“Jede Beobachtung hilft, Trends zu erkennen”

Eine Stunde Vögel zählen und damit zur größten Citizen-Science-Aktion des Landes beitragen: Die Vorarlberger Ornithologin Johanna Kronberger erklärt, warum jede Meldung bei der “Stunde der Wintervögel” wertvoll ist.
Darum geht’s:
- Zahl der Vögel pro Garten nimmt langfristig ab.
- “Stunde der Wintervögel” von 3. bis 6. Januar 2026.
- Langfristige Vogeltrends durch Citizen-Science-Projekt sichtbar machen.
Schwarzach Vielerorts bleibt der Winter in Vorarlberg derzeit mild – Schnee ist kaum in Sicht. Für Vogelfreunde bedeutet das: Finden die gefiederten Gäste in Wäldern und höheren Lagen noch ausreichend Nahrung, sind sie seltener auf die Fütterung in den Gärten angewiesen. Trotzdem – oder gerade deshalb – lohnt sich der Blick nach draußen. Von 3. bis 6. Jänner 2026 ruft BirdLife Österreich bereits zum 17. Mal zur “Stunde der Wintervögel” auf.
Ziel der größten Citizen-Science-Aktion des Landes ist es nicht, exakte Bestände zu erheben, sondern langfristige Entwicklungen sichtbar zu machen. “Gerade über viele Jahre hinweg lassen sich Trends gut erkennen – und diese sind durchaus aussagekräftig”, erklärt die Vorarlberger Ornithologin Johanna Kronberger.
So machen Sie mit
- Teilnahmefolder kostenfrei telefonisch unter 01/522 22 28, per E-Mail: buero@birdlife.at anfordern oder online unter birdlife.at/stunde-der-wintervoegel herunterladen.
- Zählen: Beobachten Sie an einem Tag (3., 4., 5. oder 6. Jänner 2026) zu einer selbst gewählten Uhrzeit im Zählzeitraum eine Stunde lang. Wichtig dabei ist, dass jeweils die Höchstzahl der gleichzeitig gesehenen Vogelart notiert wird, um Doppelzählungen zu vermeiden. Auch die Meldung darüber, dass gar keine Vögel gesehen wurden, ist eine wertvolle Information.
- Melden: Sie können Ihre Meldung ab dem 3. Jänner 2026 bekannt geben. Zählergebnis auf der Meldeplattform birdlife.at/stunde-der-wintervoegel eingeben. Diese ist bis 14. Jänner freigeschaltet. Oder ausgefüllten Meldebogen per Post retournieren (Einsendeschluss: 14. Jänner 2026): BirdLife Österreich, Diefenbachgasse 35/1/6, 1150 Wien, senden.
Nordische Gäste und milde Winter
Eine Stunde lang sind alle eingeladen, Vögel im Garten, auf dem Balkon oder im Park zu beobachten und zu zählen. Welche Arten dabei auftauchen, hängt von mehreren Faktoren ab. “Es spielen mehrere Faktoren zusammen: Wie war das Wetter in den nördlichen Brutgebieten, wie an den Zähltagen selbst, und wie gut ist das Nahrungsangebot”, sagt Kronberger. Erste Anzeichen deuten auf ein gutes Zugjahr hin. Bereits im Herbst seien viele Meisen unterwegs gewesen, auch Schwanzmeisen wurden häufig beobachtet. Nordische Wintergäste wie der Bergfink sind ebenfalls schon in Vorarlberg angekommen.

Gleichzeitig zeigt sich seit Beginn der Aktion ein klarer Trend: “Die Zahl der Vögel pro Garten – sowohl bei den Individuen als auch bei den Arten – nimmt langfristig ab. Es gibt zwar Schwankungen von Jahr zu Jahr, insgesamt sehen wir aber einen Rückgang”, so Kronberger.
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Gewinner und Verlierer
Nicht alle Arten sind gleichermaßen betroffen. Manche Vögel profitieren von Veränderungen. So haben sich etwa Mönchsgrasmücken oder Ringeltauben neue Lebensräume in Siedlungen erschlossen. “Die Ringeltaube war früher ein scheuer Waldvogel. Heute hat sie erkannt, dass es ihr in Wohngebieten gut geht”, erklärt die Expertin.

Andere Arten hingegen geraten zunehmend unter Druck. Vor allem Vögel offener Landschaften leiden unter dem Verlust geeigneter Lebensräume. Gartenrotschwanz oder andere Arten, die halboffene Strukturen wie Streuobstwiesen oder Magerwiesen benötigen, finden immer weniger Platz. “Die Intensivierung der Landwirtschaft ist hier ein wesentlicher Faktor”, sagt Kronberger. Besonders schwierig ist die Situation für Langstreckenzieher, die südlich der Sahara überwintern: Wegfallende Rastgebiete und der Rückgang von Insekten machen ihnen zu schaffen.
Was Gärten leisten können
Neben dem Klima spielt auch der Zustand der Gärten eine wichtige Rolle. “Nicht nur das Futterangebot zählt, sondern auch Verstecke und Unterschlupfmöglichkeiten”, betont Kronberger. Ausgeräumte Gärten bieten Vögeln wenig Schutz – auch vor Katzen. Beerensträucher, Hecken und strukturreiche Grünflächen seien daher besonders wertvoll. Für Insektenfresser wie das Rotkehlchen, das mit Samen wenig anfangen kann, sind naturnahe Gärten entscheidend.
Die “Stunde der Wintervögel” liefert damit nicht nur spannende Beobachtungen, sondern auch wichtige Hinweise darauf, wie sich die Vogelwelt verändert und was jeder Einzelne vor der eigenen Haustür zu ihrem Schutz beitragen kann.
Der Teilnahmefolder ist kostenfrei unter der Telefonnummer 01/522 22 28 zu bestellen oder online abzurufen unter www.birdlife.at/vogelschutz/citizen-science/stunde-der-wintervoegel
Erstmals gibt es auch einen Zeichenwettbewerb für Kinder: www.birdlife.at/stunde-der-wintervoegel-zeichenwettbewerb/
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