Eine Art König
Es war einmal ein König, der kein wirklicher König war, aber er wollte einer sein, so sehr, dass er jeden Tag Befehl gab, ihn als König zu verehren. Nichts wichtiger war dem König als seine eigene glorreiche Existenz. Dafür würde er alles tun, Menschen auf der Straße erschießen, wenn er es für notwendig erachtete. Wann war es notwendig, einen Menschen zu erschießen? Wenn einer den König beleidigte. Wer wagte es, den König zu beleidigen? Wagte es einer doch, so wurde ihm mit Gefängnis gedroht. Deshalb, aus Angst vor Schrecklichem, taten die Menschen um ihn herum so, als wäre er ein König. Er hatte einen goldenen Kopf. Er überragte alle und alles.
Eines an ihm galt es hervorzuheben: Er hatte Angst vor dem Krieg, und deshalb wollte er Kriege vermeiden. Er gab vor, Menschen vor dem Kriegstod bewahren zu wollen. Das sei des Königs erste Pflicht.
Als einmal ein Staatsmann in seiner gewöhnlichen Uniform einen Besuch bei dem König abstattete, sah es der König als eine Beleidigung, dass der Herr keinen Anzug trug, und er ließ fragen, ob er denn keinen Anzug besitze. Der Staatsmann sagte, in der gegenwärtigen Situation seines Landes fände er es unpassend, sich in seinen glänzenden Anzug zu zeigen. Außerdem besitze er nicht so eine meterlange rote Krawatte wie der König.
Sein bezahlter Lakai nickte zu allem, was der König von sich gab, dachte insgeheim aber an dessen Tod, und dass er sein Nachfolger sein könnte.
Der König wartete auf den Friedensnobelpreis, sein Kontrahent, der Krieger, verachtete ihn dafür, tat aber so, als würde er ihn nicht verachten, sondern lieben wie einen Bruder. Er zeigte sein eiskaltes Lächeln, während er die goldenen Gabeln vom Tisch stahl.
Die ganze Welt kannte nur ein Gespräch, und das war der König. Er genoss es, wichtig zu sein. Jeden Tag beschloss er Gesetze, um sie am nächsten Tag wieder abzumildern. Er spielte im Sandkasten, baute Grenzen mit großen Steinen und verlangte von seinen Spielgefährten Maut in Form von Süßigkeiten. Wenn einer es wagte, seine Sandburg zu zerstören, würde er bestraft und als mahnendes Beispiel vorgeführt.
Die Menschen in den entlegenen Gebieten wussten nichts, sie glaubten, was ihnen erzählt wurde, und stimmten für den König. Der liebe Gott hat die Todeskugel abgewendet, sagten sie. Das ist der Beweis dafür, dass Gott unseren König liebt.
Spätnachts ließ sich der König von seinem Chauffeur absetzen und stolzierte mit lächerlicher Würde in seinen Palast. Es roch nach Brennsuppe, die seine Frau aus Heimweh gekocht hatte.
Monika Helfer ist Schriftstellerin und lebt in Hohenems.
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