“Sie ist alles für mich”: Amrei und Peter Rohrer feiern am Valentinstag 60 Jahre Ehe – das ist ihr Geheimnis

Amrei (81) und Peter (83) Rohrer aus Bludesch feiern am Valentinstag ihre diamantene Hochzeit. Seit 60 Jahren sind sie ein Paar – im Alltag, im Geschäft und auf dem Tanzparkett. Die VN haben nachgefragt, was das Geheimnis ihrer langen Ehe ist.
Bludesch Im Wohnzimmer der Rohrers in Bludesch läuft Musik, und schon stehen sie auf. Mit einem Lächeln, das mehr sagt als tausend Worte, nimmt Peter (83) seine Frau Amrei (81) bei der Hand. Ein paar Schritte, ein Schwung, ein Wiegeschritt. “Rote Lippen soll man küssen” schallt aus dem Lautsprecher. Die beiden drehen sich, als hätten sie gerade den Tanzkurs abgeschlossen. Tatsächlich tanzen sie aber seit Jahrzehnten miteinander durchs Leben.
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Am Samstag ist Valentinstag, und für das Ehepaar Rohrer ist dies ein ganz besonderer. Denn sie feiern an diesem Tag ihre diamantene Hochzeit: 60 gemeinsame Ehejahre ist ein Jubiläum, das nur wenige Paare erreichen.
Unzerstörbar wie ein Diamant
Die diamantene Hochzeit steht für eine Verbindung, die wie der Edelstein selbst unter Druck entsteht und über die Jahre nur noch kostbarer wird. Eine Seltenheit in Zeiten, in denen jede zweite Ehe geschieden wird – und ein guter Anlass, um zu fragen: Was hält ein Paar so lange zusammen?

Toleranz und Liebe
Für die Antwort müssten die beiden nicht lange nachdenken: “Liebe”, sagt Amrei sofort. Peter nickt. “Und Toleranz.” Man müsse einander Freiräume lassen, verraten sie, eigene Wege haben und sich trotzdem immer wieder begegnen.

“Wenn man nur immer aufeinander sitzt, hat man sich nichts mehr zu erzählen”, sagt Amrei. Sie geht zu ihrem Stammtisch, engagiert sich im Kirchenchor, er kommt von seinen Terminen zurück und am Abend tauschen sie sich aus. “Wir haben immer ein Gesprächsthema.”

Kennengelernt haben sich die beiden 1965 in Feldkirch. Amrei war Friseurin, Peter kam als Modell mit einem Freund in den Salon. “Ich habe ihm die Haare geschnitten und danach hat er gefragt, ob ich mit ihm tanzen gehe”, erinnert sich Amrei. Es war der Anfang ihrer großen Liebe.
Schon ein paar Monate später heirateten sie. Valentinstag? “Das war damals kein Thema.” Ihre heute erwachsenen Kinder – Mona (59) und Bernd (56) – machten das Familienglück perfekt.
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Gemeinsam durch Alltag und Arbeit
“Das gemeinsame Tun hat uns immer verbunden”, sagt Amrei. Viele Jahre arbeiteten sie gemeinsam in der Fahrradhandlung und Reparaturwerkstätte Zweirad Rohrer in Rankweil, die ursprünglich Peters Vater Johann vor fast 100 Jahren gegründet hatte. “Wir waren den ganzen Tag beieinander, haben zusammengearbeitet und waren für die Kunden und unsere tolle Familie da”, erzählt Amrei.


Was sie aneinander besonders schätzen? “Peter ist großzügig, familienfreundlich und er macht vieles im Haushalt. Er putzt seine Schuhe selbst, räumt den Kleiderschrank um, wechselt Glühbirnen und putzt sogar Fenster, wenn ich es nicht kann”, sagt Amrei. Peter sieht sie an, zieht die Schultern leicht hoch und meint schlicht: “Sie ist einfach alles für mich.”

Fasching, Fahrräder und Familie
Neben Beruf und Familie hatten die beiden ein bewegtes Leben. Peter war Eishockey-Schiedsrichter in der österreichischen Bundesliga, Kommentator bei Radrennen, Moderator bei Faschingsumzügen und Restaurator historischer Fahrräder. “Wenn irgendwo in Österreich Theater mit Schiedsrichtern war, hieß es: Schickt den Rohrer aus Vorarlberg, dann ist Ruhe”, erzählt er mit einem Augenzwinkern. Auch der Fasching war stets ein großes Thema: Für die Kinder schweißte er Tandems und lustige Gefährte, mit denen sie beim Umzug mitfahren konnten. “Wir sind damit aufgewachsen”, erinnert sich Tochter Mona.

Das Radfahren spielte im Leben der beiden eine große Rolle. Nicht nur bei der Arbeit, sondern auch bei diversen Nostalgie-Ausfahrten. Und heute noch zieht es den passionierten Sammler von Antiquitätenrädern immer wieder in das Geschäft des Sohnes nach Rankweil.

Kleine Feiern, große Gesten
Große Feiern zum Valentinstag oder Hochzeitstag liegen Peter nicht. “Er feiert nicht mal gern seinen Geburtstag”, sagt Amrei augenzwinkernd. Tochter Mona bringt wie jedes Jahr Kuchen. Und heuer fällt der Tag auf das Musikantentreffen – mit hoher Wahrscheinlichkeit also inklusive Tanz.
Scheidungen und Langzeitehen
In Vorarlberg gab es laut Statisik Austria 2024 2207 Eheschließungen, darunter 26 gleichgeschlechtliche.
Vorarlberg verzeichnete 2024 mit 39,8 % eine der höchsten Scheidungsraten in Österreich, wobei im Schnitt vier von zehn Ehen geschieden werden. Es gab 2024 etwa 734 Scheidungen.
Österreich verzeichnete in den letzten zwei Jahrzehnten einen klaren Rückgang der jährlichen Scheidungszahlen: von 19.453 rechtskräftigen Ehescheidungen im Jahr 2005 auf 14.963 im Jahr 2024 (−23,1 %).
Langzeitehen bleiben relevant – auch im Scheidungsgeschehen: Laut “Österreichischem Zahlenspiegel” erfolgte 2023 etwa jede achte Ehescheidung (12,8 %) nach der Silberhochzeit (≥ 25 Jahre); zudem werden 56 Scheidungen nach ≥ 50 Ehejahren genannt. Das sind seltene, aber gesellschaftlich bemerkenswerte “Spätscheidungen”.