Elmar Stüttler: Das Gebet heilte ihn von seiner schweren Depression

Vorarlberg / 06.06.2022 • 16:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Elmar Stüttler besuchte vor einigen Wochen zum sechsten Mal den Marienwallfahrtsort Medjugorje.
Elmar Stüttler besuchte vor einigen Wochen zum sechsten Mal den Marienwallfahrtsort Medjugorje.

Der Gründer der Hilfsorganisation Tischlein deck dich schwört auf das Gebet: “Durch dieses besiegte ich die Krankheit.”

Vandans Elmar Stüttler (69) besuchte vor einigen Wochen zum sechsten Mal den Marienwallfahrtsort Medjugorje in Bosnien-Herzegowina. „Es ist jedes Mal ein Erlebnis“, steht der Gründer und Obmann der Hilfsorganisation Tischlein deck dich noch immer unter dem Eindruck der Reise.

Medjugorje ist für ihn ein „Riesen-Kraftort und ein Gnadenort, zu dem Maria jeden Tag kommt“. Der Montafoner verehrt die Muttergottes. „Maria ist unsere Fürsprecherin. Sie führt uns zu Gott hin.“ Die Botschaften, die die Gottesmutter durch die Seherin Marija Pavlovic-Lunetti jeden Monat der ganzen Welt gibt, nimmt Stüttler sehr ernst.

Als Stüttler im April dort war, gab sie Folgendes durch: „Liebe Kinder! Ich sehe euch an und ich sehe, dass ihr verloren seid. Deshalb rufe ich euch alle auf: Kehrt zu Gott zurück, kehrt zum Gebet zurück und der Heilige Geist wird euch mit seiner Liebe erfüllen, die dem Herzen Freude gibt. Die Hoffnung wird in euch wachsen, auch auf eine bessere Zukunft, und ihr werdet zu frohen Zeugen der Barmherzigkeit Gottes in und um euch herum.“

Elmar Stüttler vor der St.-Jakobus-Kirche in Medjugorje.
Elmar Stüttler vor der St.-Jakobus-Kirche in Medjugorje.

Im Leben von Stüttler hat das Gebet seit 1995 einen festen Platz. Der 69-Jährige steht jeden Tag um 5 Uhr auf und betet bis 6.30 Uhr. „Das gibt mir Kraft für den ganzen Tag. Wenn ich das nicht machen würde, würde mir etwas fehlen.“ Aus schierer Not wandte er sich Anfang der 90er Jahre dem Herrgott und dem Gebet zu. „Als ich Gott den ersten Platz in meinem Leben einräumte, begann das Leben für mich wieder Sinn zu machen.“

Der Vandanser litt damals an einer schweren Depression. „Meine Tischlerei florierte. Mit Küchen und Badezimmern machte ich einen guten Umsatz. Ich leistete mir große Autos und Luxusurlaube. Trotzdem war ich unglücklich. Geld, so musste ich feststellen, macht nicht glücklich.“

Dem Schreiner ging es über Jahre schlecht. „Kein Arzt, keine Tablette konnte mir helfen. Irgendwann war ich so weit, dass ich nicht mehr leben wollte.“ Das war der Moment, an dem sich Stüttler voller Verzweiflung an den Herrgott wandte. „‘Jetzt gibt es nur noch dich. Jetzt musst du mir helfen‘, sagte ich zu ihm.“

Gespräche mit Gott

Der kranke Mann begann mit dem Allmächtigen zu reden, Tag für Tag – anfangs nur fünf Minuten, dann eine Viertelstunde, schließlich eine Stunde. Er merkte, wie gut ihm das Gespräch mit Gott tat. „Es war das Einzige, was mir half.“ Durch das Gebet besiegte der Montafoner die Krankheit. „In großem Gottvertrauen fand ich Heilung.“ Dieses Gottvertrauen hat ihn nie mehr verlassen und begleitet ihn seither durchs Leben. „Das gebe ich nicht mehr her.“

Stüttler war über seine Genesung so dankbar, „dass ich dem Herrgott etwas zurückgeben wollte“. Der Vater eines Sohnes ließ sich zum Diakon und zum Religionslehrer ausbilden. Im Jahr 2000 wurde er zum Diakon geweiht. Als solcher war er dann auch sehr engagiert, „aber es war nicht das Richtige für mich. Ich wollte nicht bloß am Altar stehen, taufen und beerdigen. Ich wollte meinen Glauben leben.“

Der gläubige Mann bat Gott, ihm den Weg zu zeigen. Es dauerte drei Jahre, bis er einen Fingerzeig bekam. „Im Radio hörte ich am 28. Dezember 2004 eine Sendung über die Münchner Tafel, die Bedürftige mit gespendeten Lebensmitteln versorgt. Das schlug bei mir wie ein Blitz ein. Ich dachte mir: ,Das möchte ich auch machen.“ Das war die Geburtsstunde von Tischlein deck dich.

Der Gründer von Tischlein deck dich hilft auch bei der Ausgabe der Lebensmittel mit. <span class="copyright">Roland Paulitsch</span>
Der Gründer von Tischlein deck dich hilft auch bei der Ausgabe der Lebensmittel mit. Roland Paulitsch

Am 19. April 2005 versorgten Stüttler und seine Helfer in Feldkirch und Dornbirn erstmals bedürftige Menschen mit Lebensmitteln. „Im Jahr 2005 gaben wir rund eine Tonne Lebensmittel aus. Heute sind es mehr als 30 Tonnen“, zeigt der Toni-Russ-Preisträger auf, was seine Organisation mittlerweile leistet.

Stüttler ist stolz auf „meine Frau, die all das mitträgt“, auf seine 300 ehrenamtlichen Helfer, auf seine zwölf Mitarbeiter, auf die Händler, die ihm vertrauen und auf die Vorarlberger Bevölkerung, ohne deren Spenden er diese Arbeit nicht machen könnte.