Erklärungsbedarf
Bis zu sechs Meter ragen die Spieße in die Höhe, mit denen die Schweizer den Habsburger Rittern vor mehr als 700 Jahren zu Leibe rückten. Ein Vater kann seinen Dreikäsehoch gerade noch davon abhalten, so ein Mordsgerät aus der Verankerung zu lösen. Na, den Knall hätte man durchs ganze Museum gehört, wenn der Kleine mitsamt der Pike das Gleichgewicht verloren hätte! Aber der Papa schimpft nicht. Er verstrubbelt dem Kind die Haare und drückt sich wortkarg um die Erklärung herum, wozu die langen Stangen wohl gut waren. Aber der Kleine ahnt es eh: Er blickt zu den eisernen Lanzenspitzen empor und fragt ein wenig kleinlaut: „Hat das nicht furchtbar wehgetan?“
Der Bub lebt tatsächlich noch im prä-medialen Stadium, ja, sowas gibt’s! Hört bestimmt Märchen vor dem Einschlafen. Aus seinem Rucksack lugt ein Schmusetier, kein Tablet. Die Hand des Vaters hält er fest. Wie erklärt man ihm nur, was Menschen einander über die Jahrhunderte hinweg so angetan haben?
Vier Säle und ein paar Jahrhunderte später steht der Bub vor einer Schnellfeuerkanone; die Augen des Vaters suchen den Ausgang. An den Wänden prangen Fotos aus dem Zweiten Weltkrieg. Soll er dem Kleinen jetzt sagen, dass der Mensch in Jahrhunderten um keinen Deut klüger geworden ist? Da greift er zu einer List. „Die haben prima Eis drüben im Café.“ Und schon sind sie auf dem Weg. Wenn man sich nur so einfach schleichen könnte aus all dem Wahnsinn . . .
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