Warum die Zukunft der USA in Georgia liegt

Der in den USA lebende Vorarlberger Historiker Günter Bischof über die Midterms und mögliche Szenarien.
New Orleans Es ist knapp vor sieben Uhr Früh in New Orleans. Günter Bischof (69), Geschichte-Professor an der University of New Orleans, ist schon voll Tatendrang und voller Gedanken. Thema Midterms in den USA. Bischof teilt die überblicksmäßige Ansicht vieler Experten: “Die befürchtete rote Welle der Trump-Republikaner blieb aus, die Demokraten konnten sie zum Stillstand bringen. Während das Repräsentantenhaus wohl eine republikanische Mehrheit erhalten wird, könnte der Senat demokratisch bleiben”, sagt Bischof.
Enges Rennen
Schaffen die Republikaner jedoch auch im Senat noch die Mehrheit, dann hätten die Demokraten trotz Achtungserfolgen eine gravierende Veränderung der politischen Landschaft in den USA nicht verhindern können.
Im Sinne der Demokraten und der politischen Kultur bleibt der gebürtige Mellauer optimistisch. Und realistisch. “So wie es bei der Wahl für den Senat derzeit aussieht, wird sich in Nevada der Republikaner Laxalt im Rennen gegen die demokratische Amtsinhaberin Cortez-Masto durchsetzen, in Arizone jedoch der Demokrat Kelly gegen den Republikaner Masters. Im Senat stünde es dann 50:49 für die Republikaner. Doch dann wird es in die Stichwahl in Georgia zwischen dem Demokrat Warnock und dem Republikaner Walker zum großen Showdown”, analysiert Bischof.
Demokratischer Favorit
In Georgia sieht Bischof den Demokraten in einer leichten Favoritenrolle. “Weil der dortige demokratisch Gouverneur mit 53 Prozent Zustimmung in seinem Amt bestätigt wurde und unabhängige Wähler, die bisher keinem der beiden Kandidaten für den Senat die Stimme gaben, wohl eher zu Warnock tendieren werden”, glaubt Bischof. Gewinnt Warnock steht es im Senat 50:50 und dann entscheidet die Stimme der demokratischen Vizepräsidentin Kamala Harris das Kräfteverhältnis.

Trump gestoppt
Ganz allgemein erkennt der Historiker einen Niedergang von Donald Trump. Eine Auflösung der tiefen Spaltung bedeute dies aber noch nicht. “Das Land ist immer noch tief gespalten, obwohl die Ergebnisse dieser Wahl eine weitere Entwicklung in diese Richtung vielleicht gestoppt haben”, sagt Bischof.