“Jede Lampe erzählt eine Geschichte” – Birgit Sargant gestaltet aus unterschiedlichsten Materialien Licht

Im Atelier “R21” in Dornbirn liegen alte Notenblätter, Stickereistoffe und Lochkarten auf dem Tisch. Was daraus entsteht, hängt später über Esstischen in ganz Vorarlberg.
Dornbirn In Sargants Atelier “R21” in der Riedgasse 21 in Dornbirn knistert Papier unter den Fingern. Auf dem Tisch liegt eine alte Lochkarte – früher hat man damit Stickereimuster gestanzt. Heute wird daraus eine Lampe gefertigt. Birgit Sargant vom Atelier “R21” biegt vorsichtig Papier. Kein Kleber, keine Schrauben, nur stecken – fertig ist die Lampe. Das Licht geht an, es ist warm – fast wie Kerzenschein.

Die Hohenemserin ist eigentlich gelernte Einzelhandels- und Bürokauffrau. Dann rutschte sie in die Jugendarbeit, half beim Aufbau des Jugendhauses in Lustenau. Dort merkte sie schnell: Kreativität ist mehr als Hobby. Sie machte eine Ausbildung in Kreativtherapie und begann zu experimentieren.

Angefangen hat alles mit alten Punschkarton
“Die ersten Lochkarten/Punschkarton, auch Stickereikarten genannt, hatten viel zu viele Löcher, meine Modelle sind schnell auseinandergebrochen und gaben den Lampen zu wenig Halt”, sagt Sargant. Zusammen mit dem Textiler Hans Hollenstein wurde schließlich ein neues Muster entwickelt. “Er hatte noch eine alte Maschine im Dachboden und damit kreierten wir ein neues Muster. Stabil genug, biegsam genug – genau richtig für Licht”, so die Künstlerin.

Inzwischen arbeitet sie mit Naturpapier, Furnierholz, Stickereistoff, sogar mit Notenblättern. Manche Materialien finden ihren Weg ganz zufällig ins Atelier. So brachte eine Zithergruppe aus der Region alte Partituren vorbei, die nicht mehr verwendet werden. Daraus sind Lampen entstanden, durch deren Schirm heute Musiknoten schimmern.
Viele der Leuchten hängen mittlerweile in Vorarlbergs Wohnräumen. Auch Unternehmen zeigen Interesse an den besonderen Objekten. Eine Sonderanfertigung entstand etwa für die Firma “Lustenauer Senf”. “Meine Lampen erinnern sie an Senfkörner”, hieß es und seither hängen die Lampen im Foyer des Unternehmens.

Herzensprojekte und Sonderbestellungen
Besonders bleiben ihr die Herzensprojekte in Erinnerung. Eine Frau brachte den Stickereischleier ihrer Mutter. Schwerer Stoff, emotional aufgeladen und familiär geprägt. Ein Jahr lang suchte sie nach einem Trägermaterial, das hält, und fand schließlich transparentes Bodenlaminat. Eine perfekte Symbiose.

“Ich glaube, alles lässt sich verbinden”, sagt Birgit Sargant. Menschen, Materialien, sogar Lebensphasen. Fast jede Kundin sitzt irgendwann bei ihr im Atelier. Es gibt Kaffee, Beziehungsgespräche, Neubeginn, Babyzimmergestaltungen und neue Lampenideen.

Ein Produkt im ständigen Kreislauf
“Man kann die Lampen jederzeit wieder auseinandernehmen und neu zusammensetzen”, sagt sie. “Das gefällt mir. Es hält und ist doch beweglich.” Eine Verbindung ohne Zwang, das fasziniert die Künstlerin.
Ob Kugel, Tropfen oder flach gepresste Ovalform – jede Leuchte schafft eine eigene Stimmung. Manche Kundinnen programmieren sogar eine Zeitschaltuhr, damit sie beim Heimkommen vom warmen Licht ihrer Lampen empfangen werden. “Jedes Material leuchtet anders”, sagt sie. “Und jede Größe hat ihre eigene Wirkung.”

Neben großen Leuchten fertigt Birgit Sargant auch kleinere Objekte wie Kugeln, Osteranhänger, Weihnachtsschmuck oder Kinderlampen. Workshops gehören ebenso dazu wie geplante Lesungen, bei denen Text und Licht verschmelzen. “Ich schaffe gerne einen Raum, wo sich Menschen austauschen und begegnen.” Das sei immer eine Win-win-Situation.
Kreativität als soziale Kraft
Birgit Sargant war 20 Jahre lang im Sozialbereich tätig. Dieses Gespür für Menschen ist geblieben. “Es geht nicht darum, möglichst viel zu verkaufen. Es geht darum, etwas zu erschaffen, das bleibt.” Lose zusammengesteckt. Und doch voller Halt.
Zur Person:
Name: Birgit Sargant aus Hohenems
Alter: 56 Jahre
Familienstand: Frei wie ein Vogel
Hobbys: Natur, kreatives Arbeiten, Tanzen
Lebensmotto: Alles lässt sich verbinden