Mediziner mit dem Tod bedroht

Anfeindungen waren auch in Vorarlberg Thema.
Schwarzach Es sind schockierende Schreiben, die eine oberösterreichische Ärztin publik gemacht hat. Unbekannte Verfasser erklären detailliert, wie die Medizinerin und ihre Mitarbeiter überfallen, gefoltert und getötet werden sollen. „Seit mehr als sieben Monaten bekommen wir in unregelmäßigen Abständen Morddrohungen aus der Covid-Maßnahmengegner- und Impfgegner-Szene“, schilderte die Ärztin. Die Kosten für die Sicherheitsmaßnahmen seien zu hoch. Sie habe mehr als 100.000 Euro in die Sicherheit ihrer Praxis gesteckt. Nun sieht sie sich gezwungen, ihre Ordination zu schließen. Niemand, der sich Hilfe suche, solle sich in Gefahr begeben müssen.
Verfahren eingestellt
Bereits im November 2021 habe die Frau die erste Drohung bekommen und eine weitere im April heuer, erläuterte die oberösterreichische Polizei. Seitdem sei im Internet und im Darknet ermittelt worden, die Medizinerin habe auch Polizeischutz erhalten. Ein Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Wels gegen einen Deutschen wurde Mitte Juni „mangels inländischer Gerichtsbarkeit“ eingestellt.
Ein oberösterreichischer Polizeisprecher sagte zuletzt zu Ö1, dass aktuell keine Gefahr mehr für die Ärztin bestehe. Zugleich kritisierte er sie dafür, immer wieder in die Öffentlichkeit zu gehen. Diese Aussagen zogen viel Kritik in sozialen Medien und aus der Politik auf sich. Am Freitag erklärte der Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit, Franz Ruf, am Rande einer Pressekonferenz, dass es von Anfang an entsprechende Schutzmaßnahmen für die Medizinerin gegeben habe.
Das Beispiel aus Oberösterreich erscheint besonders erschreckend. Doch ein Einzelfall ist es wohl kaum. Auch Burkhard Walla, Internist aus Dornbirn und Vorarlberger Ärztekammerpräsident kann von aggressivem Verhalten aus den Reihen der Impfgegner gegen sich und Kolleginnen und Kollegen berichten. Besonders die mittlerweile wieder abgeschaffte Impfpflicht ließ offenbar die Wogen hochgehen. „Fast alle, die beim Thema Impfen involviert waren, die sich öffentlich dazu geäußert haben, sind verbal bedroht worden. Das reichte zuweilen bis zu Todesdrohungen.“ Er persönlich habe etliche wüste Beschimpfungen per Mail bekommen, „alle Varianten, die man sich denken kann“. Dies sei alles an die Behörden weitergeleitet worden. Der Mediziner streicht die Unterstützung hervor, welche die Betroffenen von Polizei und Staatsschutz erhalten haben. Für die Impfstraßen des Landes sei außerdem ein Sicherheitskonzept mit Securities entwickelt worden. „Man hat aus meiner Sicht gut reagiert“, sagt Walla. Personenschutz sei nicht nötig gewesen. Mittlerweile hat sich dem Ärztekammerpräsident zufolge die Situation auch wieder beruhigt. „Es hat eine gewisse Entspannung gegeben.“
„Fast alle, die beim Thema Impfen involviert waren, sind verbal bedroht worden.“