Mit der Gemeinde im Clinch: „Das ist wie in einem schlechten Film“

Beschwerlicher Fußweg zum Wohnhaus, weil die Gemeinde im Winter die öffentliche Straße sperren lässt.
Mittelberg Ein Schild warnt vor starkem Gefälle. Selbst mit gutem Schuhwerk ist der Weg zum Wohnhaus von Sebastian (49) und Christine Felder (50) kaum begehbar. Und doch sind die beiden gezwungen, fast einen Kilometer auf teils eisigem Untergrund zu Fuß zurückzulegen. Einkäufe schleppen, den Müll beseitigen: Alltägliches wird zur Herausforderung: „Man macht uns das Leben zur Hölle.“

Die Idylle trügt. Mitten im Skigebiet „Heuberg-Arena“ im zu Mittelberg gehörenden Tourismusort Hirschegg haben Sebastian und Christine Felder ihr Eigenheim. Das Haus, von Sebastians Eltern Anfang der 1980er-Jahre erbaut, ist mit einer öffentlichen Straße erschlossen. Sie sei all die Jahre jederzeit befahrbar gewesen. Das änderte sich 2016 schlagartig. Die Gemeinde entschied, den Weg in der Wintersaison kurzerhand zur Skipiste zu machen. Seither kämpfen die beiden um ihr Zufahrtsrecht. „Wir wollen uns hier nicht vertreiben lassen. Wir machen nichts Unrechtes“, sagen sie.

Unrechtsempfinden scheint es auch im Gemeindeamt keines zu geben. Dort stellt Bürgermeister Andi Haid erst gar nicht infrage, dass ein Fahrrecht bestehe. „Der Skiweg liegt im öffentlichen Interesse“, argumentiert der Gemeindechef allerdings. Dass die Straße von der Gemeinde im Winter gesperrt wird, sei gesetzlich gedeckt. Man sperre auch nur so lange, wie der Skiweg in Betrieb sei, so Haid. Tourismusinteressen stehen in Mittelberg offensichtlich über dem Wohl der Familie Felder. So empfinden es jedenfalls die beiden.

„Die Gemeinde handelt rechtswidrig. Sie beschneidet uns in Dingen, die selbstverständlich sind“, ärgert sich Christine Felder über das winterliche Zufahrtsverbot. Zu allem Überfluss liegen sie auch mit Nachbarn in den Haaren. An jenem Hof, bei dem die Straßensperre errichtet ist, können die Felders deshalb weder halten noch parken. Als Skiweg-Vertragspartner der Gemeinde werde der Nachbar bevorzugt behandelt, kritisiert Sebastian Felder ein „einseitiges Verhalten des Bürgermeisters“ scharf. Er müsse für jeden Bürger da sein.

Christine und Sebastian Felder sitzen vor einem prall gefüllten Aktenordner. Darin ist der Schriftverkehr mit Gemeinde und Behörden ebenso abgelegt wie Gerichtsakten. Zweimal waren sie mit ihrem Anliegen bereits vor dem Verfassungsgerichtshof. Erfolg hatten sie keinen. Das Gericht konnte demnach eine Straßensperre, die es offiziell gar nicht gibt, auch nicht aufheben.

Die Gemeinde Mittelberg lässt die Straße per Bescheid zeitlich befristet sperren und fühlt sich damit im Recht. „Sollte es eine andere Rechtsansicht geben, dann ist das nicht das Thema, dass ich mich dem nicht anschließen würde“, so Bürgermeister Haid. Eine außergerichtliche Lösung scheint weit entfernt. Die Fronten sind verhärtet. „Der Bürgermeister redet schon lange nicht mehr mit uns.“ Kommuniziert werde nur mehr schriftlich, sagt Sebastian Felder.

Sie würden weder Streit suchen noch etwas wollen, das ihnen nicht zustehe. „Aber wir wollen zu unserem Haus uneingeschränkt zufahren können.“ Felder, selbst bei der Feuerwehr engagiert, will sich erst gar nicht ausmalen, was in einem Notfall passieren würde. Auch die aktuelle Sanierung des Hauses sei so in einem Ausmaß beschwerlich, wie man sich das kaum vorstellen könne.

Es ist ein Kampf, David gegen Goliath. Da die einheimische Familie mit ihrem Wohnhaus, dort die gewichtigen Tourismusinteressen von Liftgesellschaft und Gemeinde. Dabei würde schon der Fußmarsch zum Haus der Felders zeigen, dass es auch anders ginge. „Straße, Lifttrasse und Skipiste kreuzen sich gleich mehrfach“, verdeutlicht Sebastian Felder beim VN-Lokalaugenschein. Da scheint selbst für Außenstehende der Lösungsvorschlag der Gemeinde, darauf zu warten, bis der Schnee weg und die Saison vorbei ist, fast ein wenig zynisch.