Funkenhexe sorgt weiter für Zündstoff: Das sagt die UNESCO

Im Vorfeld des Funkensonntags rückt erneut die Diskussion in den Vordergrund, ob das Verbrennen einer meist weiblich dargestellten Figur noch zeitgemäß ist. Nun hat auch die Österreichische UNESCO-Kommission die Praxis als problematisch eingeordnet.
Darum geht’s:
- Funkenhexe wegen problematischer Symbolwirkung entfacht weiter Diskussionen.
- Österreichische UNESCO-Kommission lehnt sofortige Aberkennung des Kulturerbe-Status ab.
- Gesprächsprozess und erneute Prüfung des Brauchs für 2026 geplant.
Schwarzach Wenn am kommenden Wochenende die Funken entzündet werden, lodern in ganz Vorarlberg wieder meterhohe Holztürme in den Himmel. Der Funkensonntag markiert traditionell das Ende der Fasnacht. Seit 2010 stehen der Funkensonntag und der Funken selbst im nationalen Verzeichnis des immateriellen UNESCO-Kulturerbes. Doch ein Element des Brauchtums sorgt weiterhin für Diskussionen: die Funkenhexe.

90 Prozent der Vorarlberger Funken verbrennen nach Angaben des Frauenmuseums Hittisau eine Funkenhexe. 2024 wurde – initiiert von Brigitta Soraperra und unterstützt von mehr als 300 Unterzeichnenden – bei der Österreichischen UNESCO-Kommission eine Überprüfung des Kulturerbe-Status beantragt.
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Die Reaktion fiel differenziert aus. Zwar teilt die Österreichische UNESCO-Kommission die Kritik an der Verbrennung von Menschendarstellungen – insbesondere von weiblich konnotierten Figuren – ausdrücklich und bezeichnete deren Symbolwirkung als “überaus problematisch.” Eine sofortige Aberkennung des Status als Kulturerbe empfahl der zuständige Fachbeirat jedoch nicht. Stattdessen wurde ein strukturierter Dialogprozess im September 2025 in Dornbirn, bei dem Vertreter der Funkenzünfte mit kritischen Stimmen aus der Zivilgesellschaft diskutierten, angestoßen. Mehrere Zünfte signalisierten Bereitschaft zur Reflexion, für 2026 ist eine erneute Prüfung angekündigt.

Immaterielles Kulturerbe sei kein statisches Relikt, sondern “dynamisches Erbe”, das sich in Aushandlungsprozessen zwischen Tradition und gesellschaftlichem Wandel weiterentwickle, heißt es seitens der Kommission. Praktiken müssten sich immer wieder daran messen lassen, ob sie zeitgemäß seien und den Grundsätzen der UNESCO entsprächen.

Historisch kein Ursprungselement
Für das Frauenmuseum Hittisau ist die Debatte überfällig. Der Funkenbrauch dürfe nicht zum Symbol für eine Traditionspflege werden, die gesellschaftliche Entwicklungen ignoriert, betont Aktivistin und Kulturarbeiterin Brigitta Soraperra: “Wenn die Sensibilität in der Bevölkerung sich verändert, braucht es Wandel und klare Signale, dass Diskriminierung kein folkloristisches Detail ist.”

Unterstützung kommt von Stefania Pitscheider Soraperra, Direktorin des Frauenmuseums: “Die Diskussion um die Funkenhexe ist kein Kulturkrieg, sondern eine Chance zur Weiterentwicklung. Wenn wir Brauchtum ernst nehmen, nehmen wir auch seine Wirkung ernst – auf alle, die daran teilhaben.” Ein lebendiger Brauch dürfe und müsse sich verändern, wenn er Menschen ausschließt oder verletzt.

Unterschiedliche Wege in den Gemeinden
Historisch betrachtet ist die Hexe kein ursprünglicher Bestandteil des Funkenbrauchs. Der Vorarlberger Historiker Manfred Tschaikner, Experte für die Geschichte der Hexenverfolgung und des Funkenbrauchs, verweist darauf, dass sie erst im späten 19. Jahrhundert als publikumswirksames Spektakel eingeführt wurde. Der eigentliche Kern des Funken liege im Symbol des Neubeginns: Das Feuer markiere den Abschied vom Winter und den Übergang in die kommende Vegetationsperiode.
Einige Funkenzünfte setzen inzwischen auf geschlechtsneutrale Figuren oder verzichten ganz auf eine Puppe. In Bludenz etwa wird seit über 20 Jahren auf die Funkenhexe verzichtet. Auslöser war, wie auf der Homepage zu lesen ist, die Frage eines Mädchens an den damaligen Zunftmeister, warum auf dem Funken eine Hexe sitzen müsse. Diese Nachfrage habe zu intensiver Auseinandersetzung mit der Geschichte des Brauchs geführt. Man sei dabei zum Schluss gekommen, dass Funkenfeuer und Hexenverbrennung historisch nichts miteinander zu tun hätten. Seither steht in Bludenz keine Hexe mehr auf dem Funken, sondern eine neutrale Figur. Was sie verkörpert, bleibe bewusst offen.
Die Funkentermine 2026 in Vorarlberg im Überblick: www.vol.at/funken-in-vorarlberg-die-termine-2026/9873545
Von der Fasnachtsschlacht zur Hexenverbrennung – aus der Geschichte des Vorarlberger Fasnacht- und Funkenbrauchtums von Manfred Tschaikner.