Gemeinnützige haben Aufholbedarf

Vorarlberg / 06.05.2026 • 15:00 Uhr
Gemeinnützige haben Aufholbedarf
In Vorarlberg wohnt man eher in Eigentum oder in “privater” Miete: Der Anteil von gemeinnützigen und Gemeindewohnungen beträgt gerade einmal 12,7 Prozent. Foto: VN/Steurer

Wohnbau: Wenige Fertigstellungen im österreichweiten Vergleich. Das soll sich ändern.

SCHWARZACH In Vorarlberg wohnt man eher in Eigentum oder in “privater” Miete. Gemeinnütziger Wohnbau habe hierzulande traditionell einen geringeren Stellenwert als in östlichen Bundesländern, bestätigt der Immobilienexperte Wolfgang Amann: “Für einen gestandenen Haushalt war das ein No-Go.” Erst langsam dringe der gemeinnützige Sektor in ländliche Gemeinden und mittlere Einkommensschichten vor.

12,7 Prozent aller Wohnungen hierzulande sind gemeinnützige oder Gemeindewohnungen. Laut Statistik Austria, wo die Daten zusammengefasst werden, handelte es sich österreichweit um fast doppelt so viele (23,6 Prozent). Einer aktuellen Bilanz des Verbandes Gemeinnütziger Bauvereinigungen (GBV) ist wiederum zu entnehmen, dass in Vorarlberg auch in der jüngsten Vergangenheit relativ wenige in diesem Bereich entstanden sind: Insgesamt habe der Marktanteil, gemessen an allen Fertigstellungen von 2023 bis 2025, neun Prozent betragen. Im Siedlungsbau allein seien es 14 Prozent gewesen. Bundesweit waren es laut GBV 23 bzw. 42 Prozent, also viel mehr.

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Die Kritik ist groß: “Unser Ziel kann nicht sein, auf alle Zeiten Schlusslicht zu bleiben beim gemeinnützigen Wohnbau”, sagt Ferdinand Koller, Geschäftsführer des Ortes für Wohnungs- und Arbeitssuchende (Dowas) in Bregenz: “Das ist ein extrem wichtiger Faktor, was die Versorgung weiter Teile der Bevölkerung mit leistbarem Wohnraum und die Vermeidung von Armut betrifft. Da könnte man sich viele Probleme ersparen.” AK-Präsident Bernhard Heinzle erklärt, Vorarlberg baue zu wenig gemeinnützige Wohnungen und das verschärfe die Wohnungsnot: “Der soziale Wohnbau ist der Schlüssel zu mehr Entspannung auf dem Wohnungsmarkt. Solange der Marktanteil der Gemeinnützigen beim Wohnungsneubau nicht erheblich erhöht wird, wird Wohnen für immer mehr Menschen in Vorarlberg zum Luxus.”

Gemeinnützige haben Aufholbedarf
“Wir hatten im vergangenen Jahr so viele Fertigstellungen wie zuletzt 1997”, betont VOGEWOSI-Geschäftsführer Hans-Peter Lorenz. Foto: VN/Steurer

Der bedeutendste gemeinnützige Bauträger in Vorarlberg ist die VOGEWOSI: “Wir hatten im vergangenen Jahr so viele Fertigstellungen wie zuletzt 1997”, betont Geschäftsführer Hans-Peter Lorenz: “269 Wohnungen in elf Anlagen.” Heuer seien ziemlich genau 500 Wohnungen in 19 Anlagen in Vorbereitung oder in Bau. Die Tendenz sei insgesamt steigend. Nicht nur durch die Tätigkeit der VOGEWOSI. Zu ihr, der Alpenländischen und der Wohnbauselbsthilfe sei mit der Wohnbauvereinigung des Österreichischen Siedlungswerkes gerade eine weitere gemeinnützige Trägerin dazugekommen: “Damit wird das Bauvolumen zusätzlich angekurbelt.”

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Wobei: Laut Lorenz gibt es Flaschenhälse. Möglich wären demnach etwa viel mehr Wohnungen in großen Anlagen, wie man sie vor Jahrzehnten errichtet habe. Davon sei man jedoch abgekommen. Auch im Sinne des Zusammenlebens der Bewohner sowie dieser mit der übrigen, bereits ansässigen Bevölkerung in einem Ort. Abgesehen davon sei es nicht so, “dass die Gemeinden bei uns die Türen einrennen” mit dem Wunsch, eine Anlage zu errichten. Unter anderem auch, weil damit Infrastrukturkosten verbunden seien für sie.

Gemeinnützige haben Aufholbedarf
2024 und 2025 habe man die Zielvorgabe erfüllt, heißt es aus dem Büro von Wohnbaulandesrat Marco Tittler (ÖVP). Foto: VN/Steurer

Immerhin: Im Zusammenhang mit einem Baupaket des Bundes gibt es eine Zielvorgabe, die erreicht werden muss, damit Zweckzuschüsse für die Wohnbauförderung fließen: 450 gemeinnützige Miet- und Mietkaufwohnungen pro Jahr, lautet sie. 2024 und 2025 habe man sie erfüllt, heißt es aus dem Büro von Wohnbaulandesrat Marco Tittler (ÖVP). So habe es im vergangenen Jahr Zusagen für rund 550 neue Wohnungen gegeben. Und nach derzeitigem Stand werde man das Ziel auch heuer erreichen.