Zuwanderung stark zurückgegangen

Vorarlberg: Weniger Geflüchtete, aber auch Migranten aus osteuropäischen Ländern.
SCHWARZACH Jahrelang ist die Bevölkerung Vorarlbergs stark gewachsen, zuletzt hat sie das jedoch kaum noch getan. Grund eins: Es gibt nur noch geringfügig mehr Geburten als Sterbefälle. Grund zwei: Auch die Wanderungsbilanz ist eingebrochen. 2025 sind nur noch um 171 Personen mehr zu- als abgewandert. Zum Vergleich: 2015 und 2022 hatte es sich um jeweils 4230 gehandelt, wie die Landesstelle für Statistik ermittelt hat.
Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Sonstige angezeigt.
“Uns wundern diese Zahlen nicht”, erklärt Eva Grabherr, Geschäftsführerin von “okay. zusammen leben”, der Projektstelle für Zuwanderung und Integration im Land. Zum einen würden deutlich weniger Geflüchtete kommen. Zum anderen sei die Zuwanderung aus osteuropäischen Ländern wie Rumänien gesunken.
Der Bevölkerungsforscher Rainer Münz verweist auf die Asylstatistik und bestätigt Ersteres: Von Jänner bis März hat es heuer in Österreich so wenige Anträge gegeben wie schon lange nicht mehr. Unter anderem ging es dabei um neuerliche Anträge oder ebensolche für hierzulande geborene Kinder: „Es gibt kaum noch Asylanträge nach einem Grenzübertritt“, so Münz. Es gebe eben kaum noch derartige Übertritte von Geflüchteten.

Michael Rünzler, der bei der Caritas Vorarlberg die Flüchtlingsbetreuung leitet, sieht einen Prozess, der schon lange dauert, wie er betont. Zurückgeführt wird er von Migrationsexperten darauf, dass seit dem Sturz von Diktator Baschar al-Assad weniger Menschen aus Syrien flüchten und es schwieriger geworden ist, Afghanistan zu verlassen. Außerdem hat Österreich den Familiennachzug für Asylberechtigte ausgesetzt. Im Übrigen kommen auch aus der Ukraine immer weniger Menschen.
In der Grundversorgung im Land befanden sich Mitte Mai 1914 Männer, Frauen und Kinder. Vor zwei Jahren waren es noch rund 3300 gewesen. Bei mehr als der Hälfte handelt es sich um Vertriebene aus der Ukraine. Insgesamt gebe es relativ wenige Neuaufnahmen, erklärt Rünzler, sodass man sich in der Flüchtlingsbetreuung in einem “kontinuierlichen Rückbauprozess” befinde. Gemeint ist damit, dass etwa immer weniger Quartiere, aber auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter benötigt werden.
Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Sonstige angezeigt.
Wie erwähnt, laufen aber auch abseits von Flucht und Asyl Veränderungen in der Migration. Schon 2023 und 2024 ist die Zuwanderung von Bürgerinnen und Bürgern anderer EU- sowie von EFTA-Staaten wie der Schweiz alles in allem zurückgegangen, sind umgekehrt vergleichsweise viele wieder abgewandert, wie Statistik-Austria-Daten zu entnehmen ist.
“Die durchschnittliche Verweildauer von Zuwanderern wird immer kürzer”, erklärt Rainer Münz im Gespräch mit den VN. Zu tun haben könnte das zum Beispiel damit, dass der Wohlstand in osteuropäischen Staaten steigt und die Steuerbelastung dort häufig niedriger ist. Damit gewinnen sie selbst an Attraktivität. Außerdem gibt es aber auch dort eine Alterung, die dazu führt, dass immer weniger Menschen im erwerbsfähigen Alter sind.
Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Sonstige angezeigt.
In Vorarlberg beginnt dieser Prozess gerade. Arbeitskräftemangel könnte damit ein Dauerthema bleiben, so Grabherr. Derzeit werde das weniger wahrgenommen, weil der Arbeitsmarkt aufgrund der wirtschaftlichen Lage angespannt ist.