Seit einem halben Jahr masernfrei

Vorarlberg / 16.03.2026 • 12:23 Uhr
Seit einem halben Jahr masernfrei
Masernimpfung: In der Coronazeit hat sich eine größere Lücke aufgetan. Die Folge: Hunderte Masernfälle österreichweit und auch hierzulande ungewöhnlich viele. Foto: VN/APA

In Vorarlberg gibt es schon länger keine Erkrankung: Es wird auch wieder mehr geimpft.

SCHWARZACH. „Das hat uns alle erschüttert“, sagt die Kinderärztin Reyhan Tschiderer, die eine Ordination in Götzis betreibt und auch Impfreferentin der Vorarlberger Ärztekammer ist: Jahrelang hat es hierzulande nur einzelne Masernfälle gegeben; wenn überhaupt. 2024 waren es jedoch 23 und in ganz Österreich 542. Eine Folge davon war, dass die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Republik jüngst offiziell nicht mehr als masernfrei eingestuft hat.

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Masern ist keine harmlose Kinderkrankheit. Sie kann auch für Jugendliche und Erwachsene schwerwiegende Folgen haben. Das Immunsystem wird für mehrere Jahre geschwächt. Komplikationen wie eine Gehirnentzündung können zu bleibenden Schäden oder zum Tod führen.

Dass Masern wieder verstärkt aufgetreten ist, hat damit zu tun, dass in der Coronazeit mit ihren Beschränkungen zu wenig geimpft wurde. Damit hat man sich von der Durchimpfungsrate von mindestens 95 Prozent der Bevölkerung entfernt, die notwendig ist, damit das Virus so gut wie keine Chance mehr hat. Wobei es um zwei Impfungen geht, die ab dem vollendeten neunten Lebensmonat empfohlen werden.

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„Die Masernfälle haben etwas ausgelöst. Es ist wie immer: Wenn etwas bedrohlich nahekommt, befasst man sich damit”, sagt die Kinderärztin Alexandra Rümmele-Waibel. Foto VN/Mayer

Durch die vielen Erkrankungen vor zwei Jahren seien „alle“ erschüttert worden, bekräftigt Tschiderer: „Auch wir Ärztinnen und Ärzte sind sensibilisiert worden.“ Man habe noch intensiver darauf geachtet, dass es zu Impfungen kommt.

Alexandra Rümmele-Waibel von der Kinderpraxis am Schlossberg in Hohenems bestätigt dies: „Die Masernfälle haben etwas ausgelöst. Es ist wie immer: Wenn etwas bedrohlich nahekommt, befasst man sich damit.“

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Die jüngste Entwicklung lässt hoffen: Für die ersten neun Kalenderwochen 2026 weist die staatliche Gesundheitsagentur AGES leidglich drei Masernfälle für ganz Österreich und gar keinen für Vorarlberg aus. Das ist kein Vergleich zu den vergangenen Jahren, als es da schon bis zu 263 bundesweit waren. Hierzulande wurde der letzte Fall überhaupt Ende August 2025 festgestellt. Also vor etwas mehr als einem halben Jahr.

„Die rückläufigen Masernfallzahlen stehen im Zusammenhang mit einer verbesserten Immunitätslage in der Bevölkerung“, lässt Landessanitätsdirektor Wolfgang Grabher auf VN-Anfrage wissen: „Nach dem großen Ausbruch im Jahr 2024 wurden verstärkt Nachholimpfungen durchgeführt. Die Durchimpfungsrate für die erste Masern-Impfung liegt in Österreich bereits nahe der für den Gemeinschaftsschutz notwendigen 95 Prozent, während bei der zweiten Impfung weiterhin Aufholbedarf besteht. Auch in Vorarlberg zeigt sich dieser österreichweite Trend.“  Allein in der Impfordination in Dornbirn seien in den vergangenen zwei Jahren über 600 Impfungen nachgeholt worden.

Wolfgang Grabher
„Die rückläufigen Masernfallzahlen stehen im Zusammenhang mit einer verbesserten Immunitätslage“, lässt Landessanitätsdirektor Wolfgang Grabher wissen. Foto: VN/Hofmeister

„Es wird auf jeden Fall versucht, die Impflücke zu schließen, bestätigt Reyhan Tschiderer. Rümmele-Waibel betont jedoch, dass man sich nicht ausruhen dürfe, nur weil es – „Gott sei Dank“ – schon länger keinen Masernfall mehr gegeben hat: Ein einziger könne zu vielen weiteren führen. Umso wichtiger sei es, dranzubleiben.