Ein Drittel hat finanziell zu kämpfen

Soziale Lage der Vorarlberger Haushalte: Caritas-Direktor Schmolly warnt vor Verschärfung.
SCHWARZACH. Die Lage wirkt stabil: Wie schon in den Quartalen zuvor hat auch im dritten Quartal 2025 ungefähr ein Drittel der Haushalte in Vorarlberg und ganz Österreich angegeben, finanziell nur mit mehr oder weniger großen Schwierigkeiten über die Runden zu kommen. Gut ein Viertel hat das Gefühl, dass das Einkommen in den letzten zwölf Monaten zurückgegangen ist, dass es sich also weniger leisten kann.
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Wobei die Probleme extrem unterschiedlich sind: 27 Prozent haben keine 1570 Euro für unerwartete Ausgaben auf der Kante; für 18 Prozent sind regelmäßige Freizeitaktivitäten, die Geld kosten, unmöglich; 15 Prozent können kaputte Möbel nicht ersetzen, weniger als zehn Prozent sich kein eigenes Auto oder auch nur an jedem zweiten Tag ein Hauptgericht zum Essen leisten. Das ist Ergebnissen einer „Statistik Austria“-Erhebung zu entnehmen, die einmal pro Quartal durchgeführt wird und die eine Orientierung liefern soll, wie es den Leuten finanziell geht.

Das nimmt auch Rus-Preisträger Elmar Stüttler von der Initiative „Tischlein deck dich“ wahr. Von „stabil“ kann demnach aber keine Rede sein: „Vor allem die steigenden Lebensmittelpreise setzen vielen zu, gerade bei Älteren macht sich das bemerkbar“, sagt er. Ihnen bietet er mit seinen Mitarbeitern seit heuer in Geschäften mit dem Namen „Mein guter Laden“ in Feldkirch und Bludenz stark vergünstigte Lebensmittel an. Mit einer Berechtigungskarte können sie, aber auch alleinerziehende Frauen, Studierende sowie Behinderte, das Nötigste um 60, 70 Prozent vergünstigt kaufen. Die Nachfrage ist so stark steigend, dass mit 13. Jänner in Dornbirn, Haselstauden, ein dritter Laden dazukommt.
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Dass die finanzielle Lage der Haushalte in eine „zunehmende Verschlechterung übergeht“, glaubt man auch bei der Caritas. „Indiz dafür ist, dass unsere Beratungsstellen 2025 im Vergleich zum Vorjahr bereits 17 Prozent mehr Sachunterstützungen in Form von Lebensmittelgutscheinen und Überbrückungshilfen ausgegeben haben, um Familien und Haushalte in einer akuten Not aufzufangen“, sagt Direktor Walter Schmolly.

Wenn schon so viele zu kämpften hätten und sich eine weitere Verschlechterung abzeichne, dann müssten die Alarmglocken schrillen, fügt er hinzu: „Trotz allem Spardruck in den öffentlichen Haushalten müssen wir als Gesamtgesellschaft und insbesondere die politisch Verantwortlichen die Frage beantworten, was es uns Wert ist zu verhindern, dass eine wachsende Gruppe von Menschen den Anschluss verliert und zurückbleibt.“ Lohnabschlüsse unterhalb der realen Teuerung und die Reduktion von diversen Unterstützungen würden die problematische Entwicklung in den nächsten Monaten jedenfalls verschärfen.
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Auch Isabel Baldreich von der „Armutskonferenz“ findet die Lage „sozialpolitisch alarmierend“. Hohe Wohn- und Lebenshaltungskosten würden in Vorarlberg ein zusätzliches Problem darstellen.
Und die Aussichten seien schlecht: Im neuen Jahr gebe es zum Beispiel keine Inflationsanpassung von Familienförderungen. Real würden Familien dadurch verlieren. Außerdem seien Sparmaßnahmen, die das Land im Sozialbereich vornimmt, kritisch: „Es stellt sich die Frage, ob ein Sozialsystem, in dem gespart wird, einen verstärkten Andrang bewältigen kann.“ Oder ob es für Betroffene zum Beispiel zu größeren Wartezeiten kommen werde, so Baldreich.