Sanierungsexperte Strehle zweifelt am Masterplan für den Neubau der Südtirolersiedlung

Vorarlberg / 08.04.2026 • 16:52 Uhr
Sanierungsexperte Strehle zweifelt am Masterplan für den Neubau der Südtirolersiedlung
Architekt Gerold Strehle vermisst in der Debatte zur Südtirolersiedlung ein Bekenntnis zur Sanierung, Klimafitness und Ressourcenschonung. VN

Obwohl die Vogewosi 80 Prozent der Südtirolersiedlung in Bregenz nicht für erhaltenswert einstuft, schlugen dies drei von zehn angefragten Planungsbüros dennoch vor. Gerold Strehle hat dafür Verständnis.

Bregenz Anfang März präsentierten Vogewosi und die Stadt Bregenz das Siegerprojekt aus dem Hause “03 Arch.” aus München. Für den Architekten Gerold Strehle zeigt das Verfahren vor allem eine “Konfrontation unterschiedlicher Überzeugungen” zwischen der Vogewosi als Auftraggeberin und den teilnehmenden Büros.

Weichenstellung

Für die Vogewosi ist eine Sanierung der Südtirolersiedlung weder technisch noch wirtschaftlich sinnvoll darstellbar. 80 Prozent des Altbestandes muss daher weichen, 110 zusätzliche leistbare Wohnungen sind gefordert. Das Projekt ist eine Weichenstellung: 14 Prozent der Mietwohnungen der Vogewosi liegen in den Südtirolersiedlungen Vorarlbergs.

Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Iframely angezeigt.

Drei von zehn Architekturbüros schlugen dennoch Sanierungen statt Abriss vor. Bei einer ergebnisoffenen Ausschreibung wären es laut Strehle wohl noch mehr gewesen. Diese Entwürfe überzeugten nicht: “Wird der Altbestand isoliert stehen gelassen und mit neuen, zwangsläufig höheren Baukörpern ergänzt, gehen Durchlässigkeit, räumliche Offenheit und Maßstäblichkeit verloren”, erklärte der Jury-Vorsitzende Architekt Hans Gangoly im März.

645873_wbw_suedtirolersiedlung_bregenz_praesentationsplaene-6.jpg
Das Siegerprojekt des städtebaulichen Wettbewerbs für die Südtirolersiedlung in Bregenz.Stadt Bregenz

Kritik an Neugestaltung

Strehle, der sich auf die Sanierung von Altbauten spezialisierte und dies auch an der Bau- wie auch an der Ziviltechnikerakademie unterrichtet, sprach sich bereits früher für Aufstockungen und Adaptionen des Bestandes aus. Er warnt vor einem Verlust der gewachsenen Identität und Klimafitness der Siedlung: “Das Siegerprojekt wurde richtigerweise wegen der ‚Weiterentwicklung der charakteristischen Siedlungsform‘ prämiert, jedoch ohne die klimatischen Qualitäten der bestehenden Freiräume etablieren zu können.”

Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Iframely angezeigt.

Aktuell erfüllen die Grünflächen und alten, großen Bäume die Vorgaben einer klimafitten Schwammstadt. Im Siegerprojekt sieht er hier Schwächen: Die geplante Tiefgarage unter den Innenhöfen lasse keine entsprechend großen Bepflanzungen zu, neu gesetzte Bäume würden ihre Wirkung erst Jahrzehnte später entfalten.

Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Iframely angezeigt.

Vogewosi-Geschäftsführer Hans-Peter Lorenz betont, dass man bislang nur einen Masterplan hat. “Fragen zu baulichen, energetischen, ökologischen oder gestalterischen Ausführungen – auch der Außenanlagen – können erst nach Vorliegen eines Siegerprojektes aus dem Realisierungswettbewerb beantwortet werden”, verweist er auf die Ausschreibung im Sommer. “Dafür ist es jetzt noch zu früh.”