Nach Einschlag von Felsbrocken auf der Langener Straße: So groß ist die Gefahr

Vorarlberg / 27.06.2022 • 13:33 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Nach Einschlag von Felsbrocken auf der Langener Straße: So groß ist die Gefahr

Anwohner bagatellisiert Ereignis, Landesgeologe Walter Bauer spricht von großem Risikopotential.

Langen bei Bregenz „Ich las gerade Zeitung, da machte es plötzlich einen Datsch. Dann sah ich den Felsbrocken auf der Langener Straße liegen“, schilderte ein Anwohner den VN.

Es war am Sonntag gegen 14 Uhr, als ein Viertel Kubikmeter großer Brocken von oben herab durch seinen Garten polterte, einer kleinen Statue den Kopf weg schlug und dann auf der Fahrbahn aufprallte.

Nach Einschlag von Felsbrocken auf der Langener Straße: So groß ist die Gefahr
Noch war es nur ein “kleiner” Felsbrocken, der sich oberhalb der Langenerstraße (L 2) löste. M. Shourot

Der Bewohner des betroffenen Hauses, der nicht namentlich genannt werden will, scheint jedoch kaum beeindruckt durch den Vorfall zu sein. Er fühlt sich nach wie vor sicher. „Unser Haus steht seit dem Jahr 1954 hier, und noch niemals kam hier etwas runter.“ Außerdem sei der Hang durch ein Schutznetz gesichert. Aber weder durch Felsen noch Überschwemmungen sei hier jemals ein Schaden entstanden. Sehr wohl habe es mal eine Hangrutschung gegeben, aber so etwas finde nur viel weiter hinten statt.

Niemand verletzt

Nun hätte sich eben mal ein Stein weiter oben gelöst. „Meine Güte, das ist halt die Natur. Aber es wurde niemand verletzt, also was soll die ganze Aufregung?“ Es ist allerdings einem glücklichen Umstand zu verdanken, dass zu jenem Zeitpunkt am frühen Sonntagnachmittag kein Pkw oder Radfahrer die Stelle passierte. Für die Dauer der Aufräumarbeiten und der Besichtigung durch den Landesgeologen Walter Bauer wurde die Fahrbahn von 14.10 bis 15 Uhr gesperrt. Vor Ort waren die Feuerwehr Kennelbach mit zwei Fahrzeugen und zehn Einsatzkräften und eine Streife der Polizeiinspektion Bregenz.

Nach Einschlag von Felsbrocken auf der Langener Straße: So groß ist die Gefahr
Landesgeologe Walter Bauer sieht in der Hangmure ein großes Gefahrenpotential. VN

Im Gegensatz zu dem Anwohner sieht Geologe Bauer die Situation weit weniger harmlos. Zu dem Steinschlag sei es aufgrund der vergangenen starken Niederschläge gekommen. „Der Stein wurde dadurch freigewaschen und brach ab“, sagte Bauer. An dieser Stelle oberhalb der Langener Straße befinde sich eine große ausgebreitete Hangschutthalde. Die Steinschlagschutznetze würden sich allerdings oberhalb des aktuellen Abbruchgebietes befinden.

„Ein Mistviech sondergleichen“

„Wir haben immer wieder große Probleme mit dieser Hangmure“, macht der Landesgeologe keinen Hehl aus dem Gefahrenpotential. „Es ist ein Mistviech sondergleichen.“ Weiter oberhalb befinde sich eine Felswand von Konglomeraten, unterhalb davon Mergel und Sandstein. Bauer: „Speziell der Mergel wittert zurück und dann brechen die Sandsteine immer wieder nach.“

„Nur eine Frage der Zeit“

Düstere Zukunftsvision des Landesgeologen: „Wir rechnen dann mitunter mit hausgroßen Blöcken, die dann runterstürzen. Bis das geschieht, ist es nur noch eine Frage der Zeit“, so Bauer zu den VN. Bauliche Sicherungsmaßnahmen dagegen seien viel zu aufwändig und deshalb illusorisch.