Neue Blitzer-Technologie im Pfändertunnel: Was sie wirklich erfasst

Sie sind kaum zu übersehen und das mit Absicht: an Radargeräte erinnernde Einrichtungen am Tunnelportal.
Bregenz Sie sind bei den Tunnelportalen kaum zu übersehen, und das mit Absicht: die nicht umsonst an Blitzer erinnernden Aufnahmegeräte der Section Control in der Weströhre des Pfändertunnels.
Section Control versus Radar
Section Control ist eine Form der Geschwindigkeitskontrolle: Statt bei einem einzelnen Punkt wie bei einem klassischen Blitzer wird über einen bestimmten Abschnitt kontrolliert. Dafür wird das Kennzeichen bei der Ein- und Ausfahrt aus dem gewählten Abschnitt erfasst und die Fahrtzeit ermittelt. Am Beispiel der Weströhre: Wer diese Distanz von etwa 6744 Metern in weniger als vier Minuten passiert, muss im Durchschnitt schneller als die erlaubten 100 km/h gefahren sein und wird gestraft.
Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Iframely angezeigt.
Eine solche Überwachung wurde Ende 2018 etwa für den Arlbergtunnel eingeführt. Schließlich erfasste man im einröhrigen Tunnel mit Gegenverkehr damals bis zu 20 Überholmanöver täglich. Diesen gefährlichen Fahrmanövern wollte man auch mit der ausgedehnten Geschwindigkeitskontrolle einen Riegel vorschieben.
Begleitung zur Nachtsperre
Aufgrund der laufenden Bauarbeiten in der Oströhre ist auch der Pfändertunnel in den Nachtstunden derzeit faktisch ein einröhriger Tunnel mit Gegenverkehr. Die Oströhre ist noch bis zum 10. Juli sowie vom 7. September bis zum 24. Oktober 2026 in den Nachtstunden gesperrt, in dieser Zeit gilt in der Weströhre aufgrund des Gegenverkehrs ein Tempolimit von 60 km/h. Allein 34 Millionen Euro investiert die Asfinag in die Sicherheitstechnik des Pfändertunnels.
Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Iframely angezeigt.
Dementsprechend setzt die Asfinag auf dasselbe Erfolgskonzept, im Februar tauchten die Section-Control-Kameras an den Tunnelportalen auf. Sie soll nur während der Bauarbeiten in den Nachtstunden aktiv sein.
Abschreckung
Denn bislang dienten die gut sichtbaren Kameraanlagen nur zur Abschreckung, sie wurden seit Februar nicht scharf gestellt. Es stehe noch eine entsprechende Verordnung der Behörden aus, erklärt Asfinag-Sprecher Alexander Holzedl. Abseits davon hat der Autobahnbetreiber gute Erfahrungen mit Section Control gemacht: Weniger als ein Prozent der Fahrzeuglenker in den kontrollierten Bereichen werden wegen Geschwindigkeitsüberschreitungen gestraft. Der Verkehr fließe durch Section Control gleichmäßiger und harmonischer, es würden weniger Spurwechsel stattfinden, die Gefahr von Unfällen sinke.
Die Gefahr von Unfällen im Tunnel steigt gerade durch den Gegenverkehr in der Tunnelröhre, überhöhte Geschwindigkeit gilt als eine der häufigsten Begleitumstände dieser Unfälle. Nach Angaben der Landespolizeidirektion Vorarlberg gegenüber dem Südkurier kam es 2023 im Pfändertunnel zu 13 Verkehrsunfällen, 2024 waren es 16, 2025 zählte man 25. Heuer waren es bereits sieben Verkehrsunfälle.
Kein dauerhafter Betrieb
Ein dauerhafter Betrieb der Section Control über den Baubetrieb hinaus ist bislang nicht vorgesehen, so wurden sie auch im Herbst 2025 nach der Bausaison wieder entfernt. “Untertags und nach Abschluss der Bauarbeiten wird der Tunnel mit beiden Röhren im Richtungsverkehr betrieben, was von Haus aus der sicherste Betriebsfall ist”, erklärt Holzedl. Der Polizei steht dennoch frei, auch sonst im Tunnel per Radar die Fahrtgeschwindigkeit zu kontrollieren.