19-Jährige schwerst verletzt: Warum Oberleitungen so gefährlich sind

Die Lok fährt, wenn der Stromkreis geschlossen ist. Warum dies Mutproben am Bahnhof gefährlich macht – und Gleise nicht, obwohl diese Teil der Gleichung sind.
Bregenz “Die Bahnanlagen sind kein Abenteuerparcours und auch kein Platz für Mutproben”, warnt ÖBB-Sprecher Christoph Gasser-Mair. Am Wochenende trug eine 19-Jährige in Feldkirch schwerste Verletzungen davon, als sie im Bahnhofsareal auf einen Waggon kletterte. Doch warum?
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“Die Oberleitungen stehen unter einer Spannung von 15.000 Volt”, erklärt Gasser-Mair. Dies entspricht in etwa dem 65-fachen einer normalen Steckdose. “Man muss die Oberleitung nicht einmal berühren, um den Stromkreis zu schließen und oft tödlich verletzt zu werden.”
In einem solchen Fall wirken genau jene Kräfte gegen einen, die den Bahnbetrieb ermöglichen. Denn Strom fließt immer in einem Kreislauf. Im Normalbetrieb fließt der Strom über die Oberleitung zur Lok, wird von dieser durch den Strommotor gelenkt und so in Vorwärtsenergie gewandelt. Über die stählernen Gleise wird der Stromkreis zum Umspannwerk geschlossen.
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Doch warum ist dann die Nähe zur Oberleitung gefährlich, das Gleis selbst jedoch nicht, wenn doch der Strom über diese zurückgeleitet wird? Die Schienen liegen auf dem Boden auf und sind dadurch geerdet. Der wartende Bahnkunde am Bahnsteig oder die Gleisarbeiter stehen auf demselben Boden und sind ebenfalls geerdet. Es besteht damit kein größerer Spannungsunterschied zwischen Gleis und Person; das Gleis selbst ist auch der bessere Leiter und der direktere Weg. Daher bekommt man vom Gleis selbst keinen Stromschlag. Die gleiche Logik gilt für die Vögel auf der Oberleitung: Sie schließen den Stromkreis zum Boden nicht und spüren deswegen nichts von der hohen Stromspannung.
Anders ist die Sachlage jedoch, wenn man sich vom Boden kommend der Oberleitung nähert. Der Waggon ist über die Räder mit den Gleisen leitend verbunden, jedoch nicht mit der Leitung verbunden. Zwar ist Luft ein Isolator, doch bei Spannungen von 15.000 Volt reicht dies nicht mehr aus. Je nach Luftfeuchtigkeit und Distanz kann der Strom die isolierende Luft als Lichtbogen selbstständig überbrücken, um einen Stromkreis zu bilden – etwa durch Personen auf Waggons. Diese werden so unfreiwillig Teil des Stromkreises, selbst wenn man mehr als Armeslänge Abstand zur Leitung hat.
Die ÖBB sind von dem Vorfall zutiefst betroffen. Es helfe aber nur Prävention, Menschen davon abzuhalten, sich widerrechtlich Zutritt zu Bahnanlagen und Rangiergleisen zu verschaffen.