Funkenhexe sorgt weiter für Zündstoff: Das sagt die UNESCO

Vorarlberg / 16.02.2026 • 17:20 Uhr
Funkenhexe sorgt weiter für Zündstoff: Das sagt die UNESCO
Über 100 Funken brennen am kommenden Wochenende in ganz Vorarlberg. Die Funkenhexe gehört bei den meisten Zünften noch dazu. VN

Im Vorfeld des Funkensonntags rückt erneut die Diskussion in den Vordergrund, ob das Verbrennen einer meist weiblich dargestellten Figur noch zeitgemäß ist. Nun hat auch die Österreichische UNESCO-Kommission die Praxis als problematisch eingeordnet.

Darum geht’s:

  • Funkenhexe wegen problematischer Symbolwirkung entfacht weiter Diskussionen.
  • Österreichische UNESCO-Kommission lehnt sofortige Aberkennung des Kulturerbe-Status ab.
  • Gesprächsprozess und erneute Prüfung des Brauchs für 2026 geplant.

Schwarzach Wenn am kommenden Wochenende die Funken entzündet werden, lodern in ganz Vorarlberg wieder meterhohe Holztürme in den Himmel. Der Funkensonntag markiert traditionell das Ende der Fasnacht. Seit 2010 stehen der Funkensonntag und der Funken selbst im nationalen Verzeichnis des immateriellen UNESCO-Kulturerbes. Doch ein Element des Brauchtums sorgt weiterhin für Diskussionen: die Funkenhexe.

Funkenhexe sorgt weiter für Zündstoff: Das sagt die UNESCO
Kritikern ist die Funkenhexe kein unverzichtbares Brauchtumselement, sondern ein historisch später Zusatz mit problematischer Symbolik. VN

90 Prozent der Vorarlberger Funken verbrennen nach Angaben des Frauenmuseums Hittisau eine Funkenhexe. 2024 wurde – initiiert von Brigitta Soraperra und unterstützt von mehr als 300 Unterzeichnenden – bei der Österreichischen UNESCO-Kommission eine Überprüfung des Kulturerbe-Status beantragt.

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Die Reaktion fiel differenziert aus. Zwar teilt die Österreichische UNESCO-Kommission die Kritik an der Verbrennung von Menschendarstellungen – insbesondere von weiblich konnotierten Figuren – ausdrücklich und bezeichnete deren Symbolwirkung als “überaus problematisch.” Eine sofortige Aberkennung des Status als Kulturerbe empfahl der zuständige Fachbeirat jedoch nicht. Stattdessen wurde ein strukturierter Dialogprozess im September 2025 in Dornbirn, bei dem Vertreter der Funkenzünfte mit kritischen Stimmen aus der Zivilgesellschaft diskutierten, angestoßen. Mehrere Zünfte signalisierten Bereitschaft zur Reflexion, für 2026 ist eine erneute Prüfung angekündigt.

Funkenobfrau angelika spiegel
Der Funkensonntag hat sich im Lauf der Geschichte immer wieder stark verändert. Die Hexenfigur wurde laut Historiker Tschaikner erst im 19. Jahrhundert eingeführt. VN

Immaterielles Kulturerbe sei kein statisches Relikt, sondern “dynamisches Erbe”, das sich in Aushandlungsprozessen zwischen Tradition und gesellschaftlichem Wandel weiterentwickle, heißt es seitens der Kommission. Praktiken müssten sich immer wieder daran messen lassen, ob sie zeitgemäß seien und den Grundsätzen der UNESCO entsprächen.

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Dieses Jahr fällt das feurige Wochenende auf den 21. und 22. Februar und zieht zahlreiche Schaulustige an.VN

Historisch kein Ursprungselement

Für das Frauenmuseum Hittisau ist die Debatte überfällig. Der Funkenbrauch dürfe nicht zum Symbol für eine Traditionspflege werden, die gesellschaftliche Entwicklungen ignoriert, betont Aktivistin und Kulturarbeiterin Brigitta Soraperra: “Wenn die Sensibilität in der Bevölkerung sich verändert, braucht es Wandel und klare Signale, dass Diskriminierung kein folkloristisches Detail ist.”

Funkenhexe sorgt weiter für Zündstoff: Das sagt die UNESCO
2024 hat das Frauenmuseum Hittisau auf Initiative von Brigitta Soraperra bei der Österreichischen UNESCO-Kommission eine Überprüfung des Kulturerbe-Status des Funkensonntags beantragt.Laurenz Feinig

Unterstützung kommt von Stefania Pitscheider Soraperra, Direktorin des Frauenmuseums: “Die Diskussion um die Funkenhexe ist kein Kulturkrieg, sondern eine Chance zur Weiterentwicklung. Wenn wir Brauchtum ernst nehmen, nehmen wir auch seine Wirkung ernst – auf alle, die daran teilhaben.” Ein lebendiger Brauch dürfe und müsse sich verändern, wenn er Menschen ausschließt oder verletzt.

Funkenhexe sorgt weiter für Zündstoff: Das sagt die UNESCO
Stefania Pitscheider Soraperra, Direktorin des Frauenmuseums: “Die Diskussion um die Funkenhexe ist kein Kulturkrieg, sondern eine Chance zur Weiterentwicklung.”

Unterschiedliche Wege in den Gemeinden

Historisch betrachtet ist die Hexe kein ursprünglicher Bestandteil des Funkenbrauchs. Der Vorarlberger Historiker Manfred Tschaikner, Experte für die Geschichte der Hexenverfolgung und des Funkenbrauchs, verweist darauf, dass sie erst im späten 19. Jahrhundert als publikumswirksames Spektakel eingeführt wurde. Der eigentliche Kern des Funken liege im Symbol des Neubeginns: Das Feuer markiere den Abschied vom Winter und den Übergang in die kommende Vegetationsperiode.

Einige Funkenzünfte setzen inzwischen auf geschlechtsneutrale Figuren oder verzichten ganz auf eine Puppe. In Bludenz etwa wird seit über 20 Jahren auf die Funkenhexe verzichtet. Auslöser war, wie auf der Homepage zu lesen ist, die Frage eines Mädchens an den damaligen Zunftmeister, warum auf dem Funken eine Hexe sitzen müsse. Diese Nachfrage habe zu intensiver Auseinandersetzung mit der Geschichte des Brauchs geführt. Man sei dabei zum Schluss gekommen, dass Funkenfeuer und Hexenverbrennung historisch nichts miteinander zu tun hätten. Seither steht in Bludenz keine Hexe mehr auf dem Funken, sondern eine neutrale Figur. Was sie verkörpert, bleibe bewusst offen.

Die Funkentermine 2026 in Vorarlberg im Überblick: www.vol.at/funken-in-vorarlberg-die-termine-2026/9873545

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