Wetterfrust statt Weltelite: Dichter Nebel bremst Anflug der WEF-Teilnehmer aus

“Für uns ist das desaströs”: Am Flughafen Altenrhein konnten viele Privatjets am Montag nicht landen.
Altenrhein Thomas Krutzler (51) hat ein Déjà-vu. Es ist Montagvormittag. Heute beginnt in Davos die Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums (WEF, 19. bis 23. Jänner) und wie im vergangenen Jahr versinkt der Flughafen St. Gallen-Altenrhein (ACH) im Nebel.


Schätzungen zufolge reist jeder zehnte Teilnehmer des Treffens mit dem Privatjet an. Der Flughafen St. Gallen-Altenrhein ist der Flughafen, der dem Nobelort im Kanton Graubünden am nächsten liegt. Allein für Montag wären hier knapp 90 Ankünfte angemeldet gewesen. Wenn da der Nebel nicht wäre… “In den letzten Wochen war es schon sehr schwierig und jetzt ist es dummerweise in dieser Woche wieder so. Es wird zwar gegen Ende der Woche einen Wetterwechsel geben, aber ab wann der wirksam wird, steht in den Sternen”, sagt Thomas Krutzler, Geschäftsführer der People’s Air Group, die den Flughafen Altenrhein und die gleichnamige Fluglinie betreibt.

Der Flughafen ist am Montag zwar nicht gesperrt. Die Piloten können selbst entscheiden, ob sie landen. Die meisten verzichten wegen der schlechten Sicht darauf. Auch die People’s-Maschine ist am Morgen nach Memmingen ausgewichen. “Es ist von Operator zu Operator etwas unterschiedlich. Aber derzeit sind es knapp 150 Fuß (ca. 46 Meter), das ist schon sehr wenig”, merkt der People’s-Geschäftsführer an. Auch für die Bombardier Global 5000 mit der Kennung N404NA, die kurz nach 10 Uhr Kurs auf Altenrhein nimmt, bleibt es beim Versuch. Der Pilot bricht den Landeanflug ab. Wer im Flugzeug sitzt, ist nicht bekannt. Eigentümer der Maschine ist laut der US-Behörde Federal Aviation Administration der Treuhänder “TVPX ARS Inc. Trustee”, der sich darauf spezialisiert hat, die Identität der privaten Flugzeugeigentümer zu schützen.

Heuer werden in Davos knapp 3000 Teilnehmer erwartet. Neben 850 CEOs großer Unternehmen und Vertretern mächtiger Nichtregierungsorganisationen sollen auch über 60 Staats- und Regierungschefs an der WEF-Jahrestagung teilnehmen, darunter US-Präsident Donald Trump mit der größten US-Delegation, die das Treffen je gesehen hat, der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj, der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz, der Sondergesandte des russischen Präsidenten Wladimir Putin, Kirill Dmitrijew, der israelische Staatspräsident Izchak Herzog, der syrische Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa, EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, der argentinische Präsident Javier Milei und der österreichische Bundeskanzler Christian Stocker.


In der WEF-Woche gibt es am Flughafen in Altenrhein im Schnitt zwischen 200 und 250 zusätzliche Flugbewegungen. Das sind fünf bis sieben Prozent des Jahresumsatzes. “Für uns ist es von der kaufmännischen Betrachtung wieder einmal desaströs, aber natürlich auch für die Mitarbeiter. Alle warten darauf und sind hochmotiviert. Die Stammmannschaft ist da, sollte sich noch etwas tun, dann haben wir die Kollegen auf Abruf”, schildert Krutzler.


Auch für Planespotter (dt. Flugzeugbeobachter) wie Dieter Heidegger (53) und Gerhard Dobnik (53) aus Hohenems gibt es an diesem Montag im Flughafencafé nicht viel zu sehen. “Wir kommen regelmäßig her. Es ist eine spannende Zeit, wenn einmal im Jahr dieser kleine Flughafen so im Fokus steht. Du siehst immer tolle, große Maschinen”, sagt Dieter Heidegger. Laut Flightradar24 hätten in nächster Zeit vier oder fünf Flugzeuge landen sollen. “Jetzt sind sie halt am Kreisen”, merkt der Hohenemser an.

Dass viele Flugzeuge über dem Flughafen Altenrhein kreisen, hat laut Thomas Krutzler vor allem damit zu tun, dass die Organisation am Boden umgeplant werden muss. “Wenn der Pilot Altenrhein probiert und nachher nach Zürich oder Friedrichshafen fliegt, muss dort sichergestellt sein, dass der Gast abgeholt wird, und das dauert natürlich”, erläutert der Experte. Kurz nach 11 Uhr ist es dann doch noch so weit. Eine Gulfstream G450 mit der Kennung TC-CZD hat soeben auf der Landebahn aufgesetzt. “Es ist erste Maschine in dieser Größe heute”, stellt Thomas Krutzler erfreut fest.