Lange Wartezeiten, volle Praxen

Vorarlberg / 23.02.2026 • 15:00 Uhr
Lange Wartezeiten, volle Praxen
Von 382 Kassenplanstellen, die bis 2030 österreichweit neu geschaffen werden sollen, entfallen sechs auf Vorarlberg und mehr als die Hälfte auf Wien. Foto: APA

Ärztekammerchef Walla: Mehr Geld für Kassenstellen oder Reduktion auf Basisversorgung.

SCHWARZACH „Wer im Wartezimmer sitzt oder keinen Facharzttermin bekommt, wird sagen, dass das viel zu wenig ist“, zeigt Franz Beck, Arbeitnehmervertreter im Landesstellenausschuss der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK), Verständnis für den Unmut, der da und dort geäußert wird: Bundesweit sollen bis 2030 insgesamt 382 neue Kassenstellen für Allgemeinmediziner und Fachärzte geschaffen werden. Das sieht ein aktueller Strukturplan vor. Mehr als die Hälfte davon (215) soll allein auf Wien entfallen. In Vorarlberg, wo gerade einmal sechs Stellen bzw. sogenannte Vollzeitäquivalente dazukommen sollen, äußern sich entscheidende Akteure von Land und Kasse bemerkenswert zurückhaltend – kommt Kritik umso deutlicher aus der Ärztekammer: Präsident Burkhard Walla warnt, dass „das System gegen die Wand gefahren“ werde.

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Franz Beck fände es „zu populistisch“, festzustellen, „dass wir benachteiligt werden, weil wir weniger Planstellen bekommen als Wien“. Wie Christoph Jenny, der Dienstgebervertreter im hiesigen Landesstellenausschuss, vertraut er darauf, dass die Aufteilung korrekt festgelegt wurde: „Ich habe keinen Grund, zu zweifeln“, so Jenny. 

Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher (ÖVP) sieht die Sache ähnlich: Aus Sicht des Landes ist die Herangehensweise grundsätzlich nachvollziehbar. Zugleich sehe man „in einzelnen Bereichen, etwa in der kinder- und jugendärztlichen Versorgung“, aber „weiterhin Diskussionsbedarf“.

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Franz Beck fände es „zu populistisch“, festzustellen, „dass wir benachteiligt werden, weil wir weniger Planstellen bekommen als Wien“. Foto: AK Vorarlberg

Bei der Aufteilung neuer Kassenstellen werden etwa die Bevölkerungsentwicklung, die Altersstruktur sowie die Erreichbarkeit und die Inanspruchnahme von ärztlichen Leistungen berücksichtigt. Insgesamt spielen offenbar aber auch die finanziellen Möglichkeiten eine Rolle: „Das ist ein zusätzlicher Aspekt, dass sich natürlich alles finanzieren lassen muss“, bestätigt Jenny. Wien sei diesbezüglich in einer Sonderstellung: „Dort werden Kapazitäten aus den Krankenanstalten ausgelagert, finanziert die Stadt Primärversorgungseinheiten mit.“ Das sind Praxen, in denen mehrere Ärztinnen und Ärzte, zum Beispiel aber auch Sozialarbeiter, zusammen tätig sind. 

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Null Verständnis zeigt Ärztekammer-Präsident Walla: Sechs zusätzliche Stellen für Vorarlberg würden hinten und vorne nicht ausreichen. „Das würden die Leute nicht goutieren, wenn man sagen würde, es seien mehr als genug“, meint er und verweist auf „Terminschwierigkeiten in fast allen Bereichen“ sowie auf „Wartezeiten von einem halben Jahr und mehr, angefangen bei der Kinder- und Jugendpsychologie“. 

Befremdlich sei, dass man in einer Bedarfsstudie gemeinsam mit der ÖGK und dem Land erst 2023 einen größeren Bedarf festgestellt habe und dass diesem jetzt nicht entsprochen werde. Dass im Übrigen auch Ankündigungen nicht weiterverfolgt worden seien, eine Personalentwicklungsstrategie zu erstellen; und zwar mit dem Ziel, Ärztinnen und Ärzte, die in den Spitälern ausgebildet werden, für Kassenstellen zu gewinnen. 

Ärztekammerpräsident Burkhard Walla warnt vor "Fließbandmedizin". VN
„Wenn man die Kassenmedizin weiterentwickeln will, muss man für zusätzliche Stellen neues Geld reinbringen”, sagt Burkhard Walla. Foto: VN

Auch Walla sieht jedoch das finanzielle Problem: „Wenn man die Kassenmedizin weiterentwickeln will, muss man für zusätzliche Stellen neues Geld reinbringen.“ Das sei Aufgabe der ÖGK. „Wir stoßen an die Grenzen“, wird Walla deutlicher: „Entweder kommt mehr Geld ins System, damit man weitermachen kann oder man überlegt sich Leistungsobergrenzen.“ Das würde bedeuten, dass man auf „eine gute, fundierte Basisversorgung zurückfährt“ (Walla), die weiterhin von der Kasse bezahlt wird. Für alles, was darüber hinausgeht, müssten die Patientinnen und Patienten folglich privat aufkommen.