Jeder Elfte hat schweres Übergewicht

Stellungspflichtige: Seit Corona größere Probleme – und keine echte Entspannung in Sicht.
SCHWARZACH. 75,4 Kilogramm hat das durchschnittliche Körpergewicht bei Stellungspflichtigen aus Vorarlberg 2024 betragen; also bei jungen Männern aus dem Land. Das ist Daten zu entnehmen, die Statistik Austria gerade veröffentlicht hat und die erfreulicher wirken als sie sind: Es ist damit zwar erstmals geringfügig unter dem Niveau von 2020 geblieben, aber weiterhin über jenem von 2019 (73,9 kg). Außerdem hat sich der Anteil der jungen Männer, bei denen Adipositas (Fettleibigkeit) festgestellt wurde, auf einem relativ hohen Niveau gehalten. Jeder Elfte ist davon betroffen.
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Unbestritten ist, dass sich Gewichtsprobleme in der Pandemie ausgeweitet haben, wie Andreas Prenn, Leiter der Landesstelle für Gesundheitsförderung und Suchtprävention (SUPRO), bestätigt: „Das war definitiv auf zunehmende Belastungen zurückzuführen.“ Womit etwa psychische gemeint sind, die zum Beispiel in Lockdowns aufgekommen sind.
Eine Trendwende lässt auf sich warten: „Ich glaube nicht, dass die Stabilisierung auf hohem Niveau als Ausdruck eines veränderten, günstigeren Ernährungsverhaltens gewertet werden kann“, sagt Rainer Taferner. „Die große Mehrheit der Bevölkerung ernährt sich ungesund – mit einem großen Anteil hochverarbeiteter Industrienahrungsmittel“, so der Kinder- und Jugendarzt mit Ordination in Bregenz. Das ist ein wesentlicher Grund für Gewichtsprobleme.
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Daneben sieht Taferner zwei Gruppen: Jene, die sich an Schönheitsidealen orientieren, die Mädchen „zur extremen Kalorienreduktion und Burschen zum Muskelaufbau ins Fitnessstudio“ treiben würden. Der Haken: Bei ihnen sei das häufig nicht nachhaltig. Eher sei das bei der zweiten Gruppe der Fall, die sich nach Einschätzung des Mediziners vor allem aus Mitgliedern höherer Bildungsschichten zusammensetzt: Sie würden dazu tendieren, ihre Leitungsfähigkeit in allen Bereichen zu optimieren. Sie würden sich mit größerer Wahrscheinlichkeit wirklich anhaltend gesünder ernähren und so nicht so sehr Gefahr laufen, übergewichtig zu werden.

Harald Geiger vom Kinderärztezentrum Dornbirn sieht eine alarmierende Entwicklung: „In unserer spezialisierten Praxis beobachten wir zunehmend Jugendliche beiderlei Geschlechts mit signifikanter Übergewicht‑ bzw. Adipositas‑Problematik.“
Glücklicherweise könne man in ausgewählten Fällen medikamentöse Therapien einsetzen, deren Kosten von der Kasse übernommen werden. Prävention bleibe jedoch die wirksamste Strategie, so Geiger, der etwa fordert, energiereiche, nährstoffarme Produkte extra zu besteuern. Dadurch würden sie teurer werden und weniger konsumiert werden.

Erfreulicher als die Veränderung beim durchschnittlichen Körpergewicht von Stellungspflichtigen wirkt jene des Raucheranteils. Sie hat aber null Aussagekraft. Rauchte Anfang der 2000er gut jeder Zweite, so tat es zuletzt nicht einmal mehr jeder Siebente. „Wir haben es hier mit einem Umstieg zu tun“, erklärt Andreas Prenn: Viele Jugendliche würden nicht mehr zu Zigaretten, sondern zu Nikotinbeuteln greifen. Und für sie solle es erst 2028 ein Werbeverbot geben: „Das sind zwei verlorene Jahre, bis dahin wird die Industrie etwas Neues erfunden haben.“