Teilzeitquote stark gestiegen

Gegen den Bundestrend: Bei den Frauen im Land beträgt der Anteil bereits 57,6 Prozent.
SCHWARZACH. Politische Appelle, von Teil- auf Vollzeitarbeit umzusteigen, sind zumindest in Vorarlberg ins Leere gegangen: Während die Teilzeitquote österreichweit im vergangenen Jahr leicht gesunken ist, ist sie hierzulande stark gestiegen. Von drei erwerbstätigen Personen arbeitet bereits eine Teilzeit. Der Anteil beträgt genau 33,3 Prozent, wie bei der Statistik Austria auf Anfrage der VN mitgeteilt wird. Bei Männern kam es zu einem Anstieg von 11,4 auf 12,2 Prozent und bei Frauen von 55,4 auf 57,6 Prozent.
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Teilzeit ist und bleibt also eher weiblich. Wobei in der Entwicklung zwei Dinge auffallen: Zuletzt ist nicht nur die Anzahl der teilzeitbeschäftigten Frauen gestiegen (auf rund 56.500), sondern die der vollzeitbeschäftigten gesunken (auf 40.400). Außerdem sind besonders zunehmend mehr 35- bis 44- sowie ab 55-Jährige in Teilzeit.

Von einem Lifestyle-Phänomen zu reden, wie es Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) im vergangenen Sommer getan hat, ist nach Überzeugung von Stefania Pitscheider Soraperra, der Direktorin des Frauenmuseums Hittisau, daneben: Es handle sich um einen Ausdruck struktureller Ungleichheit. Viele Frauen können demnach aufgrund von Betreuungspflichten sowie der Verteilung von Sorgearbeit zu ihrem Nachteil gar nicht Vollzeit arbeiten.
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Auffallend sei außerdem, dass Teilzeit besonders in Lebensphasen zunehme, in denen „Care-Arbeit“ anfällt oder gesundheitliche Belastungen steigen, so Pitscheider Soraperra: „Das spricht klar gegen die These einer freien Entscheidung.“ Und: Dass Männer deutlich seltener Teilzeit arbeiten, unterstreiche, dass es hier nicht um individuelle Präferenzen gehe.

Angelika Atzinger vom Verein Amazone sieht das ähnlich: „Dass die Teilzeitquote bei Frauen, die in Vorarlberg ohnehin bereits sehr hoch ist, steigt, zeigt deutlich, dass es noch nicht gelungen ist, Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass Frauen gleichberechtigt am Arbeitsmarkt teilnehmen können.“ Wesentliche Punkte dabei seien begrenzte Kinderbetreuungsangebote und Einkommensunterschiede.
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Der Erwerbsbeteiligung von Frauen hat in den vergangenen Jahrzehnten massiv zugenommen, wie betont AK-Experte Dominic Götz betont: „Immer mehr sind in den Arbeitsmarkt eingestiegen.“ Nicht Voll-, aber zumindest Teilzeit. Hier gebe es nichtsdestotrotz noch enormes Potenzial zu heben. Das sei auch insofern relevant, als mit der Alterung ein größerer Arbeitskräftemangel drohe.
„Die hohe Teilzeitquote in Vorarlberg ist kein kurzfristiger Trend, sondern das Ergebnis struktureller Faktoren“, erklären Andrea Längle, Vizepräsident der Wirtschaftskammer und Karin Furtner, Geschäftsführerin von „Frau in der Wirtschaft“. Frauen würden häufig ihre Arbeitszeit in der Familienphase reduzieren und später nicht mehr zu Vollzeit zurückkehren.

Wobei vielen nicht klar sei, was damit verbunden ist: „Wir können nur versuchen, dafür zu sensibilisieren: Teilzeit hat gravierende Auswirkungen auf die Pension und kann zu Altersarmut führen. Es ist erschreckend: Das ist vielen nicht bewusst.“