Warum in manchen Frastanzer Briefkästen Atemschutzmasken landeten – “Das Risiko tragen wir”

In Frastanz wächst der Widerstand gegen ein geplantes Reststoffkraftwerk. Was der Verein gegen das Vorhaben, Bürgermeister und das Unternehmen dazu sagen.
Darum geht’s:
- 2000 Atemschutzmasken mit QR-Code gegen Kraftwerksprojekt in Frastanz verteilt
- Verein SOS Walgau kritisiert mögliche Umweltbelastungen durch das Projekt
- Rondo Ganahl verweist auf laufendes Genehmigungsverfahren
Frastanz In Frastanz landeten in den vergangenen Wochen Atemschutzmasken in den Briefkästen – versehen mit einem QR-Code und dem Aufruf, eine Petition zu unterschreiben. Dahinter steht der Verein SOS Walgau, getragen von Frastanzer Bürgerinnen und Bürgern rund um Theresa Grabher, ihren Bruder Maximilian und ihre Mutter Angelika Grabher. Etwa 2000 Masken seien laut Angaben des Vereins verteilt worden, 2000 Personen haben die Petition unterschrieben.


Anlass des Protests ist ein von dem Unternehmen Rondo Ganahl geplantes Kraftwerksprojekt am Standort Frastanz. Der Papier- und Verpackungshersteller gehört zu den größten Energieverbrauchern des Landes und will mit einem Reststoffkraftwerk künftig einen Großteil seines eigenen Wärmeenergiebedarfs decken. Vorgesehen sind Investitionen von rund 110 Millionen Euro, ein Bau auf 3600 Quadratmetern mit einer Höhe von etwa 32 Metern. Der Antrag für die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) wurde am 24. Oktober 2025 eingereicht, derzeit prüft die Behörde die Unterlagen.

Grundsätzlich sei der Verein nicht grundsätzlich gegen Müllverbrennung: “Aber wir sind gegen eine Anlage, die einer privaten Firma nützt und bei der die potenziellen Risiken bei der Bevölkerung liegen”, sagt Maximilian Grabher im VN-Gespräch, das an einem Dezembertag stattfindet.
Inversionswetterlage
Nebel liegt über Frastanz – für die Gegner ist das ein Sinnbild ihrer Sorge. “Man sieht bei solchen Inversionswetterlagen jetzt schon, wie Abgase im Talkessel hängen bleiben und nicht abziehen. Dies in unmittelbarer Nähe zu Einfamilienhäusern, Wohnanlagen, Schulen, Kindergärten oder Sportanlagen”, sagt Grabher.

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Ersatzbrennstoffe
Kritisiert werden mögliche Belastungen für Luft und Grundwasser, zusätzliche Lkw-Fahrten sowie Geruchsbelästigungen. Besonders stößt der Initiative die aus ihrer Sicht widersprüchliche Kommunikation auf, etwa was die Abfallmengen betrifft. Während Rondo Ganahl betont, dass das Kraftwerk nicht größer eingereicht worden sei als kommuniziert, verweisen die Gegner auf die in den UVP-Unterlagen genannte Obergrenze von bis zu 122.000 Tonnen Abfall pro Jahr. “Das sind um 37.000 Tonnen mehr als ursprünglich geplant”, sagt Grabher. Das Unternehmen argumentiert, dass es sich dabei um ein theoretisches Maximalszenario handle, im Regelbetrieb werde von deutlich geringeren Mengen ausgegangen.


Für SOS Walgau liegt genau darin der Knackpunkt. Die Befürchtung: eine schrittweise Ausweitung der Verbrennung, ohne dass dies erneut umfassend geprüft werde. “Entscheidend ist, was genehmigt wird, und nicht, was heute versprochen wird”, sagt Maximilian Grabher.

Ursprünglich war das Kraftwerk für eine Kapazität von 85.000 Tonnen pro Jahr ausgelegt, bestehend aus rund 34.000 Tonnen nicht gefährlichen Abfällen sowie etwa 50.000 Tonnen Biomasse und Ersatzbrennstoffen, darunter 11.000 Tonnen aus der eigenen Papierproduktion. Rondo sieht darin einen Beitrag zur Energieversorgung aus verfügbaren Reststoffen. SOS Walgau hingegen kritisiert den hohen Anteil sogenannter Ersatzbrennstoffe. “Ersatzbrennstoffe öffnen die Tür für sehr viele unterschiedliche Stoffe”, zeigt sich Theresa Grabher besorgt. “Das als Energieautonomie zu verkaufen, ist aus unserer Sicht irreführend.”

“Auch frühere Aussagen zu Elektro-Lkw finden sich in den UVP-Unterlagen nicht mehr”, bemängelt Maximilian Grabher. Im Durchschnitt sei laut Unterlagen mit rund 30 Lkw-Fahrten pro Tag für An- und Abtransport zu rechnen.

Die Initiative fordert mehr Transparenz und eine stärkere Einbindung der umliegenden Gemeinden. “Die Auswirkungen betreffen nicht nur Frastanz, sondern den gesamten Walgau”, sagen Grabhers.
Gemeinde setzt auf Verfahren
“Die Bedenken der Bevölkerung sind ernst zu nehmen und sollen auch in die Entscheidungsfindung einfließen”, hält der Frastanzer Bürgermeister Walter Gohm gegenüber den VN fest. Gleichzeitig betont er, dass auch das Unternehmen Anspruch auf ein ordentliches Verfahren habe. “Wenn die UVP-Behörde zum Schluss kommt, dass die Voraussetzungen für ein billigungsfähiges Projekt mit Auflagen für Ausgleichsmaßnahmen gegeben sind, dann ist das zur Kenntnis zu nehmen.”
Die Gemeinde sieht ihre Rolle derzeit vor allem in der Information. Im Jänner 2026 ist eine Informationsveranstaltung für Gemeindevertretung und Ausschüsse geplant. Erst danach soll eine formelle Stellungnahme im UVP-Verfahren erfolgen. Gohm spricht von sehr unterschiedlichen Rückmeldungen aus der Bevölkerung: “Es ist aus verständlichen Gründen ein Vorhaben, das polarisiert.” Neben Kritik gebe es auch viele Befürworter, die die Sicherung des Industriestandorts und der Arbeitsplätze nachvollziehen könnten.
Rondo verweist auf UVP
Bei Rondo Ganahl verweist man auf das laufende Verfahren. Geschäftsführerin Sigrid Rauscher erklärt auf VN-Anfrage, man konzentriere sich “voll auf das laufende Genehmigungsverfahren” und sei überzeugt, “dass die bekannten Bedenken in der fachlichen Ausarbeitung unseres UVP-Antrags adressiert wurden”. Die Sorgen der Anrainerinnen und Anrainer würden ernst genommen, Fragen bestmöglich und faktenbasiert beantwortet. “Die Beurteilung unseres Antrags obliegt nun der Genehmigungsbehörde.” Derzeit prüft die Behörde, ob die Unterlagen vollständig und prüffähig sind. Mit dem Bescheid rechnet das Unternehmen Anfang 2027, die Bauzeit für das Kraftwerk würde zwei Jahre betragen.