“Die schlauen Schüler meinen, sie müssen mitmachen und alle sind genervt”

Vorarlberg / 22.01.2026 • 16:19 Uhr
"Die schlauen Schüler meinen, sie müssen mitmachen und alle sind genervt"
Jugendliche werden auf TikTok dazu aufgerufen, Schultoiletten zu zerstören oder zu verdrecken und die Aktion dann online zu teilen.

WC-Randale an Vorarlberger Schulen. Hilft ein Handyverbot gegen den Zerstörungswahn?

Dornbirn Stilles Örtchen? Von wegen. Bei der sogenannten “Devious Lick Challenge” bzw. “Washroom Challenge” werden Jugendliche auf TikTok dazu aufgerufen, Schultoiletten zu zerstören oder zu verdrecken und die Aktion dann online zu teilen. Auch die Verantwortlichen an den Vorarlberger Schulen bekommen die Zerstörungswut immer wieder zu spüren. Die Schäden sind teilweise enorm. An der HAK Bludenz gibt es deshalb seit vergangener Woche nur noch in den Toiletten im Erdgeschoss Klopapier. Davor wurden über Wochen Klobrillen abgerissen, WCs mit Papier verstopft und Waschbecken oder Handtuchhalter zerstört. Das Problem ist nicht neu. Die Vorarlberger Bildungsdirektion hat bereits Anfang November die Schulen dazu aufgerufen, “Auffälligkeiten im Schulhaus (insbesondere in Sanitärbereichen) zu beobachten und ggf. die Schulteams vorsorglich auf diese Problematik aufmerksam zu machen. Ziel ist es, mögliche Nachahmungen frühzeitig zu verhindern”.

"Die schlauen Schüler meinen, sie müssen mitmachen und alle sind genervt"
Reinhard Sepp ist Direktor am BRG/BORG Schoren. VN/Hartinger

Reinhard Sepp, Direktor am BRG/BORG Schoren in Dornbirn, kennt das Phänomen schon länger. “Diese Videos hat es schon vor zwei oder drei Jahren gegeben. Im Moment ist mir bei uns nichts bekannt, aber das hatten wir auch schon”, sagt er. Nicht nur einmal wurden am Gymnasium Schoren WCs mit Klorollen verstopft und zum Überlaufen gebracht oder nasses Klopapier an die Wand geworfen. Eine Tür wurde ausgehängt und über die Trennwände gelegt. “Die schlauen Schüler meinen, sie müssen da jetzt auch mitmachen und alle sind genervt – auch die anderen Schüler, weil die verwüsteten Klos natürlich nicht mehr zur Verfügung stehen und sie in einen anderen Stock gehen müssen, um aufs Klo zu gehen”, berichtet der Direktor von seinen Erfahrungen. Als Maßnahme wurden zeitweise keine Reserve-Klorollen mehr zur Verfügung gestellt. Ob es etwas gebracht hat? Unklar.

Drohung MS Mittelweiherburg - Schriftzug "Amoklauf 20.03." am Mädchentoilette
“Seit ich denken kann, werden immer wieder einmal Klos verstopft”, berichtet Christian Höpperger, Direktor der Mittelschule Hard-Mittelweiherburg. VOL.at/Mayer

Auch andere Schulen berichten von Randalen auf den WCs. Christian Höpperger, Direktor der Mittelschule Hard-Mittelweiherburg, hat den Trend an seiner Schule bislang noch nicht ausgemacht. “Ich habe schon viel Blödsinn über TikTok gehört, aber diese Toilettenverstopfungen sind ein Trend, den es schon vor der Erfindung des Handys gegeben hat. Seit ich denken kann, werden immer wieder einmal Klos verstopft, Fäkalien an Spiegel geschmiert oder daneben gepinkelt. Das Verborgene ist immer eine interessante Spielwiese zum Ausleben verschiedenster Neigungen”, stellt er fest.

Sportmittelschule Wolfurt
Dieter Losert leitet die Mittelschule Wolfurt. VOL.at

Wer auf TikTok nach bestimmten Challenges sucht, wird gewarnt. “Deine Sicherheit ist wichtig. Einige Online-Challenges können gefährlich, verstörend oder sogar inszeniert sein. Informiere dich darüber, wie du gefährliche Challenges erkennst, damit du deine Gesundheit und dein Wohlbefinden schützen kannst”, ist dann auf weißem Hintergrund zu lesen. Dieter Losert, Direktor an der Mittelschule Wolfurt, hat eine mögliche Erklärung, wieso es an seiner Schule noch zu keinen Vandalenakten auf den Toiletten gekommen ist. “Wir haben seit eineinhalb Jahren ein krasses Handyverbot an den Schulen, das wir rigoros handhaben. Vielleicht liegt es daran”, gibt er zu bedenken.