Warum in Andelsbuch große Betroffenheit herrscht

Das drohende Ende der Bergbahnen Andelsbuch beschäftigt viele Menschen in der Region.
Andelsbuch Jasmin Wohlgenannt (34) und Tanja Feuerstein (25) ist die Verzweiflung ins Gesicht geschrieben. „Die Einstellung des Liftbetriebs hier an der Niederen wäre für uns ein schwerer Schlag. Wir sind am Berg groß geworden, von hier mit der Bahn viele Jahre zur Schule nach Andelsbuch runtergefahren. Die Bahn ist ein Teil unseres Lebens”, beschreibt Jasmin ihre Emotionen, während Tanjas Augen wässrig werden. Die beiden Schwestern führen das Bergrestaurant auf der Niederen, bewirtschaften die daneben liegende Alpe und produzieren im Sennhaus selber Käse. Von ihren Eltern haben sie alles übernommen.


Jasmin und Tanja möchten sich noch gar nicht vorstellen, dass die Bahn bald nicht mehr fährt. „Ich hoffe, es gibt da doch noch eine Lösung. Am liebsten wäre uns, sie würden die jetzigen zwei Lifte sanieren. Sollte es eine große Gondelbahn geben, wären wir im Restaurant mit einem Massenbetrieb konfrontiert. Das wollen wir ja auch nicht.”
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Ab nach Bezau?
Im Tal unten legt der Inhaber der Paragleiter-Flugschule Jodok Moosbrugger (63) seine Stirn in Falten. „Mir geht es um die Existenz. Keine Bahn mehr würde bedeuten: Kein unkomplizierter Zugang mehr zum Berg, kein Geschäft mit Ausrüstung für Paragleiter an diesem Standort mehr, völlige Ungewissheit, wie es mit der Flugschule weitergeht.”

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Moosbrugger müsste sich überlegen, den Standort der Flugschule von Andelsbuch nach Bezau zu verlegen. Dort stünde eine Bahn zur Verfügung. Doch das Landen im viel sichereren Andelsbuch brächte logistische Probleme mit sich. „Du musst ja dann wieder nach Bezau zurückkommen, wenn du dort dein Auto geparkt hast.” Was Moosbrugger wie auch sein in Vollzeit angestellter Fluglehrer Lucas Ratz befürchten: „Es würden dann wohl viele probieren, in Bezau zu landen. Nur ist es dort aufgrund der Thermik viel gefährlicher”, weiß Ratz.

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Rund 80 Paragleiter-Freaks erwerben jährlich bei der Flugschule ihren Flugschein, die Kundschaften kommen bis von Frankfurt an die Niedere. Weil der Standort einen ausgezeichneten Ruf besitzt. Moosbrugger beschäftigt sechs Vollzeit- und sechs Teilzeitkräfte in seinem Unternehmen.
Ans Herz gewachsen
An der Talstation des Lifts versieht Albert Kohler (51) seinen Dienst. Der Andelsbucher ist so alt wie die Bahn selbst. „Mir ist diese Anlage ans Herz gewachsen. Ich bin ja mit ihr aufgewachsen. Es wäre traurig, wenn es sie nicht mehr geben würde.” Das meint auch Betriebsleiter Markus Kohler (40). Was ihn nicht von einer realistischen Einschätzung der Lage abhält. „Es ist so, und ich muss mir wohl bald einen neuen Job suchen.” Was alle Betroffenen eint: Niemand will einen Schuldigen für das drohende Ende der Andelsbucher Bergbahnen ausmachen. So als ob diese Entwicklung ein unvermeidliches Schicksal ist.

Hoffnung noch nicht aufgegeben
Im Andelsbucher Gemeindeamt wirkt auch Bürgermeister und Geschäftsführer Bernhard Kleber (56) ratlos. Und doch hat er wieder etwas Mut geschöpft. „Es ist schwierig, keine Frage. Aber ich habe seit Bekanntwerden der Problematik in den VN viele Gespräche geführt. Den Leuten ist das nicht egal. Wir werden sehen müssen, ob sich doch noch etwas ergibt. Ich will noch nicht vom Ende sprechen, solange es nicht da ist.”

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Zwei Zugänge für eine mögliche Rettung eines Beförderungsbetriebs auf die Niedere sieht Kleber: „Vielleicht sollte man bei Investitionen nicht immer nur eine unmittelbare Rendite im Kopf haben. Und: Es bräuchte als Anreiz wohl auch ein zusätzliches, attraktives Angebot am Berg.”