Thomas Matt

Kommentar

Thomas Matt

Corona? War da was?

Vorarlberg / 13.12.2022 • 19:32 Uhr

Sie war in der Schreibtischschublade ganz hinten in Vergessenheit geraten und kam jetzt zum Vorschein, weil sie sich in ein paar Kugelschreibern verheddert hatte: Ein Stück Kinderbettwäsche mit Teddybärenmuster und zwei Gummizüge, die einmal einer Turnhose Halt verliehen hatten – so sah die erste handgefertigte Corona-Maske aus. Wir dachten: Wenn schon, dann heiter. Das Teil war so großzügig geschnitten, dass es bei raschen Kopfbewegungen auch die Augen bedeckte. Es gibt noch Fotos – eine Art Modeschau mit Prusten und Gelächter.

Dabei war uns ja gar nicht zu lachen zumute. Am Anfang blieb die Pandemie nebulos. Der erste Lockdown, die menschenleeren Straßen, Arbeit zuhause, Warten auf die Impfung. Gerüchte, die tägliche Pressekonferenz im Fernsehen. Dann Anstehen vor dem Impfzentrum bei den Illwerken, abends bei Flutlicht, zwischen Helfern in Schutzanzügen. Das wirkte wie eine Szene aus einem Katastrophenfilm. Die Menschen halfen sich gegenseitig mit harmlosen Scherzen, wie Kinder das tun, um die Schrecken der Dunkelheit zu vertreiben.

Und heute? Die Verkäuferin an der Kassa im Supermarkt wirkt fiebrig. Sie hustet in einer Tour in die Hand. Das mit der Armbeuge war gestern. Wenn jetzt einer mit Teddybärenmaske in der Schlange stünde, hätte in ihren Augen der Fasching den Advent überholt. Wir haben uns rasch an die widrigsten Umstände gewöhnt und das irgendwie ausgesessen. Wie viel wir gelernt haben, steht auf einem anderen Blatt.

Thomas Matt

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