“Unsere schlimmsten Befürchtungen wurden übertroffen”

Prominente Vorarlberger schlagen Alarm, weil wichtige Radweg-Projekte auf unbestimmte Zeit verschoben wurden.
Bregenz Die Vertreter der Initiative Pro Rad Vorarlberg treten jetzt auch verbal in die Pedale. “Die Radweg-Projekte werden auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben. Mit den derzeitigen Budgetmitteln ist eine Realisierung in den nächsten Jahren unmöglich”, befürchtet Veronika Rüdisser von der Radlobby Vorarlberg. Dieser Ansicht sind auch der Lustenauer Altbürgermeister Kurt Fischer, der ehemalige Gesundheitsminister Johannes Rauch, Pater Martin Werlen von der Propstei St. Gerold, Naturschutzbund-Obfrau Hildegard Breiner, Verkehrsexperte Harald Frey von der TU Wien, die Schriftsteller Monika Helfer und Michael Köhlmeier oder der Psychiater Albert Lingg, die die Petition “Radla, spära, husa” ebenfalls unterzeichnet haben.
Grund für den Ärger sind die von der Landesregierung beschlossenen Kürzungen des Radbudgets. Rüdisser rechnet vor: Die Budgetmittel für Gemeindeprojekte wurden gegenüber dem Vorjahr halbiert und gegenüber dem Jahr 2024 auf ein Drittel reduziert. “Unsere schlimmsten Befürchtungen wurden übertroffen.” Die Unterzeichner der Petition fordern, dass das Budget und das Personal für die Radinfrastruktur, die Radverkehrsplanung und die Radkultur erhalten und aufgestockt werden, die Mobilitätsstrategie 2030 verbindlich umgesetzt wird und die Gemeinden bei der Planung und Umsetzung von Radprojekten finanziell und personell unterstützt werden.

Für Veronika Rüdisser steht fest: Mit dem Sparzwang lassen sich diese radikalen Kürzungen nicht erklären. “Schließlich belegen zahlreiche Studien, dass Investitionen in aktive Mobilität die höchste Kosten-Nutzen-Effizienz aller Verkehrsmaßnahmen aufweisen. Wer sparen muss, prüft Kosten und Nutzen einer Investition unvoreingenommen und sehr genau. Das ist in Vorarlberg offenbar nicht der Fall. Wer mit wenig Geld viel bewegen will, muss in den Radverkehr investieren”, hält sie fest. Der langjährige Bürgermeister von Lustenau, Kurt Fischer, ergänzt: “Das Land verzichtet mutwillig auf Fördermittel des Bundes und bereits zugesagte Finanzierungen aus der Schweiz, während für Straßenprojekte Hunderte Millionen Euro zur Verfügung stehen. Das ist nicht nur verkehrspolitisch, sondern auch wirtschaftlicher Unfug.” Die Petition wurde im Oktober an Landtagspräsident Harald Sonderegger übergeben und am Mittwoch im Volkswirtschaftlichen Ausschuss des Landtags diskutiert.
Große Projekte
Von den Einsparungen betroffen sind unter anderem die Radbrücke Au–Lustenau, die trotz einer bestehenden Vereinbarung mit der Schweiz um zwei Jahre verschoben wird, das Projekt “Radfahren durchs Ried”, das beim Bund gänzlich neu eingereicht werden soll, die geplante Schnellverbindung Götzis–Rankweil/Klaus–Koblach inklusive Fahrradtunnel durch den Sattelberg und die Anbindung des Bregenzerwaldes an das Rheintal.
Pater Martin Werlen von der Propstei St. Gerold unterstreicht: “Diese Investitionen kommen der Gesundheit der Menschen und einer intakten Umwelt zugute. Das entspricht unserem Auftrag zur ‚Sorge für das gemeinsame Haus‘, den Papst Franziskus formuliert hat. So wie mich die wichtige Verbesserung der Busanbindung ins Große Walsertal freut, hoffe ich auf entsprechende Erfolgsgeschichten bei den Radwegen in Vorarlberg.”
Unterstützer der Petition
• Eva Häfele, Gründungsmitglied Radlobby Vorarlberg
• Kurt Fischer, Altbürgermeister und Alltagsradler
• Johannes Rauch, Bundesminister a. D.
• Veronika Rüdisser, Vorstandsmitglied Radlobby Vorarlberg
• Pater Martin Werlen OSB, Propstei St. Gerold
• Hildegard Breiner, Naturschutzbund, Bregenz
• Harald Frey, Sr Scientist/Institut für Verkehrsplanung TU, AR ASFINAG, Wien
• Monika Helfer, Schriftstellerin
• Verena Jakoubek-Konrad, Direktorin und Geschäftsführerin VAI
• Michael Köhlmeier, Schriftsteller
• Albert Lingg, Psychiater, Lustenau
• Eva Lingg-Grabher, Planerin und Sozialraumforscherin, Lustenau
• Hanno Loewy, Direktor des Jüdischen Museums, Hohenems
• Peter Melichar, Historiker, Lustenau
• Hannah-Lina Metzler, Pädagogin
• Christian Pauger, Ex-Rennradprofi und Radhändler
• Meinrad Pichler, Historiker