Bereits über 20.000 beziehen Pflegegeld im Land

Vorarlberg: Stark steigende Tendenz wird sich laut WIFO in den nächsten Jahren fortsetzen.
SCHWARZACH. Der langjährige SPÖ-Politiker Manfred Lackner ist 79, aber nicht im Ruhestand: Als Chef des Pensionistenverbandes hilft er älteren Menschen, sich beim Pflegegeld durchzusetzen. Probleme würden zunehmen, berichtet er. Bei einer Bludenzerin habe die Versicherung ein Gutachten nicht akzeptieren wollen, wonach sie an Demenz leide; und das, obwohl es von der Uni Innsbruck gekommen sei. Ein Mann mit einer Augenerkrankung wiederum habe Pflegestufe 3 statt 1 erstreiten müssen. Lackner könnte noch viele weitere Beispiele nennen.

Das hat auch damit zu tun, dass Pflegebedürftigkeit in Vorarlberg rasant zunimmt: Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Pflegegeld-Bezieherinnen und -Bezieher erstmals auf mehr als 20.000 gestiegen. Genauer: um 519 auf 20.007, wie Daten der Statistik Austria zu entnehmen ist. Das entspricht rund fünf Prozent der Bevölkerung.
Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Sonstige angezeigt.
Tendenz: Weiter stark steigend. Ulrike Famira-Mühlberger vom Wirtschaftsforschungsinstitut WIFO berichtet, dass für Vorarlberg von einem Anstieg um ein Fünftel in den kommenden zehn Jahren auszugehen sei. Das wären dann rund 24.000 Betroffene.
„Jetzt läuft die Entwicklung, die schon lange erwartet worden ist“, sagt Diana Brodda, Leiterin des Kompetenzfeldes Gesundheits- und Krankenpflege an der FH Vorarlberg: „Die geburtenstarken Jahrgänge der Baby-Boomer werden 70, 75 und kommen damit in das Alter, in dem die Wahrscheinlichkeit für Pflegebedürftigkeit steigt.“

Das sei „die Realität“. Es gelte, ihr gerecht zu werden, so Brodda. Gedreht werden müsse an „tausend Stellschrauben“: Nicht nur, dass es immer mehr Pflegebedürftige gebe, die Verläufe würden auch immer komplexer werden: „Früher hatte man vielleicht Diabetes. Heute kommt zusätzlich noch eine Demenz oder ein Bluthochdruck dazu und dann vielleicht noch eine Wunde, die versorgt werden muss.“ Außerdem gebe es immer weniger Angehörige, die pflegen können oder könnten. Auch sie werden älter.
Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Sonstige angezeigt.
Umso wichtiger sei es, Familien mit pflegebedürftigen Mitgliedern zu entlasten, betont Brodda: „Sie decken den größten Teil der Leistungen ab, sind aber gleichzeitig durch die Zunahme der Komplexität gezwungen, immer mehr auf Unterstützungssysteme wie Mobile Hilfe, Krankenpflegevereine und 24-Stunden-Betreuung zurückzugreifen.“
Dafür braucht es Geld, das bei Bund, Ländern und Gemeinden schon heute knapp ist, und dafür braucht es zudem Leute: „Wir sind ein Mangelberuf und müssen versuchen, viele Menschen für den Pflegeberuf zu gewinnen.“, erklärt Arno Geiger, Leiter des Bachelor-Studiengangs Gesundheits- und Krankenpflege an der Fachhochschule, wo künftige Fachkräfte ausgebildet werden.

Daneben sei es wichtig, mehr für die Prävention zu tun und zum Beispiel verstärkt auf „Community Nurses“ (wörtlich übersetzt: Gemeindeschwestern) zu setzen, die frühzeitig sehen „wenn jemand Gefahr läuft, gebrechlich zu werden oder zu vereinsamen“, so Geiger: „Heute kommt es oft vor, dass jemand schwächer und schwächer wird, irgendwann stürzt, ins Spital kommt und ein Pflegefall bleibt.“
Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Sonstige angezeigt.
Lackner berät Pflegebedürftige indes weiter. Zumal es einen Unterschied mache, wie man eingestuft werde, wie er betont: In Pflegestufe 3 zum Beispiel ist das zugesprochen Geld mit 592,60 Euro pro Monat fast drei Mal höher als in Pflegestufe 1 (206,20 Euro). Andererseits wird bei ihr auch ungleich größerer Pflegebedarf vorausgesetzt. Bei Pflegestufe 7 (2214,80 Euro) ist er so hoch, dass relativ wenige dazu kommen: Um 255 von insgesamt haben 20.007 Männern und Frauen handelte es ich im vergangenen Jahr in Vorarlberg. Bei ihnen wurde vorausgesetzt, dass praktisch immer jemand da sein muss und sie Arme und Beine nicht mehr zielgerichtet bewegen können.