Pflege ist jetzt Schwerarbeit: Die Anerkennung erfolgt allerdings nicht automatisch

Vorarlberg / 07.01.2026 • 14:52 Uhr
Auf die zu Hause betreuten vulnerablen Gruppen wird gut geschaut. apa
Von der Assistenz über die Fachbetreuung bis zum gehobenen Dienst: Alle Pflegeberufe werden nun als Schwerarbeit gewertet. APA

“Ein echter Gewinn”, sagt SeneCura-Zentralbetriebsratsvorsitzende Sabine Maier. Darauf müssen Betroffene achten.

Schwarzach, Feldkirch Seit dem 1. Jänner 2026 gelten alle Pflegeberufe offiziell als Schwerarbeit. Die Formel dafür lautet „60, 45, 120“, sprich: Pflegekräfte, die 45 Versicherungsjahre vorweisen können und in den letzten 20 Jahren mindestens 120 Monate Schwerarbeit verrichtet haben, können ab sofort mit 60 Jahren in Pension gehen. Sabine Maier (59), Zentralbetriebsratsvorsitzende der SeneCura in Vorarlberg und Tirol und Mitglied der Konzernvertretung, spricht von einem echten Gewinn.

Sabine Maier
Sabine Maier ist Zentralbetriebsratsvorsitzende der SeneCura in Vorarlberg und Tirol und Mitglied der Konzernvertretung. GPA

Die Anerkennung erfolgt allerdings nicht automatisch. Damit der frühere Pensionsantritt möglich wird, müssen Pflegekräfte selbst aktiv werden und einen Antrag bei der Pensionsversicherung stellen, erläutert die Arbeiterkammer (AK) Vorarlberg. Franz Beck, Leiter der dortigen Abteilung für Sozialrecht, empfiehlt auch all jenen, deren Antrag in der Vergangenheit abgelehnt wurde, ihre Ansprüche umgehend neu prüfen zu lassen. „Die neue Rechtslage umfasst nun die gesamte Pflege, frühere Ablehnungsgründe haben keine Relevanz mehr“, hält der Experte fest.

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„Die neue Rechtslage umfasst nun die gesamte Pflege”, unterstreicht Franz Beck, Leiter der Abteilung für Sozialrecht bei der AK Vorarlberg. AK

Bis dato war die Schwerarbeit in der Pflege vor allem auf Bereiche wie die Hospiz- und Palliativpflege begrenzt. Die neue Regelung sei ein Meilenstein für die Gerechtigkeit in der Pflege, sagt AK-Präsident Bernhard Heinzle. Sabine Maier ergänzt: „Sie ist wichtig für all jene, die schon lange in der Pflege arbeiten, und natürlich auch ein großer Anreiz, Quereinsteiger in die Pflege zu bringen. Wir verlieren die Mitarbeiter zwar früher, aber der Beruf wird attraktiver. Ich denke, es ist ein echter Gewinn.“ Auch Teilzeitkräfte würden davon profitieren, da die erforderliche Anzahl der monatlichen Schwerarbeitstage von 15 auf 12 reduziert wurde. „Kinderbetreuungszeiten und Arbeitslosenzeiten werden ebenfalls angerechnet“, unterstreicht die SeneCura-West-Zentralbetriebsratsvorsitzende.

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“Die Anerkennung der Pflege als Schwerarbeit war längst überfällig”, sagt AK-Präsident Bernhard Heinzle.

Um vorab festzustellen, ob ein erneuter Antrag aussichtsreich ist, rät die AK Vorarlberg Betroffenen, sich bei den hauseigenen Experten für Sozialrecht beraten zu lassen: „Die klären im Einzelfall ab, ob sich eine Antragstellung lohnt.“

Pflege-Schwerarbeit

Voraussetzungen, um mit 60 Jahren in Pension gehen zu können:

45 Versicherungsjahre im gesamten Arbeitsleben und

120 Monate (zehn Jahre) Schwerarbeit in den letzten 20 Jahren

Wichtig: Die Schwerarbeit wird nicht von selbst im Pensionskonto vermerkt. Ein Antrag bei der Pensionsversicherung ist erforderlich.

Alle, deren Antrag in der Vergangenheit abgelehnt wurde (weil sie zum Beispiel nicht im Hospiz gearbeitet haben), können die Anerkennung der Schwerarbeit neu beantragen. Die alten Ablehnungsgründe sind hinfällig.