Taverne zu meiner eigenen kleinen griechischen Insel geworden“, sagt der 64-Jährige. Es seien arbeitsreiche Zeiten gewesen und auch sehr gesellige. Eine kleine Wohnung direkt über dem Lokal war dann oft ihr Quartier. Das eigentliche Zuhause der Familie ist in Altach.

Abschied mit einem weinenden Auge: Er werde die vielen Stammgäste vermissen, sagt Tavernen-Wirt Panagiotis Pyrovolikos.
Abschied mit einem weinenden Auge: Er werde die vielen Stammgäste vermissen, sagt Tavernen-Wirt Panagiotis Pyrovolikos.

In den letzten Jahren ist es etwas ruhiger geworden. Die Wirtsleute haben einen Gang zurückgeschaltet und die Öffnungszeiten angepasst. Die Coronapandemie hat für weitere Entschleunigung gesorgt. „Es war auch die Möglichkeit, mich auf die Pension einzustimmen.“ Jetzt müsse noch ausgeräumt werden, etwa die Tische und Stühle, die unverändert seit dem ersten Tag zum Tavernen-Inventar gehören. Ein neuer Pächter sei auch schon gefunden. Ein Weinlokal wird demnächst eröffnen.

Heute, Samstag, hat die Taverne Ikaros zum letzten Mal geöffnet. Nach 27 Jahren schließt der Tavernen-Wirt das Lokal für immer.
Heute, Samstag, hat die Taverne Ikaros zum letzten Mal geöffnet. Nach 27 Jahren schließt der Tavernen-Wirt das Lokal für immer.

Das Ikaros war das erste griechische Lokal in Bregenz. Mit ihm verliert Bregenz ein Stück Gastrogeschichte. Für Panagiotis und seine Frau Marlies endet die Reise, wie sie ihre Stammgäste kürzlich in einer WhatsApp-Nachricht wissen ließen. Die beiden wollen in Zukunft mehr Zeit auf ihrer Insel Ikaria verbringen und sich erst einmal erholen.

Pläne, in Griechenland ein Lokal zu eröffnen, gibt es nicht. Panagiotis winkt lächelnd ab. Wenn er in Zukunft in eine Taverne gehe, dann nur noch als Gast.

Zur Person

Panagiotis Pyrovolikos

Langjähriger Gastgeber in der Taverne Ikaros in Bregenz

Geboren 1957

Wohnort Altach, Ikaria

Beruf Seit 1995 Wirt im Ikaros in Bregenz

Familie verheiratet mit Marlies, eine Tochter, ein Sohn.