Die echten Reichtümer
Die Loipe trägt gerade mal so viel Schnee, dass die Langlaufski nicht an der Grasnarbe kratzen. Aber etwas abseits vom Dorfzentrum in Richtung Bolgenach ist es dann doch so viel, dass die Kinder sich eine kleine Schanze gebaut haben und sie sorgsam nach jedem „Sprüngle“ mit Feuereifer neu präparieren.
Insgesamt erstreckt sich ihr Skigebiet über etwa 100 Laufmeter einen Hang hinauf, an dessen Ende der „Däta“ seinen Traktor geparkt hat. Er setzt per Knopfdruck das Seil in Bewegung, das sich vom Boden erhebt und dreht, und fertig ist der Skilift Marke Eigenbau. Die Sportskanonen in Matchboxgröße reihen sich sauber ein, lassen sich nach oben ziehen, machen kurz vor der Schaltafel kehrt, die den Traktor und seine dicken Räder abdeckt, nehmen Fahrt auf und sausen über die Schanze, dass ihre kleinen Bretteln tatsächlich für einen köstlichen Augenblick die Bodenhaftung verlieren.
Dass ein paar Hundert Meter weiter in der aktuellen Ausstellung des Hittisauer Frauenmuseums betagte Frauen darüber erzählen, was in ihren Augen ein Leben reich macht, wissen die jungen Nachwuchsrennfahrer nicht. Sie wären aber auch gar nicht verwundert, wenn so eine Hundertjährige nach einem arbeitsreichen Leben als eines von 15 Kindern sagt: „Es ist sich immer ausgegangen. Not gelitten haben wir nie.“ So viel zum Reichtum, der manchmal so ganz anders daherkommt, als wir glauben.
Thomas Matt
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