Bereinigung von Sündenfall “Alpenrose”: Jetzt wird Widmungs-Deal vergoldet

Vorarlberg / 23.01.2026 • 07:00 Uhr
Bereinigung von Sündenfall "Alpenrose": Jetzt wird Widmungs-Deal vergoldet
Millionenschweres Tauschgeschäft: Alpenrose-Eigentümer mit Bauunternehmer Richard Hinteregger (kl. Bild) haben auf Ferienwohnungswidmungen im Hotel verzichtet, dürfen dafür Appartements mit entsprechender Widmung in der unmittelbaren Nähe bauen. VN/Steurer, Handout: Hinteregger Bau, Engel & Völkers

In Zürs entstehen neue Ferienwohnungen mit Zweitwohnsitz-Widmung. Ein Luxus-Makler bietet die edlen Unterkünfte für gesamt 42 Millionen Euro an. Dem vorausgegangen war ein “bemerkenswerter” Widmungs-Deal, eine Art “Lecher Sonderweg”.

Lech, Zürs Die Arbeiten laufen längst auf Hochtouren. Der Rohbau: so gut wie fertig. Schon bald soll ein mondänes Bauwerk das zuletzt eher schmucklose Hotel Guggis am Ortsanfang von Zürs ersetzen. Zwischen “majestätischen Arlberg-Gipfeln” eröffne sich für Käufer die einmalige Chance auf eine Luxus-Eigentumswohnung mit Zweitwohnsitz-Widmung, verspricht der Edelmakler Engel & Völkers. Die Betonung liegt dabei auf “Zweitwohnsitz-Widmung”. Solche gibt es im Nobel-Skiort am Arlberg seit gut 10 Jahren keine mehr. Bis jetzt. Für einen “bemerkenswerten” Widmungs-Deal fand sich eine Art “Lecher Weg”. Ganz im Sinne der Gemeinde befinden praktisch alle im Ort. Jedenfalls zum finanziellen Wohl der Eigentümer.

Hotel Guggis Zürs Appartement-Projekt
Der Rohbau des “The Mountain Whisper” (übersetzt: das Berggeflüster) steht. Die Appartements sollen für gesamt 42 Millionen Euro verkauft werden. VN/Köchle

Es geht um die Bereinigung eines Sündenfalls aus den 1990er-Jahren, der mit dem Bau der Alpenrose als Investorenmodell geschaffen war. Hinter der markanten Fassade befanden sich seither 5000 Quadratmeter gewidmete Ferienwohnungen. Das Haus selbst wurde unabhängig davon schon länger als Hotel geführt. Das ist mittlerweile auch langfristig gesichert. Eigentümer und Gemeinde haben sich auf einen Deal geeinigt, der auf einem Gegengeschäft basiert: 20-Jahre-Hotelgarantie plus Verzicht auf bestehende Widmungen im Gebäude im Tausch gegen 2500 Quadratmeter neuer Ferienwohnungswidmungen in unmittelbarer Nähe. Die Abmachung ist längst besiegelt, die Bagger schon aufgefahren. Fragen sind geblieben.

hotel robinson club alpenrose
Hinter der Hotelfassade gab es 5000 Quadratmeter Ferienwohnungswidmung. Gemeinde und Eigentümer haben sich auf eine gemeinsame Lösung geeinigt.

Die Gesetzgebung sieht nicht vor, dass eine Ferienwohnungswidmung so einfach auf ein anderes Objekt oder Grundstück übertragen werden kann. Wo ein Wille, da ein “Lecher Weg”: Wird das Unterfangen in zwei Vorgänge (Anm.: Entfernung einer Widmung, Neuwidmung an anderer Stelle) aufgeteilt, ist es rechtlich keine Übertragung mehr. Auch wenn dadurch der Eindruck des reinen Verschiebens einer Widmung entstehen könnte, wie das Land auf VN-Anfrage einräumt. Fest steht jedenfalls: Mit dieser Vorgehensweise ist ein Präzedenzfall geschaffen. Dass sich so etwas bald wiederholen wird, glaubt der Lecher Bürgermeister Gerhard Lucian dennoch nicht. “Wir haben bisher jedenfalls keine Anträge oder Anfragen bekommen.”

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Dabei ist der Deal für die Alpenrose-Eigentümer millionenschwer. Aus dem “Guggis” wird “The Mountain Whisper”, ein Luxus-Appartementhaus. Zwei Wohnungen mit 130 Quadratmetern im Erdgeschoss, sechs Einheiten mit je gut 170 Quadratmetern in den drei Obergeschossen. Allesamt sind vornehmst ausgestattet, verfügen über mehrere Schlafzimmer, Bäder, Panoramakamin und “Sanarium”. So steht es in einem den VN vorliegenden Werbeprospekt. Dort werden auch Preise genannt. 3,9 Millionen Euro sind für die “kleinen” Wohnungen ausgerufen, stolze 5,7 Millionen Euro für die großen Appartements. Bei Verkaufserfolg summieren sich für die Eigentümer, eine Gesellschaft um den Bregenzer Bauunternehmer Richard Hinteregger und den Steuer- und Finanzexperten Eduard Tschofen, rund 42 Millionen Euro.

Bereinigung von Sündenfall "Alpenrose": Jetzt wird Widmungs-Deal vergoldet
Bürgermeister Gerhard Lucian über ein zweites, geplantes Appartementgebäude: “Die Vorbesprechungen waren sehr positiv. Wir sind in einem guten Konsens.” VN/Steurer

Und das ist erst der Anfang. Der Zürser Widmungs-Deal mit attraktivem Tauschgeschäft soll weiter vergoldet werden. Pläne dazu sehen ein zusätzliches Gebäude auf dem Boden der Alpenrose in Richtung Hasenfluh vor. Das Vorhaben ist konkret, ein Bauantrag steht noch aus. “Die Vorbesprechungen waren sehr positiv. Wir sind in einem guten Konsens”, sagt Bürgermeister Lucian. Eckdaten sind auch schon bekannt. Erdgeschoss plus fünf Stockwerke: Nach Abzug der Ferienwohnungsflächen des “The Mountain Whisper” bleiben für das zweite Appartementhaus noch einmal rund 1220 Quadratmeter. Platz also für zumindest weitere 8 Wohneinheiten und Verkaufserlöse im Bereich von 40 Millionen Euro.

Die Bereinigung der Widmungssünde scheint sich für die Alpenrose-Eigentümer mehr als nur zu rechnen. Man genießt und schweigt: Eine VN-Anfrage zu den Projekten blieb jedenfalls unbeantwortet.