Nettolöhne sind stark gestiegen

AK-Chefökonom Schnetzer: Im Schnitt ist die Teuerung 2021 bis 2024 ausgeglichen worden.
SCHWARZACH. 2024 belief sich das durchschnittliche Netto-Jahreseinkommen der knapp 300.000 lohnsteuerpflichtigen Vorarlbergerinnen und Vorarlberger auf 28.490 Euro. Das entspricht gut 2000 Euro pro Monat, plus Weihnachts- und Urlaubsgeld. Berücksichtigt sind dabei Erwerbstätige genauso wie Pensionistinnen und Pensionisten. Gegenüber dem Jahr davor ist es damit zu einem Anstieg von immerhin 8,1 Prozent gekommen.
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Das Plus lag sogar über der damaligen Inflation. In den Jahren davor lag es darunter, wie der Chefökonom der Arbeiterkammer, Matthias Schnetzer, analysiert. Wichtig ist jedoch, was unterm Strich bleibt: Ist es aufgrund der außergewöhnlich starken Teuerung der jüngeren Vergangenheit zu einem Reallohnverlust gekommen oder nicht? Für den gesamten Zeitraum 2021 bis 2024 ergibt sich laut Schnetzer eine leicht negative reale Entwicklung von minus 0,18 Prozent: „Man kann also sagen, dass die realen Nettolöhne in Vorarlberg von 2021 bis 2024 stagniert sind und somit die Teuerung durch die Lohnerhöhungen im Schnitt ausgeglichen wurden.“
Daten, die die Statistik Austria in einer Lohnsteuerstatistik führt, zeigen nicht nur die Entwicklung, sondern unter anderem auch drei weitere Dinge: Zum Teil extreme Einkommensunterschiede nach Stand, Geschlecht und Alter.
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Arbeiterinnen und Arbeiter verdienen netto mit 15.499 bzw. 26.201 Euro zum Beispiel nicht einmal halb so viel wie Beamtinnen und Beamte mit 51.309 bzw. 57.897 Euro. Warum ist das so? „Die Kollektivverträge weisen historisch unterschiedliche Ausgangsniveaus auf“, erklärt Schnetzer. Und die jährlichen Steigerungen könnten diesen Unterschied trotz einzelner Nulllohnrunden im öffentlichen Dienst nicht oder nur sehr langsam ausgleichen. Außerdem falle die Qualifikation ins Gewicht. So seien 14 Prozent der Arbeiter, aber über 50 Prozent der Beamten Akademiker.

Groß sind vor allem aber auch die Unterschiede nach Geschlecht. Alles in allen ist der durchschnittliche Nettobezug von Frauen im Land mit 22.589 Euro um ganze 35 Prozent niedriger als bei Männern (34.552 Euro): „Der Gender-Pay-Gap ist in Vorarlberg größer als in allen anderen Bundesländern“, so Schnetzer. Gründe: Frauen seien eher in schlechter bezahlten Berufen tätig und würden eher Teilzeit arbeiten. Aber auch vollzeitbeschäftigte Frauen würden weniger verdienen als ebensolche Männer.
Der Unterschied beginnt schon bei der Lehre, die viele junge Frauen im Handel, als Bürokauffrau oder Friseurin absolvieren, während sich gleichaltrige Männer etwa im Baugewerbe oder zum Elektro- oder Metalltechniker ausbilden lassen.
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Bei über 30-Jährigen wird der Einkommensunterschied dann größer und beträgt bis zu 40 Prozent. Dann steht für viele Frauen Sorgearbeit an, an die oft nur noch ein Teilzeit-Job anschließt. Nachteile für Frauen bleiben folglich bis in die Pension groß. Einzig Beamtinnen liegen – mit durchschnittlich elf Prozent – gehaltsmäßig in einem geringeren Maße hinter Männern zurück. Das liege am Gleichbehandlungsgesetz, das im öffentlichen Dienst „weitgehend eingehalten wird“, erklärt Schnetzer.
Damit sich der insgesamt aber eben massive „Gender-Pay-Gap“ schließen könnte, wäre eine „Einmischung“ des Staates notwendig, ist Lea Putz-Erath von der Frauenberatungsstelle „Femail“, überzeugt. Und zwar in Bezug auf die Sorgearbeit, „zum Beispiel durch eine verpflichtende Karenz beider Elternteile in einem ähnlichen zeitlichen Verhältnis.“

Die Zeichen würden jedoch eher in eine andere Richtung gehen: In Anbetracht des prekären Staatshaushaltes und der Alterung würden sie zu noch mehr privatem, persönlichem und unbezahltem Einsatz von Frauen gehen, ob in der Betreuung von Kindern oder pflegebedürftigen Angehöriger. Initiativen für eine gleiche Einbeziehung von Männern sieht Putz-Erath keine.