Keine Tabus mehr bei der Jagd

Vorarlberg / 06.01.2023 • 21:17 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die TBC-Prävalenz bei Rotwild ist in bestimmten Regionen des Landes anhaltend hoch. DPA
Die TBC-Prävalenz bei Rotwild ist in bestimmten Regionen des Landes anhaltend hoch. DPA

Im Kampf gegen TBC werden Rotwild-Abschüsse in eingezäunten Bereichen konkreter.

BREGENZ Die TBC-Problematik beim Wild und in weiterer Folge beim Vieh: Seit vielen Jahren ist sie in Vorarlberg offensichtlich. Der Erreger verschwindet nicht. Im Gegenteil. In bestimmten Regionen des hinteren Montafons liegt die TBC-Prävalenz beim Wild konstant im zweistelligen Bereich. Nichts deutet darauf hin, dass sich trotz angesagter Anstrengungen an diesem Zustand heuer etwas ändert. Das belegen die bisher untersuchten Proben. In Revieren des hinteren Silbertals liegt die Verseuchung laut Experteneinschätzungen sogar bei bis zu 30 Prozent.

Nutzen kontra Schaden

Unmissverständlicher denn je redet Landesveterinär Norbert Greber in diesem Zusammenhang Klartext. „Ein Regulierungsgatter gehört her. Dies ist die einzige Chance, den Bestand endlich deutlich zu senken und damit die TBC-Prävalenz zu reduzieren.“ Greber hält diese Maßnahme in den Monaten Dezember und Jänner für sinnvoll. „Wenn sich abzeichnet, wie viel Stück Rotwild noch erlegt werden muss und man gezielt vorgehen kann.“ Der Landesveterinär spricht von einer großen Chance, das Problem zu lösen. „Weil wir das große Glück haben, die Verseuchung ausschließlich auf eine Region begrenzt zu haben.“ Man dürfe sich beim Regulierungsgatter nicht von den Bildern getöteter Rotwildtiere bei ähnlichen Vorkommnissen beeindrucken lassen. „Viel eher sollten wir uns vor Augen führen, dass eine solche Maßnahme hilft, nicht verseuchte Bestände zu schützen und insgesamt mehr Tiere zu retten“, betont Greber.

Eine neue Qualität erhalten Grebers Forderungen durch die Position von Landesjägermeister Christoph Breier. „Wenn zur Eindämmung der TBC-Verseuchung keine der bisher angewandten Maßnahmen helfen, müssen wir uns andere Schritte überlegen.“ Breier schlägt diesbezüglich eine sogenannte Regulierungsfütterung vor. Dies ist praktisch dasselbe wie ein Regulierungsgatter. Tiere werden durch ein Futterangebot an einen gut einsehbaren Ort gelotst. Dort werden sie eingeschlossen und von professionellen Berufsjägern erlegt. Breier nennt das eine „umzäunte Kirrung“, eine Lockfütterung mit dem Ziel, Tiere an einem bestimmten Platz zu konzentrieren, um sie anschließend gezielt zu töten.

Breier ist sich bewusst, dass ein solcher Schritt zu Diskussionen führen kann. Der pensionierte Internist genießt jedoch einen besonderen Ruf als Experte für das Problem Tuberkulose.

Fazit Ende März

Nicht einordnen möchte Bezirkshauptmann Harald Dreher, die aktuelle TBC-Prävalenz einhergehend mit den bisherigen Abschussquoten im Problembezirk Bludenz. „Ein Fazit verbietet sich zum jetzigen Zeitpunkt. Wir müssen das Jagdjahr, das bis Ende März dauert, abwarten.“ Ermutigende Zeichen sieht Dreher jedoch nicht. „Die Zahl der Rotwildtiere bei den Fütterungen ist eindeutig zu hoch, und ob der praktische Ausfall der Frühjahrsbejagung gut war, wird sich zeigen.“ Im Falle der Nichterreichung der Abschussquote droht der Bezirkshauptmann den Verantwortlichen mit harten Maßnahmen.

Viele Proben

Aktuell sind im TBC-Bekämpfungsgebiet bisher 396 Proben untersucht worden. Die höchste Prävalenz wurde dabei – wenig verwunderlich – in der Hegegemeinschaft Silbertal-Bartholomäberg mit 13,5 Prozent festgestellt. Im hinteren Silbertal liegt diese bei deutlich über 20 Prozent. Außerhalb des Bekämpfungsgebietes gibt es aktuell nur einen positiven Fall beim Rotwild. 270 Proben wurden dort untersucht. Beim Viehbestand halten die tätigen Tierärzte bislang bei knapp 2000 Untersuchungen in rund 200 Betrieben. Das ist ein Viertel des geplanten Umfanges. Noch traten in den Ställen keine Verdachtsfälle auf.

„Ich sehe eine Regulierungsfütterung als mögliche letzte Maßnahme gegen TBC.“

Alle Rinder wegen TBC getötet. Diese Gefahr in heimischen Ställen ist latent.
Alle Rinder wegen TBC getötet. Diese Gefahr in heimischen Ställen ist latent.
Landesveterinär Norbert Greber fordert Regulierungsgatter. 
              VN/HARTINGER

Landesveterinär Norbert Greber fordert Regulierungsgatter.

VN/HARTINGER

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