Impfpass-Fälscher: „Habe mich verleiten lassen, weil . . .“

Vorarlberg / 02.06.2022 • 12:55 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Impfpass-Fälscher: „Habe mich verleiten lassen, weil . . .“
Eine der Beschuldigten vor Richter Christian Röthlin am Bezirksgericht Bregenz. VN/GS

An nur einem Vormittag sechs Verurteilungen wegen Urkundenfälschung am Bezirksgericht Bregenz.

Bregenz Mit der Welle von ständig neuen Varianten in der Corona-Pandemie wälzt auch eine Flut von Verfahren wegen Urkundenfälschung auf die Gerichte zu. Bei sämtlichen Bezirksgerichten Vorarlbergs sind Verhandlungen gegen Beschuldigte wegen ihres Versuchs, über Apotheken falsche Impfpässe zu erlangen, derzeit gang und gäbe. Allein am Bezirksgericht Bregenz kam es am vergangenen Mittwoch diesbezüglich zu sechs Verhandlungen.

Die Verfehlungen wurden allesamt im Vorjahr begangen. Noch bevor und während die neue Omikron-Plage wütete. Der Status der Beschuldigten reichte vom Leasingarbeiter über Jungunternehmer bis zum Angestellten. Sie alle hatten nur ein gemeinsames Motiv: der Spritze zu entgehen.

Schuldbekenntnisse

So hartnäckig die Betreffenden die Impfung damals vermeiden wollten, so reumütig gestanden sie nun gegenüber Richter Christian Röthlin ihre Verfehlungen. Ebenso überraschend: Alle Vorgeladenen bekannten sich schuldig. „Es war ein Fehler, aber ich habe mich verleiten lassen, weil ich Angst vor den Nebenwirkungen hatte, denn ich habe bei Mutter und Bruder Entsprechendes erlebt“, sagte einer der Angeklagten. Eine weitere Beschuldigte begründete: „Ich habe mich verleiten lassen wegen meiner Angst und dem Druck von außen.“

„Verleitet“ wollen einige der angeklagten Impfgegner aber auch von den ihnen angeblich unbekannten Verkäufern worden sein, welche die falsifizierten Impfzertifikate anboten. „Da war plötzlich irgendjemand auf der Coronademo in Bregenz, ein bartloser Mann, so groß wie ich mit Mütze, der mir das anbot“, sagte einer der Beschuldigten. Ein weiterer behauptete: „Mir wurde das Angebot von zwei Unbekannten auf der Terrasse des Cafés vom Lindau Park gemacht.“ Die Kaufpreise schwankten zwischen 120 und 300 Euro.

Impfpass-Fälscher: „Habe mich verleiten lassen, weil . . .“
Ein aussichtloses Unterfangen: Die Fälschung eines Impfpasses mit Hilfe einer Apotheke. Symbol/apa

Die Apotheken

Jetzt musste das Zertifikat allerdings durch eine Digitalisierung in einer Apotheke in einen gültigen Impfpass umgemodelt werden. Hier scheiterte das Unterfangen. Die Apotheker erkannten den Fälschungsversuch, Anzeigen waren die Folge. Bei den Verhandlungen wurden unter anderem die Montfort Apotheke in Lauterach, die Insel Apotheke und Rosen Apotheke in Lindau als „Versuchsstationen“ genannt.  Lindau deshalb, weil es dort nach Meinungen der Verkäufer „schneller und einfacher“ von statten ginge.

Die Strafen

Bezirksanwalt Klaus Schmid stemmte sich stets gegen das Ansuchen mancher Verteidiger der Beschuldigten, hier mit einem außergerichtlichen Tatausgleich (Diversion) ohne Verurteilung das Auslangen finden zu wollen. „Diversion kommt auf keinen Fall in Frage. Das ist Urkundenfälschung. Die Beschuldigten wollten sich nicht testen und impfen lassen und durch die Falsifikate am gesellschaftlichen Leben teilnehmen.“ Richter Röthlin folgte dem Ankläger und verdonnerte die Angeklagten wegen Urkundenfälschung zu Geldstrafen. Deren Höhe schwankte je nach Einkommenssituation zwischen 800 und 4500 Euro (jeweils in 200 Tagessätzen) und wurde jeweils zur Hälfte auf Bewährung ausgesprochen. Sämtliche der Verurteilten erbaten sich Bedenkzeit.

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