Trotz Führerschein-Causa: Prüfer macht Karriere in Landesverwaltung

Keine ernsthafte Aufarbeitung, keine personellen Konsequenzen: Wie Landesregierung und Verwaltung versuchen, sich aus der Führerschein-Causa herauszuschleichen. Eine VN-Analyse.
Bregenz Die Führerschein-Causa hat über Monate die Wogen hochgehen lassen. Hohe Durchfallquoten bei Fahrprüfungen, lukrative Vergütungen für Prüfer und Hinweise auf ein Netzwerk hatten den Verdacht auf eine mögliche Bereicherung einzelner auf dem Rücken der Fahrschüler erhärtet. Mit dem medialen Druck nach den VN-Enthüllungen sind die Durchfallquoten drastisch gesunken. Eine interne Aufarbeitung hat indes nie ernsthaft stattgefunden. Auch personelle Konsequenzen sind ausgeblieben. Im Gegenteil: Einer der Prüfer hat mittlerweile genau in jener Abteilung der Landesverwaltung Karriere gemacht, in deren Zuständigkeit die Fahrprüfungen liegen.
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Die ersten Anzeichen zu Auffälligkeiten bei Prüfungsergebnissen in Vorarlberg liegen zumindest fünf Jahre zurück. In dieser Zeit war es einem Verwaltungsmitarbeiter der Verkehrsrechtsabteilung gelungen, ein Netzwerk von Prüfern aufzubauen, das besonders streng vorging. Diesen Schluss lassen jedenfalls Recherchen der VN zu. Zwischenzeitlich fiel fast jeder zweite Fahrschüler in der praktischen Prüfung durch. Rückhalt für das Vorgehen gab es von der damaligen Abteilungsvorständin. Mittlerweile ist der gut dotierte Posten neu besetzt. Bekommen hat den Job ein in die Causa involvierter Verwaltungsbediensteter. Den VN vorliegende Dokumente zeigen, dass auch er über Jahre als Prüfer tätig war und für diese Nebentätigkeiten mit jährlich zwischen 12.000 und 15.000 Euro entlohnt wurde. Quellen bestätigen zudem auffallend hohe Durchfallquoten.
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Am Höhepunkt der Führerschein-Causa hatte die Landesregierung Maßnahmen angekündigt, die faire Prüfungsbedingungen garantieren sollten. Barbara Germann-Frener ortet darin Lippenbekenntnisse. “Man hat uns strukturelle und personelle Veränderungen versprochen. Passiert ist bis heute nichts”, so die Sprecherin der Fahrschulen. Tatsächlich liegt die Verantwortung für Führerscheine und Fahrschulinspektion in den Händen eines einzelnen Mitarbeiters der Abteilung, der bereits bis zum Ausscheiden jenes umstrittenen Behördenvertreters, bei dem die Fäden im Prüfernetzwerk zusammenliefen, als Teil einer Art Doppelspitze für die Führerscheinagenden zuständig war.

Seit den Enthüllungen in der Causa und dem medialen Druck wird im Land zwar wieder mit Augenmaß geprüft. Notwendige strukturelle Maßnahmen, wie eine Entflechtung der Zuständigkeiten in der Behörde und ein personeller Neustart seien allerdings ausgeblieben, kritisiert die Fahrschulsprecherin. “Es scheinen alle der Meinung zu sein, dass das Thema mit den jetzt wieder niedrigeren Durchfallquoten erledigt ist”. Konkret sind im ersten Quartal 2026 die Zahlen deutlich nach unten gegangen. Mit einer Durchfallquote von 27 Prozent liegt Vorarlberg im Österreich-Schnitt. Vor den VN-Enthüllungen in der Führerschein-Causa lag die Quote bei über 44 Prozent.
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Das neue Prüferteam befindet sich unterdessen im Aufbau. Ein Blick auf die Namen, die den VN vorliegen, zeigt, dass viele von ihnen schon bisher als Fahrprüfer tätig waren. Neu sind lediglich etwa ein Drittel der Sachverständigen. Auch einzelne Tiroler Prüfer, die kurzfristig eingesprungen waren, sind noch in Vorarlberg im Einsatz.
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Mit der Führerschein-Causa ist viel Vertrauen in die Landesverwaltung und Regierung zerstört worden. “Vertrauen, das über Jahre vernichtet wurde, baut man nicht wieder in ein paar Monaten auf”, sagt Barbara Germann-Frener. Das treffe vor allem dann zu, wenn angekündigte Strukturmaßnahmen und personelle Konsequenzen ausbleiben.