Nach Beinahe-Katastrophe in Zürs: Lawinenexperten müssen vor Gericht

Vorarlberg / 05.05.2024 • 15:51 Uhr
Nach Beinahe-Katastrophe in Zürs: Lawinenexperten müssen vor Gericht
Dutzende Einsatzkräfte waren im Einsatz. Gantner, VN

Prozess ist für Ende Mai anberaumt. Den Männern werden mehrere Vergehen zur Last gelegt.

Lech, Feldkirch Am 25. Dezember 2022 ist Lech-Zürs knapp an einer Katastrophe vorbeigeschrammt: Gegen 15 Uhr löste sich am Trittkopf eine Lawine und verschüttete die darunterliegende Piste auf einer Länge von rund 600 Metern. Nun, knapp eineinhalb Jahren später, müssen sich zwei ehrenamtliche Mitglieder der Lawinenkommission vor Gericht verantworten, schreiben die Salzburger Nachrichten (SN).

Polizei Hubschrauber Rotes Kreuz Bergrettung Lawine Lawinenabgang Zürs Umfrage Interview
In Zürs herrschte einen Tag nach Heiligabend Ausnahmezustand.

Der Lawinenabgang hatte einen Großeinsatz mit zeitweise bis zu 200 Helfern ausgelöst, denn ein Video, das eine Zeugin mit ihrem Handy aufgenommen hatte, ließ Schlimmes vermuten. Auf der Aufnahme sind im Bereich der Lawinenbahn zehn Wintersportler zu erkennen. Erst am nächsten Tag gegen Mittag herrschte Gewissheit, dass niemand mehr vermisst wurde, alle das Beinahe-Unglück überlebt haben und nur ein Skifahrer schwer verletzt wurde.

Lawinenabgang
Auch das Bundesheer war vor Ort.

Der 46-jährige Skifahrer aus Deutschland konnte im Zuge der groß angelegten Suchaktion rasch geborgen werden. Er wurde mit dem Hubschrauber in die Klinik nach Innsbruck geflogen. Die anderen Skifahrer – Touristen aus Deutschland, Belgien, den Niederlanden, Kroatien, Bosnien-Herzegowina und den USA -meldeten sich großteils erst nach Stunden bei der Polizei bzw. den Seilbahnen. Da laut SN oberhalb der betroffenen Piste am Morgen des Unglückstags aus Sicherheitsgründen eine Lawinensprengung durchgeführt worden war, ermittelte die Alpinpolizei, ob eventuell menschliche Fehler zu dem Lawinenabgang geführt haben.

Wie nun bekannt wurde, hat die Staatsanwaltschaft Feldkirch einen Strafantrag gegen zwei Personen eingebracht. Das berichten die SN mit Verweis auf das Landesgericht Feldkirch. Den zwei Männern wird demnach fahrlässige Körperverletzung und Gefährdung der körperlichen Sicherheit vorgeworfen. „Der Tatvorwurf lautet, dass die Piste sorgfaltswidrig freigegeben wurde, obwohl der Erfolg der Lawinensprengung nicht klar war“, wird Landesgerichtssprecher Dietmar Nußbaumer zitiert. Einem der beiden Beschuldigten werde zudem die Fälschung eines Beweismittels zur Last gelegt, weil er etwas falsch in den Bericht der Lawinenkommission geschrieben hat, konkret, dass in die Entscheidung eine dritte Person eingebunden gewesen sei.

Der Prozess in Feldkirch ist für Ende Mai angesetzt.

Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Iframely angezeigt.