“Wenn das Boot stecken bleibt, wird’s mühsam” – Bootsbesitzer warten auf Schmelzwasser

Vorarlberg / 07.04.2026 • 10:23 Uhr
"Wenn das Boot stecken bleibt, wird’s mühsam" – Bootsbesitzer warten auf Schmelzwasser
Hafenreferent Andreas Stiastny kümmert sich um eine ordnungsgemäße Wasserung. VN/DJSOHM

Zu wenig Schnee im Winter, zu wenig Wasser im Frühling: Im Bregenzer Yachthafen beginnt die Saison heuer mit ungewohnter Vorsicht – und viel Feingefühl beim Ausfahren.

Darum geht’s:

  • Bodensee leidet unter niedrigen Wasserständen im Frühjahr.
  • Weniger Schnee führte zu fehlendem Schmelzwasser.
  • Boote benötigen vorsichtige Manöver bei flacher Fahrtrinne.

Bregenz Andreas Stiastny steht im Yachthafen Bregenz am Steg und beobachtet die Wasserung der “Isola”. Das Segelschiff mit dem zwölf Meter hohen Mast ist heute dran, aber das Wasser fehlt. Für den Hafenreferenten und seine Crew ist das nichts Besonderes, aber es ist jedes Jahr wie ein Lotteriespiel.

Wenig Wasser für April

Der Blick über den Bodensee wirkt ruhig, fast idyllisch. Doch wer im Sporthafen genauer hinschaut, erkennt schnell: Dem Wasser fehlt es derzeit an Höhe. “Es ist schon ein bisschen wenig”, sagt Andreas Stiastny und blickt hinaus auf die Fahrtrinne. Ein ungewöhnliches Bild für den Saisonstart – und eines, das Bootsbesitzer aktuell beschäftigt.

Derzeit liegt der Bodensee gut 20 Zentimeter unter dem langjährigen Mittelwert für diese Zeit. Der Grund ist simpel: Der Winter brachte wenig Schnee, entsprechend fehlt nun das Schmelzwasser, das den Pegel im Frühjahr normalerweise ansteigen lässt. “Wir hoffen, dass noch etwas kommt”, so Stiastny. Doch selbst wenn – ein früher Start in die Wassersaison bleibt heuer eine Herausforderung.

"Wenn das Boot stecken bleibt, wird’s mühsam" – Bootsbesitzer warten auf Schmelzwasser
An der Hafenmauer kann man den geringen Wasserstand gut erkennen. VN/DJSHOM

Aktuell liege die Wassertiefe in der Fahrtrinne bei knapp unter zwei Metern. Was auf den ersten Blick ausreichend erscheint, kann im Detail schnell problematisch werden. Denn der Hafen ist kein gleichmäßiger Raum. “Jeder Damm hat eine andere Tiefe”, erklärt Stiastny. Während manche Bereiche bis zu vier Meter aufweisen, sind es an anderen Stellen nur zwei oder weniger.

Der Untergrund im Hafen ist ständig in Bewegung

Hinzu kommen natürliche Veränderungen: Ablagerungen durch Laub, Sedimente und kleine Unebenheiten sorgen dafür, dass sich der Untergrund laufend verändert. “Da entstehen richtige Hügel”, sagt Stiastny. Besonders im Bereich nahe des Krans könne es passieren, dass Boote mit größerem Tiefgang nicht mehr problemlos manövrieren können.

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Bootsbesitzer Oliver Unterlechner hängt mit seiner “Isola” noch geduldig am Kran. VN/DJSHOM

Für Bootsbesitzer bedeutet das vor allem eines: Vorsicht und Erfahrung. “Wer seinen Liegeplatz kennt, tastet sich langsam heran”, weiß Stiastny. Viele verlassen sich zusätzlich auf technische Hilfsmittel wie Tiefenmesser – auch wenn diese nur bedingt helfen. “Die messen nach unten, nicht nach vorne”, sagt er. Untiefen bleiben also eine Herausforderung, die Erfahrung verlangt.

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Hoch konzentriert wird alles vorbereitet. VN/DJSOHM

Dennoch: Dramatische Szenen bleiben meist aus. Wer auf Grund läuft, kann sich in der Regel selbst befreien. “Wenn man nicht zu schnell ist, kommt man mit dem Rückwärtsgang wieder raus”, erklärt Stiastny. Kritischer sei da oft der Hochsommer: Wenn sich Seegras in der Schiffsschraube verfängt, werde es schnell kompliziert – bis hin zum Abschleppen.

Trotz der aktuellen Bedingungen läuft die Saison langsam an. Rund acht bis zehn Boote werden derzeit täglich eingewassert. Von Hochbetrieb kann zwar noch keine Rede sein, doch die Vorbereitungen laufen. “In etwa einem Monat ist der Hafen voll”, sagt Stiastny.

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Im Hintergrund beobachtet der Yachtklub-Präsident das Vorgehen. VN/DJSHOM

Bis dahin bleibt der Blick immer wieder auf den Pegel gerichtet – und die Hoffnung auf Regen und Schmelzwasser. Denn auch wenn sich die Situation erfahrungsgemäß rasch entspannen kann: Der Saisonstart am Bodensee zeigt heuer, wie sensibel das Gleichgewicht zwischen Natur und Nutzung ist.

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Trotz niedrigem Wasserstand ist die “Isola” nun im Bodensee. VN/DJSHOM