“Irgendwo ist da eine unseriöse Geschäftspraxis” – Aufregung um Trödler-Inserate

Versprochen werden Höchstpreise für Pelzmäntel, Silberbesteck und alte Möbel. Ob es sich dabei um ein seriöses Angebot handelt, beschäftigt nun mehrere Institutionen.
Bregenz “Ich konnte ihn zuerst gar nicht davon überzeugen, dass das ein schlechter Deal ist, was er da macht”, berichtet ein Sohn über seinen Vater, der beinahe Opfer der Geschäftspraxis wurde. Ursprünglich wollte dieser Gemälde und Zierrat verkaufen, versprochen wurde ihm ein vierstelliger Betrag. Ausbezahlt wurde ihm jedoch nur knapp über die Hälfte, so die betroffene Familie. Den Rest hätte er erst erhalten, wenn er den vermeintlichen Antiquitätenhändlern zusätzlich noch Goldmünzen verkauft hätte.
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Aufmerksam wurde der Sohn darauf, weil der Vater dafür extra besagte Goldmünzen bei der Bank kaufen ging. Statt zum Händler ging es zur Arbeiterkammer Vorarlberg (AK). “Irgendwo ist da eine unseriöse Geschäftspraktik – irgendwas steckt da dahinter”, ist er überzeugt. Seine Befürchtung: dass schlussendlich das Gold weit unter Wert den Besitzer gewechselt hätte.
Händler wehrt sich
Der in Bregenz tätige Händler wehrt sich. Man habe den gesamten vereinbarten Preis bezahlt, von einer Teilzahlung war keine Rede. “Wir sagten nur, falls es noch mehr zu verkaufen hat, etwa Goldmünzen, zahlen wir natürlich mehr”, wundert sich der Händler. Sechs Wochen später sei der Sohn dagestanden, um den Handel rückgängig zu machen. “Das war ein großer Aufwand”, betont der Händler. Mangelnde Seriösität will er sich nicht unterstellen lassen.

Auch der Sohn bestätigt, dass nach großem Hin und Her der Handel rückgängig gemacht werden konnte. Vor Ort fand er die Situation jedoch suspekt, daher wandte er sich an Arbeiterkammer und Polizei.
Arbeiterkammer warnt
“Die Betroffenen laufen Gefahr, teils hohe Summen zu verlieren, die Masche hat System”, warnt AK-Präsident Bernhard Heinzle. Hinterlistig sei es, in der Zeitung für den Handel zu werben. “Die meisten verlassen sich ganz einfach darauf, dass seriös ist, was in der Zeitung steht – die Händler nutzen das gezielt aus.”

Den dubiosen Gold- und Antiquitätenhändlern gehe es in erster Linie vermutlich um das Gold. Zwar werbe man damit, Pelze, Besteck und Kunst ankaufen zu wollen – dies ist jedoch nur dazu gedacht, Menschen anzulocken. Für die Arbeiterkammer ist es durchaus denkbar, dass vergleichbare Händler bewusst den Eindruck erwecken, dass man mit einem Folgegeschäft mehr Geld für den Hausrat erhalte – sofern Gold mitgeliefert wird.
Klare Reaktion
Ob es sich hierbei um strafbares Verhalten handelt, lässt sich schwer einschätzen. Grundsätzlich besteht der Verdacht des Betrugs, wenn Personen mit Absicht getäuscht werden, um sich auf ihre Kosten zu bereichern. Es muss daher sowohl die Täuschungs- als auch die Schädigungsabsicht vorliegen. Vonseiten der Polizei wird der Verdacht geprüft, es gebe jedoch noch keine Häufung von Anzeigen.

Bei Russmedia, dem Verlag der VN, wurde bereits gehandelt. “Inserate dieser Art sind bei uns nicht mehr buchbar”, betont Russmediageschäftsführer Georg Burtscher. “Als die Arbeiterkammer vor einigen Wochen erstmals gewarnt hat, haben wir sofort bei AK und Polizei nachgefragt.” Da es keine bekannten Ermittlungen gegeben habe und es sich um ein ordnungsgemäß angemeldetes Gewerbe handelte, waren für den Verlag alle formalen Voraussetzungen erfüllt. “Wir unterstützen die Behörden bei der Aufklärung ausdrücklich. Unsere Medien sollen kein Vehikel für unseriöse Praktiken sein – erst recht nicht auf Kosten von Menschen, die dem Wort ihrer Zeitung vertrauen.”
Vorsicht walten lassen
Und die Zielgruppe sei klar: “Mein Vater sagt, es waren mehrere ältere Leute dort, als er mit ihnen geredet hat”, fürchtet besagter Sohn um weitere Senioren, die sich übers Ohr hauen ließen. “Wichtig ist, dass die Leute informiert sind und sich nicht so leicht beeinflussen lassen.”
Die Arbeiterkammer Vorarlberg rät:
· Keine Inanspruchnahme solcher Dienste: Derartige Angebote grundsätzlich ignorieren. Fremden Personen keinen Zutritt zur Wohnung gewähren für angebliche “Expertisen” oder Wertermittlungen.
· Kritische Prüfung von Inseraten: Besondere Skepsis bei Anzeigen, die Höchstpreise für Pelze oder Alltagsgegenstände versprechen, da diese oft nur als Vorwand für den Zugriff auf Goldbestände dienen.
· Ablehnung von Kopplungsgeschäften: Niemals Bedingungen akzeptieren, bei denen der Ankauf von Hausrat an den gleichzeitigen Verkauf von Edelmetallen gebunden ist.
· Verkauf nur über den Fachhandel: Schätzung und Verkauf von Goldgegenständen, Schmuck und Münzen ausschließlich bei ortsansässigen, etablierten Fachbetrieben.
· Keine Übergabe gegen Anzahlungen: Niemals Ware gegen bloße Teilzahlungen oder das Versprechen auf spätere Restbeträge aushändigen.