Radeln ohne Alter wirbt um neue Rikscha-Piloten

Vorarlberg / 10.09.2022 • 16:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Elke Fitz und Tanja Maier von Radeln ohne Alter sind auf der Suche nach neuen Piloten.  <span class="copyright">bvs</span>
Elke Fitz und Tanja Maier von Radeln ohne Alter sind auf der Suche nach neuen Piloten. bvs

Kostenlose Rikscha-Ausflüge mit Senioren kommen bei den Passagieren gut an.

Lustenau Es zählt zu den wohl schönsten Gefühlen der Rikscha-Passagiere, endlich wieder ein Stück Freiheit genießen zu können. Den Fahrtwind in den Haaren zu spüren und bei einer angenehmen Geschwindigkeit die Heimat neu zu entdecken. „Radeln ohne Alter“ macht das für Senioren möglich. „Wir holen die älteren Menschen mit der Rikscha ab. Sie können sich gemütlich hineinsetzen und die Ausfahrt genießen“, sagt die Lustenauerin Elke Fitz, Koordinatorin von Radeln ohne Alter in Österreich.

Das Angebot von "Radeln ohne Alter" können alle Senioren in Anspruch nehmen.
Das Angebot von "Radeln ohne Alter" können alle Senioren in Anspruch nehmen.

Die Rikscha-Ausfahrten sind für Tanja Maier und Elke Fitz von Radeln ohne Alter etwas ganz Besonderes. „Wir kommen mit unseren Gästen ins Gespräch und finden schnell heraus, was sie sehen möchten“, so Tanja Maier. „Oftmals fahren wir mit ihnen an den Alten Rhein. Oder an den Ort, an dem sie früher einmal gewohnt haben“, ergänzt Fitz. Es kann aber auch vorkommen, dass sie mit ihnen ins Café fahren. „Wir richten uns ganz nach unseren Gästen.“ Zweimal wöchentlich fahren die zwei Rikschas und eine Rollstuhl-Rikscha mit den Bewohnern der Seniorenhäuser Schützengarten und Hasenfeld aus. Einmal pro Woche mit den Bewohnern der Wohngemeinschaften.

Ein Stück Selbstbestimmung

„Du hilfst mir, die Welt wieder mit eigenen Augen zu sehen“, sagte damals eine Passagierin zu Fitz. „Das war ein Schlüsselerlebnis für mich. Und genau, das macht das Rikscha-Fahren mit den Senioren aus.“ Viele von ihnen können nicht mehr selbst Radfahren, sind gebrechlich und deshalb stark in ihrem Alltag eingeschränkt. „Wir haben schon oft beobachtet, dass sie in die Rikscha sitzen, es sich gemütlich machen und während der Fahrt aufblühen, wieder lachen und zu erzählen beginnen. Das ist eine große Freude für uns“, erzählt Maier, Koordinatorin der Rikscha-Fahrten in Lustenau. Für Maier zählt das Rikscha-Fahren zum wohl schönsten Hobby auf der Welt.

Kostenloser Service

Seit 2015 sind die Rikschas in Lustenau unterwegs und für viele nicht mehr wegzudenken. Elke Fitz und Tanja Maier haben dieses Konzept, dass sie aus Kopenhagen kennen, nach Österreich geholt. „Unser kostenloser Service steht allen Kulturen offen“, betont sie. „Wir sind letzthin mit einem türkischen Mann aus dem Seniorenhaus ausgefahren, der aufgrund der Sprachbarrieren kaum in Kontakt mit anderen treten kann. Er ist nach der Ausfahrt wieder mit einem Lachen zurück ins Seniorenhaus gekommen. Das ist für uns sehr schön und bestätigt uns in unserer Arbeit“, erzählt Maier.

Piloten gesucht

Die Nachfrage nach der Rikscha-Ausfahrt ist groß. „Wir suchen Piloten, die in ihrer Freizeit ehrenamtlich mit den Senioren radeln möchten“, sagt Fitz. Die Ausfahrten sind einfach, alles ist elektrobetrieben. „Belohnt wird man mit wunderschönen Gesprächen, Dankbarkeit und strahlenden Augen.“ Viele der aktuellen Piloten sind rüstige Senioren, die in ihrer neu gewonnenen Freizeit etwas Sinnvolles für andere machen möchten. „Wir haben eine komplett freie Zeiteinteilung. Es gibt keine fixen Termine“, sagt Maier. Wer Interesse hat, soll sich bei Radeln ohne Alter melden. Dieses Konzept gibt es vorarlbergweit an weiteren 14 Standorten. BVS