Ringen um bessere ambulante Versorgung von Diabetespatienten

Vorarlberg / 13.11.2022 • 12:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Es gibt bereits zahlreiche technische Hilfsmittel für Diabetiker.  <span class="copyright">khbg</span>
Es gibt bereits zahlreiche technische Hilfsmittel für Diabetiker.  khbg

Zum Welt-Diabetes-Tag am 14. November machen Selbsthilfe- und Ärztevertreter auf Defizite aufmerksam.

Feldkirch Die ambulante Versorgung von Diabetespatienten gehört verbessert. Darauf haben Joe Meusburger von der Diabetes Selbsthilfe Vorarlberg und Oberarzt Alexander Vonbank, Leiter des Diabetes-Zentrums am Landeskrankenhaus Feldkirch, immer wieder hingewiesen. Nun scheint sich etwas zu bewegen. Wie Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher auf VN-Nachfrage erklärte, wird sich die Zielsteuerungskommission in ihrer nächsten Sitzung mit einem Antrag befassen, laut dem die Schwachstellen der Diabetes-Versorgung im Land mit der ÖGK noch einmal beleuchtet und darauf aufbauend unter Einbindung von Oberarzt Vonbank entsprechende Maßnahmen entwickelt werden.

Anlaufstelle in jedem Bezirk

Was sich Meusburger und Vonbank vor allem wünschen, sind niedergelassene Diabetesberaterinnen, an die Hausärzte ihre Patienten zwecks weiterführender Betreuung zuweisen können und eine Übernahme der Kosten durch die Kassen. Nach Möglichkeit soll jeder Bezirk eine solche Anlaufstelle erhalten. „Diese Einrichtungen würden auch die Spitalsambulanz entlasten“, zeigt sich Alexander Vonbank überzeugt. Bereits realisiert wurde ein Qualitätszirkel, an dem sich aktuell etwa 20 Allgemeinmediziner beteiligen. Er dient der Besprechung komplizierter Fälle. Geplant ist außerdem eine Hotline für Ärzte sowie in naher Zukunft eine Videosprechstunde, die auch den Kontakt mit Patienten ermöglichen soll. „Es gibt bei Diabetes viele Dinge, die sich online besprechen lassen und für die der Betroffene nicht extra ins Krankenhaus kommen muss“, erklärt Alexander Vonbank.

Ein weiteres Anliegen ist die Verbesserung der Betreuung von Kindern und Jugendlichen mit Diabetes in Kindergärten und Schulen. Außerdem weisen Arzt und Selbsthilfevertreter darauf hin, dass das Messen des Langzeitzuckerwerts (HB1C) seit einem Jahr in der Vorsorgeuntersuchung vorgesehen wäre. „Das Screening sollte in Anspruch genommen werden“, betonen beide. Ein Wert unter 6 ist gut, alles darüber deutet auf einen Diabetes hin.

Alexander Vonbank leitet das Diabetes-Zentrum im LKH Feldkirch. <span class="copyright"> khbg</span>
Alexander Vonbank leitet das Diabetes-Zentrum im LKH Feldkirch.  khbg

In Österreich leiden 10 Prozent der Bevölkerung an Diabetes, die meisten davon am Typ-2-Diabetes, der in hohem Maß aus einem ungesunden Lebensstil resultiert. In Vorarlberg betrifft es rund 40.000 Personen. Bis 2030 wird die Zahl der Erkrankten jährlich um zwei bis fünf Prozent steigen, schätzen Experten. Auf die steigende Verbreitung will auch der Welt-Diabetes-Tag aufmerksam machen, der am Montag, 14. November, im Kalender steht. Dieser Tag ist zudem der Geburtstag von Sir Frederick Banting, der gemeinsam mit Charles Best 1922 das lebenswichtige Insulin entdeckte.

Wichtiger Erfahrungsaustausch

Ein wichtiges Zahnrad in der Begleitung und Unterstützung von zuckerkranken Menschen ist auch die von Joe Meusburger betreute Diabetes Selbsthilfe. Überall im Land gibt es Gruppen, die sich regelmäßig treffen. „Der gegenseitige Erfahrungsaustausch hilft uns, mit der Krankheit besser umzugehen bzw. leben zu lernen“, sagt Meusburger, der seit Kindheit mit Diabetes quasi verbunden ist. Es besteht außerdem eine enge Zusammenarbeit mit dem Diabetes-Zentrum im LKH Feldkirch. Wie für viele Erkrankungen gilt auch für Diabetes: Je früher er erkannt wird, umso besser. High-Tech-Geräte erleichtern inzwischen den Umgang mit Diabetes enorm und tragen wesentlich dazu bei, die Gefahr von Spätfolgen zu minimieren. Gefordert ist aber ebenso die Eigenverantwortung der Patienten.

Hohe Akzeptanz für Angebot

Als diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin arbeitet Martina Baumgartl im LKH Hohenems, als ausgebildete Diabetesberaterin in der Gemeinschaftspraxis der Allgemeinmediziner Dr. Hechenberger und Dr. Barta in Hohenems. Seit September ist sie dort angestellt und betreut Diabetespatienten, die entweder von anderen Ärzten zugewiesen werden oder sich selbst über ein Online-System anmelden. Baumgartl berichtet von einer hohen Akzeptanz des neuen Angebots, obwohl es noch ein Privatleistung ist und selbst bezahlt werden muss. „Schade“, sagt sie, „denn das wäre eine gute Prävention.“ Baumgartl konzentriert sich vor allem auf Typ-2-Diabetiker. „Sie können mit allem kommen, was sie bewegt“, betont sie. Neben Basisschulung und Einzelberatungen bietet sie unter anderem Aufklärung über die Erkrankung, Blutzuckereinstellung, Tests und Gerätschaften, Lebensstilmodifikation, Fußpflege und Prophylaxe. „Gut informierte Patienten sind selbstbestimmter“, weiß Baumgartl. Sie hofft, dass sich das Anliegen nach niedergelassenen Diabetesberaterinnen und –beratern rasch umsetzen lässt. Auch der Dachverband der Diabetes Selbsthilfe Österreich fordert die flächendeckende Implementierung und Finanzierung von freiberuflich tätigen Diabetesberatern.

Infonachmittag

O für Typ-1-Diabetiker, Angehörige und Interessierte

o Samstag, 26. November 2022, ab 14 Uhr, Sitzungssaal der ÖGK-Landesstelle in Dornbirn: Informationen über neue intelligente Lösungen (Dexcom G6/G7 mit Insulet-Omnipod und Mylife-Ypsomed-Insulinpumpen

o Referenten: OA Alexander Vonbank, Pflegeexpertin Ruth Gisinger, Kai Weber (Dexcom) Barbara Herz (Insulet-Omnipod), Sascha Kronberger (Mylife-Ypsomed), Joe Meusburger (Selbsthilfe)

o Selbsthilfe: www.shv-diabetesgruppen.at

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