Wie Keulen und Licht zu einem Regenbogen verschmelzen

Vorarlberg / 20.10.2022 • 12:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Die Zwillinge Florian und Michael Canaval jonglieren mit bis zu elf Keulen. <span class="copyright">Canaval</span>
Die Zwillinge Florian und Michael Canaval jonglieren mit bis zu elf Keulen. Canaval

Die Artisten Florian und Michael Canaval verbinden eine Licht-Jonglage mit Musik zu einem Bühnenspektakel.

Schwarzach Einer traditionellen Artistendisziplin ein neues Kleid zu verpassen, hat sich für die Zwillinge Florian und Michael Canaval aus Vorarlberg gelohnt. Nur durch das Licht ihrer Keulen und zweier Würfel beleuchtet, jonglierten die Canavaltwins mit bis zu elf Keulen beim 13. Young Stage Festival in Basel. Bei diesem Festival, einem der weltweit größten, wurden die 27-Jährigen mit dem diesjährigen Preis des Clubs der Circus-, Varieté- und Artistenfreunde (CVA) der Schweiz ausgezeichnet. Schon zehn Jahre zuvor hat das Artistenduo eine Bronzemedaille bei der Jonglierweltmeisterschaft im US-Bundesstaat North Carolina abgeräumt.

An ihrem Leuchtkeulen-Act arbeiteten die beiden drei Jahre lang.
An ihrem Leuchtkeulen-Act arbeiteten die beiden drei Jahre lang.

Von Jugend an

Das Jonglierfieber haben die beiden ihrem Onkel zu verdanken. “Wir sind durch ihn auf die Idee gekommen. Er konnte selbst mit drei Bällen jonglieren”, erinnern sich Florian und Michael Canaval. Sie selbst haben mit elf Jahren mit dem Jonglieren begonnen. Als sie dann die österreichische Jongliergruppe Jonglissimo bei einem Workshop kennengelernt haben, war es um die damals Zwölfjährigen geschehen. Zahlreiche Auftritte mit dem Jonglier-Weltmeisterteam folgten. Bis heute sind die Zwillinge von der Vielfältigkeit des Jonglierens beeindruckt. “Man hat nie ausgelernt und kann sich stets weiterentwickeln.”

Bei ihren Auftritten verbinden sie gerne Jonglage und Musik.
Bei ihren Auftritten verbinden sie gerne Jonglage und Musik.

Artistenschule in Deutschland

Ihr Ziel, sich mehr als Duo zu etablieren, hat das Brüderpaar mit den Alberschwender Wurzeln dann 2016 an die Staatliche Artistenschule Berlin geführt. Diese Artistenschule ist eine der wenigen geförderten Zirkusschulen in Europa und auf der Welt. “Außerdem war die Stadt nicht ganz so weit weg von unserer Heimat und wir konnten auch Deutsch sprechen”, erklären die beiden Wahl-Berliner. Drei Jahre später haben sie ihre Ausbildung abgeschlossen. Seitdem arbeiten die Canavaltwins in zahlreichen Produktionen mit. Von Straßenkunstfestivals, Varietés, hochkarätigen Galas bis hin zum klassischen Zirkus war wirklich alles dabei. Sie treten aber nicht nur als ausgezeichnetes Jonglage-Duo, sondern auch als professionelle Musiker auf.

Die Zwillinge sind hochmusikalisch. Sie spielen Cello, Schlagzeug und Gitarre.
Die Zwillinge sind hochmusikalisch. Sie spielen Cello, Schlagzeug und Gitarre.

“Unsere Instrumente sind Schlagzeug, Cello und Gitarre”, schildern sie und erklären, dass es schön ist, Abwechslung zu haben. “Wenn man den ganzen Tag Keulen durch die Gegend wirft, freut man sich am Abend, noch ein bisschen zu musizieren. Außerdem lässt sich Musik gut mit Jonglage verbinden und ein Musikergehör hilft einem, auf den Takt zu jonglieren.” Diese Kombination zeigen die Brüder heuer auch im Varieté am Bodensee.

Randy Scheibli überreichte im Namen des CVA den Sonderpreis an Michael (l.) und Florian (r.) Canaval.
Randy Scheibli überreichte im Namen des CVA den Sonderpreis an Michael (l.) und Florian (r.) Canaval.

Spontane Einfälle

Die Ideen zu ihren Jonglage-Produktionen entstehen auf unterschiedlichste Weise. Manchmal kommen sie durch Improvisation oder durch einen plötzlichen „Geistesblitz“. “Die Idee zu der LED-Jonglage kam mir tatsächlich ganz spontan mitten in der Nacht. Ich war so angetan von der Idee mit den Leuchtwürfeln, auf denen wir stehend jonglieren, dass ich die ganze Nacht nicht mehr schlafen konnte und mich am nächsten Tag sofort an die Arbeit machte”, schildert Florian Canaval. In ihrer Jugend trainierten sie bis zu acht Stunden täglich. “Jonglieren wurde irgendwann zur Sucht, weil wir immer noch besser werden wollten.” An ihrem Leuchtkeulen-Act mit den Würfeln arbeiteten die Zwillinge an der Artistenschule insgesamt drei Jahre.

Florian und Michael Canaval gehen abends hin und wieder in Berlin in eine nette Bar, auch um Freunde zu treffen.
Florian und Michael Canaval gehen abends hin und wieder in Berlin in eine nette Bar, auch um Freunde zu treffen.

Gutes Pflaster für Artisten

Ihre Wahlheimat empfinden sie als sehr gutes Pflaster für Künstler. Es gebe genügend Trainingsräume, ein gutes Netzwerk von und für Artisten und eine Weltoffenheit, welche man kaum in einer anderen Stadt so erleben könne. “Für immer ist uns Berlin vermutlich zu anstrengend und irgendwann wollen wir sicher wieder zurück in unsere Heimat, fürs Erste aber nicht.” Allerdings freuen sie sich auf ihre Auftritte beim Varieté am Bodensee, denn “das Heimspiel ist etwas ganz Besonderes für uns. Wir freuen uns auf das Ländle”, verraten Florian und Michael Canaval.

Florian Canaval

Beruf: staatlich geprüfter Artist

Ausbildung: Staatliche Artistenschule Berlin

Wohnort: Berlin

Alter: 27

Familie: 2 großartige Eltern und eine kleine Schwester

Hobbys: Spazieren gehen, Wandern, Snowboarden, Freunde treffen

Lebensmotto: Sei kein Ei und sei dabei!

Michael Canaval

Beruf: staatlich geprüfter Artist

Ausbildung: Staatliche Artistenschule Berlin

Wohnort: Berlin

Alter: 27

Familie: 2 großartige Eltern und eine kleine Schwester

Hobbys: Musizieren, Sport, Wandern, Lesen, Reisen

Lebensmotto: Du kannst alles schaffen, wenn du daran glaubst!

Varieté am Bodensee, 23. November bis 4. Dezember 2022 im Messequartier Dornbirn, www.varieteambodensee.at

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