Große Abhängigkeit von Öl und Gas

Trotz Reduktion noch immer für die Hälfte des gesamten Energieverbrauchs im Land nötig.
SCHWARZACH. Die Öl- und Gaskrise, die mit dem Irankrieg einhergeht, macht deutlich, wie groß die Abhängigkeit von den fossilen Energieträgern noch immer ist, die überwiegend um schier jeden Preis importiert werden müssen. Auch in Vorarlberg: 2023 wurde gut die Hälfte des gesamten Energieverbrauchs durch den Einsatz von Mineralölprodukten und Gas gedeckt. In der Tendenz wird es zwar weniger, die Handlungsbedarf bleibt jedoch enorm, wie der Geschäftsführer des Energieinstituts Vorarlberg, Martin Reis, verdeutlicht: „Wir freuen uns über die Trendwende, es könnte und sollte aber schneller gehen, um die Risiken der Abhängigkeit zu reduzieren und das Klimawandelszenario halbwegs im Griff zu haben.“
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Mineralölprodukte spielen vor allem in Form von Benzin und Diesel im Verkehrsbereich nach wie vor eine bedeutende Rolle, Gas wird noch immer von vielen privaten Haushalten und in der Industrie eingesetzt.
Volker Hollenstein, politischer Leiter des Umweltverbandes WWF Österreich, sieht eine Folge „jahrzehntelanger Versäumnisse“: „Während der Stromsektor schon großteils erneuerbar ist, geht die Umstellung beim Heizen, im Verkehr und bei der Industrie nur schleppend voran“, so der gebürtige Lustenauer: „Die Politik hat aus früheren Energiekrisen kaum Lehren gezogen. Statt struktureller Reformen dominieren Kurzschlussaktionen wie die Spritpreisbremse, die das Grundproblem nicht lösen.“
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Martin Reis sieht in Bezug auf private Haushalte unterschiedliche Entwicklungen. Zum Beispiel, was Heizsysteme angelangt: „Seit 2013 gibt es zwar einen Rückgang bei Ölheizungen, bis 2022 ist es aber noch immer zu einer Zunahme bei Gasheizungen gekommen.“ Erst in Folge der damaligen Gaspreisexplosion nach Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine habe sich das geändert.

Das Ziel müsse der Ausstieg aus Öl und Gas sein, und das gehe auch, ist Reis überzeugt: „Wir brauchen nicht eins zu eins mehr Strom, wo vorher Öl und Gas waren.“ Ein Elektroauto brauche im Betrieb viel weniger Energie als ein „Verbrenner“. Bei einer Wärmepumpe sei es im Vergleich zu einer Gasheizung ebenfalls so. Es sei auch keine Kernenergie nötig, um den Bedarf zu decken, so Reis: Im europäischen Verbund gebe es genug Potenzial, wenn man Photovoltaik inklusive Speicherkapazitäten ausbaue. Nachsatz: „Und die Windkraft, das ist ein großes Thema.“
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Die von der Regierung geplante Spritpreisbremse bezeichnet Reis als „fatal“: „Wenn man sagen würde, man gibt denen, die es brauchen und nicht umsteigen können, ob Pendler oder Landwirten, einen Zuschuss, okay. Hier aber wird zur Gießkanne gegriffen.“

Volker Hollenstein schlägt Alternativen vor: Steuerliche Mehreinnahmen, die sich aus höheren Spritpreisen ergeben, sollten nicht für eine Mineralölsteuersenkung verwendet werden, sondern für einen verstärkten Ausbau öffentlicher Verkehrsmittel sowie eine spürbare Vergünstigung des Klimatickets. Außerdem könnte sich der 46-Jährige zur Unterstützung einkommensschwacher Haushalte die Wiedereinführung des 2025 gestrichenen Klimabonus vorstellen – aber nicht in gleicher Höhe für alle, sondern sozial gestaffelt.